Das 1.Kapitel

Das Evglstn.-Team versucht die Zusammenführung jüdischer, schon gnostisch inspirierter Gottesvorstellung, mit der
hellenistischen, vernunftbeseelten NAMENwelt, Wortwelt der Späten Stoa, im ´LOGOS-Hymnus´. Und der Täufer
´entdeckt´ den verborgenen Messias und muss für den Erwählten zeugen. Und der Erwählte findet die ersten Jünger.

1 Im Anfang war [Er] das Wort und [Er] das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

[K.Berger / Ch.Nold übersetzen sehr aufschlussreich: Zuerst war das Wort da, Gott nahe und von
Gottes Art]
Die Autoren, die in der Erwartungshaltung, dass das Gericht kommen werde, das Evglm. formten,
es zusammen stellten aus Spruchquellen, gedeckt durch die großartige Prophetie im AT, führten
doppeldeutig den Gottbegriff aus. Denn noch ist anfangs der persönliche, private Gott des
´Auserwählten Volks´ des Bundes gemeint, jedoch werden sie fortwährend erweitern den jüdischen
Gott mit den Worten des Offenbarers auf einen allgemeinen hin, (siehe speziell das Evangelium
nach Markus) der -wie in der Welt seiend- bewiesen wird durch den Propheten aller Propheten, den
´Sohn´, das Medium, den Verbalisierer, den Vermittler, den Offenbarer: Jesus von Nazareth.
Dieser ´Sohn´ wird aufzeigen, die weiter entwickelbare, höhere? Form des Sinns von der (Menschen)
Welt, und wie Selbst gottähnlich Seiend wird Er aber in der Haltung des Sohnes bleiben. Hier, der
hymnischen Text zuvor mit der rundumschlagenden üblichen Sicht vom (absoluten) Anfang der Welt,
den es so leider nicht geben kann (es sei denn er ist in Gott geborgen). [Manche Exegeten schätzen
den Anfang als (weiblichen) TEIL eines Prinzips, eines dualen Beginns ein. Gegen die Poesie dieser
Aussagen ist nichts anzuführen. Problematischer ist, dass das bereits sehr wohl in der Antike bekannte
Erkenntnisproblem, nämlich als Erkenner immer TEIL des zu Erkennenden zu sein, negiert wird und hier
in aller (spiritueller) Ohnmacht ein Ausserweltliches eingesetzt wurde, was letztlich den ´VaterGott´-
Begriff denkbar macht...]
Sowie erste Erkenntnis aus Begreifen, Ergreifen gebildet wird, gehört jedem Anfang ein Ende zu (das
es so leider auch nicht geben kann es sei denn, man ist einer 1Welt-Urknall-Kosmologie verpflichtet,
die einen wie definierten aber nicht bestimmbaren Anfang der ZEIT und Punkt des ORTs meint zu haben
und analog jedes Ende von ZEIT und ORT interpoliert mit entsprechenden Verfallsdaten und Abbruch
alles Messbaren). Oder es ist gemeint der Anfang der Menschenschau, der Beginn des Denkens,
Bedenkens der Welt. Hier zum betrachteten Heute der Autoren des Evglms wird aus dem Wort geschöpft,
das Ende des Worts gezeigt. Gleichwertig gemeint für ´im Anfang´ ist auch 'Prinzip', 'Ursache' als Beginn
aller Wirklichkeit der Welt, aber um nichts besser (dem Evglstn. war sehr wohl Gen 1,1 Vorbild. Ein Auf-
wertungsversuch seines Textes mit Vorgriff auf eine ZEIT vor dem Handeln (dieses) Gottes. Wie doch
der LOGOS-Epilog eine philosophische Schichtung andeutet, die letztlich nicht verwendet werden konnte,
vielleicht wegen mangelnder Volksnähe?). Sicher ist nur, dass mit dem Anklang an ´Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erde´ [siehe Hiob 38,4; Ps 90,2; Offb 4,11] ein nun Wiedergeholtes nun aber quasi
Umfassendes, Abschliessendes
postuliert werden sollte, unter Einsatz des erweiterten NAMEN-Reichtums
des Hellenismus. Alle Beredung des Themas verhindernd beenden sollte dieser fantastisch gelungene,
wuchtige Anfang (siehe die bedeutungsvolle und tiefe Interpretation von E.Drewermann (1997):
"1,1 Am Anfang steht worthafter Geist. Denn worthafter Geist geht nach Gott. Gott selbst ist worthafter
Geist (17,5; Gen 1,1)..")
Hinzu kommt bei Johannes die modernste philosophische Durchdringung, die wesentlich weiter entwickelt
ist als die der anderen Evgln., inkl. der nichtkanonischen (meist gnostischen) durch die mutige Interpretation
der Weisheits-Literatur des AT. [siehe Spr 8,22-31; Hiob 38f; Weish Kap. 10-19; besonders 10,1-11,4;
sowie der Weisheits- Hymnus in Sir 24,1-22; (nach J.Blank)] Meisterhaft wird alle Vorstellung von der Welt
verknüpft mit jeder Art Kausalität der Welt. So wird es möglich die ´natürlich´ gewachsene Vorstellung von
der Welt mit handgreiflicher Denkhilfe still und beschwichtigend zu bedienen: Und so ist dieser Anfang
Ur-Wirklichkeit und Ur-Bereich; das Ewige, von je und durch sich und in sich selbst Erfüllte (R.Guardini).

2 Dasselbe [Dieser] war im Anfang bei Gott.

Geschickt wird die tautologische Klammer geworfen über die erste Aussage. Wie aus sich selbst heraus
und mit sich als Beweis (siehe die 'Beweisführung' Jesu über sein Herkommen oder Zeugnis des Täufers
von ihm oder der eher schwache ´Beweis´ des Redaktions-Teams über des Evangelisten Autorenschaft).
Der NAME, Wort, LOGOS, scheint wie aus dem Nichts, jedenfalls ohne jüdisches ETWAS, in die Welt ge-
kommen zu sein: eine hoffnungslos ergebene Aussage über das GANZE, die Aussage aus einer Kindchen-
haltung. In ihr ist (selbstverständlich) noch das Vertrauen, dass das GANZE so ist wie es uns IST, also
scheint, also: IST!. Das GANZE ist undenkbar, wie unendlich, jedoch endlich. Das GANZE versteht sich als
die Menge aller Mengen und der Vorstellung darüber und birgt in sich alle TEILE und die Beziehung des
TEILS zum TEIL.
[Und wie um das vorher und nachher zu ersticken, WIRD in sich kreisend, bestimmt, das sogenannte ja!
herrliche Anfängliche.] Der Anfang als Anfangsbedingung missverstanden oder als der ´tatsächliche´
Beginn der ZEIT der Welt. Die kosmologischen Erklärungen über den A. sind nicht sehr zufriedenstellend
(die Zeit beginnt mit der 2.Sekunde...), der ´Bericht´ darüber in der Bibel wie märchenhaft (daraus muss
nicht ´Gott´ folgen, ist aber zu wünschen).

3 Alle Dinge sind durch das dasselbe [Wort] gemacht [geworden], und ohne dasselbe [Wort]
ist nichts gemacht, was gemacht [geworden] ist.

WIRD, WERDEN, GEWORDEN kann nicht NAME sein im Seienden, Bestehenden, im IST (das, was auf
der Hand liegen scheint, einst geWORDEN), sondern damit wird das fortwährende Ausbreiten des
GANZEN und seiner TEILE in eine abzählbar unendliche Größe zu beschrieben. [siehe jedoch 1.Kor 8,6;
Kol 1,16-17; Hebr 1,2. Hatten die Autoren des Evglms. Verbindung mit der Briefliteratur? Oder schöpfen
die Briefe aus einer sehr frühen Quelle die auch das Ur-Joh.Evglm. nützt? Oder ist das schon kollektives
Wissen, Zeitgeist?] Und so ist der TEIL der erschafft und erwirkt die ´Dinge´ in der Welt nicht innerhalb
des GANZEN sondern ausserhalb und uns unzugänglich und unbesprechbar.
Wie um das weiter zu verdichten wird auf den NAMEN Gott verzichtet, der LOGOS ist hier wie mächtiger
als das Göttliche, diskretisiert es oder wie bei Philon: das Göttliche ist wesenlos und nichtmateriell, birgt
in sich und ist die Idee
von der Welt; LOGOS als das Weltprinzip, als die Basis für jede Funktion von Welt
(oder hier christologisch: LOGOS der ´Sohn´). [Mangels logistischer Hierarchien damals ´Sohn´ für jede
Art strengster Beauftragung (der Schüler, der Sohn); analog dazu wird der Kindchenglaube angesprochen:
dass das Herabsteigen des (wie göttlichen) Menschen-Sohns aus dem Himmel zu erwarten ist. Oder ganz
einfach: der Mensch Jesu wird zum LOGOS: Er ist der Träger der (göttlichen) wahrhaften Vernunft, dh.
des Sinns von der Welt in der Welt des Menschenlebens].
Diese Darlegung ist über das damalige Bild der Welt hinausgedacht, hier ist kein Bild des Atomistischen,
auch keine gnostischduale Idee vom Sein, sondern eine kategorisch abschliessende Aussage; wieder
kreisend um sich selbst, ohne Bewertung: alles was die Welt ist, IST so wie es ist. Oft wird die -für das
junge Christentum eher bedrohliche- Gnosis (=eine recht noble, auch geschwätzige Art orientalischer,
geheimer Esoterik), mit eher unverfänglichen Aussagen eingearbeitet. Deren duales Bild von der Welt
kann so wenig brauchbar tatsächlich sein wie alles was naive ´Erkenntnis´ zB von ´Gut´und ´Böse´ meint
und doch ist es zerstörerisch weil still wegweisend aus der Mitte. Die heutige Gnosis ist zu einer -für alle
Eingebungen taugliche- Faselei und Mode verkommen.
Das IST der Welt (der Zustand der Welt) ist nicht gut und nicht schlecht: die machbaren Dinge sind gemacht,
das Machen ist dinghaft und wie als eine Beweisführung: Gott ist nicht in der Welt, das Bildhafte des
Wissens das die johanneische Welt von Gott hat, IST im LOGOS begründet als Ordnung und zugleich Mög-
lichkeit der Umsetzung, Kreation von Welt. Üblich im AT die Verknüpfung Wort/Tat: >Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erde. Und die Erde war wüste und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes
schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: ´Es werde Licht´ Und es ward Licht.< Und hier auch das
versteckte Werben des Evangelisten um die griechisch gebildete Welt, er will nicht nur die Juden missio-
nieren (im Gegenteil! er spricht oft abfällig über sie und schafft hier den christkirchlich ´begründeten´
Antijudaismus); sein Text dient offensichtlich nicht nur der Modifizierung und Stabilisierung des Glaubens
der Judenchristen, sondern zielt populistisch auf die nichtjüdische, polytheistische, andere Welt.
Und bei aller Blauäugigkeit, dass bei Johannes mit den ´Juden´ nur das Volk und sein ethnisches Hiersein
gemeint sei, kann nichts ungeschehen machen die massive Verächtlichung der Juden durch den (jüdischen?)
Evglstn.!. Siehe auch Mt 21,43: "Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und
einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt. 44 Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen;
auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen." Ob da schon der ´typische´ Selbsthass der Juden ist, ein von
der sie (die Juden) hassenden Welt übernommener nachgebend einbrechender Hass auf sich selbst?
Wie weit schon war die Christologie entwickelt, um sich solche Ausfälle gegen das eigene jüdische
Herkommen leisten zu können? War das Liebdienerei an die ´Griechen´ oder eher wohl Kalkül der Evange-
listen: Alles was in dieser Welt des Römischen Weltreichs organisiert wird, muss -mehr oder weniger-
beschränkt auf das Selbstverständnis der Herrschenden ausgerichtet sein: Jesus wird unter Pontius
Pilatus hingerichtet, nicht von. Die neuen Glaubenden, die ´Christen´ und ihre beginnende Kirche nehmen
begierig auf das Hinrichten Jesu durch die Juden: Damit wurde Er für sie ´arisiert´ (oder genauer: ent-
judaisiert und international) und so der gläubige Jude Jesus herausgelöst aus seinem ethnischen ORT
und vereinnehmbar für die Firma Christen-Kirche. Siehe das ´Mea Culpa´ der Katholischen Kirche im
März 2000: Jesus wird dabei zart zurück semitisiert. Ein starkes Stück für brave, fundamentale Christen,
die Reinheit von irgendwo, irgendwas erwarten und die bald zwei Jahrtausende lang ihre pervertierte
Frömmigkeit an den Juden und ´Heiden´ ausgelassen haben und so -im Gegensatz zur (einst) recht
passablen Toleranz der Muslimen zu ihren Vorgänger-Religionen- als die Mörder im Namen Christi in
die Geschichte eingegangen sind!.

4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Das ist wie ein redaktioneller Einschub, denn im WERDEN der Welt hat das Hiersein der Menschen
(noch) keine Bedeutung. [Dass nur wir Menschen das WERDEN der Welt anspruchsvoll (das muss
nicht unbedingt qualitätsvoll sein) bedenken, letztlich durch unsere entwickelten Gehirnfunktionen ALLES
auf uns beziehen müssen, das befreit uns etwas vom Vorwurf, uns (mit allen abscheulichen Folgen) für
den Mittelpunkt der Welt zu halten]. Der NAME Leben als das was funktioniert und mehr: Leben als das
dem Menschen gegebene dann erst mögliche Menschenleben! Der NAME Licht als Messbares (hier
LOGOS-Wirkung) und die Vorstellung vom erleuchteten 'Sinn des (Menschen)Lebens' wird fast zu früh
ins Spiel gebracht: Gemeint ist wohl, dass der LOGOS in sich birgt alle Energie und deren Ordnung (die
durch die Energie bestimmt wird und diese nur WIRD weil Ordnung ist). Leben, Licht, zwei NAMEN für
das eine Mögliche, für die lichte Seite der 'Wirklichkeit', das Diesseits; für das 'Lebenslicht' das nur in
dieser -christologisch verklärten- Welt sein kann. Das Licht als das Lebende; das Nichtlebende das
Jenseits des Hellen: die Finsternis. Oder doch (noch) nicht die aufkommende Dualität im Weltverständnis,
noch die frühe (und heute wieder rechte) Schau der Welt, die kein ´strenges´ entweder-oder kennt,
sondern nur Mengen und Verhältnisse? Das Licht als das Erleuchtende und Lebendige und letztlich nur
dem Menschen (der selbst lichtlos) bestimmt, weil er sich seines lichterfüllten Lebenswegs gewiss
werden kann und -wenn er Glück hat- das in der Welt SEIENDE Licht hier ersehen wird, denn alles
Licht, alles was die Welt ist, ist in dieser Welt und sonst nirgendwo!

5 Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis haben es nicht begriffen.

Siehe H.Menge 1,5 »Und das Licht leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht ergriffen
(oder: begriffen, oder: angenommen).«; siehe E.Drewermann 1,5 »Das Licht scheint im Dunklen, doch
das Dunkel begreift´s nicht.« Interessant W.Jens: »ER: das Licht für die Menschen. Das Licht in der Nacht:
Nicht überwältigt von der Finsternis.« Erst die Bild von der Finsternis, dann kommt das Licht des LOGOS.
Danach ward unsere Welt. Und was nicht möglich war als Licht zu begreifen (ergreifen) wird für immer
verborgen sein in einer Nicht-Welt die es n i c h t geben kann, so wie es das 'Nichts' n i c h t geben kann.
Alles was FUNKTIONIERT ist Welt. Das ewige Licht der Welt in der Welt, das scheint und begründet das,
was Finsternis sein soll und alles was in die Welt als Finsternis gekommen, ist NICHT sondern nur NAMEN
von ETWAS das Negation sein soll und doch nur naives (weil recht anschauliches) Denkmaterial ist. Der
Evangelist meint das (wohl weniger das jüdische als das ´griechische´) Gottglaubenlose als Finsternis,
die sich des LOGOS Licht naiv erwehrt, weil es nicht begreifen, verstehen kann die mögliche Erhellung
seines Daseins (durch den ALLES durchdringenden LOGOS). Hier wird oft auf eine Dualität hingewiesen,
die eigentlich nicht ist, sondern nur in der Sprache. Jedoch: Mit der Werdekraft des Lichts ersteht unsere
Welt und in uns die Noosphäre, die Welt von der Vorstellung der Welt, und nun ist alles offen.
Hier die Vorstellung des Johannes, gesandt oder gemacht von Gott oder auch LOGOS:

6 Es ward ein Mensch von Gott gesandt [gemacht ], der hiess Johannes.

Johannes der Täufer, der die große Gestalt der vormessianischen Zeit ist, und dann hinter Jesu treten muss.
Als Sohn des Zacharias und der Elisabet, beide aus priesterlichen Geschlecht, wird er erzogen, die
´Gesetze´ nicht zu formalistisch zu deuten (das bedeutet große Teile der Zivilisation der Juden in Frage
zu stellen!). Er ergreift nicht den (damals übel beleumdeten) Priesterberuf des Vaters sondern zieht sich
rigoros in die Einsamkeit der Wüste (Qumran?) zurück (offensichtliche Nachbildung der Geburts- und Jugend-
geschichten von Isaak, Simpson und Samuel). Seinen NAMEN Johannes (griech. ´Gott ist gnädig´) als
Programm der damals unterdrückten sadokidischen Hohenpriesterfamilie (s.Zadok) vor sich tragend.
Dort (in Qumran?) wird er in einer oppositionellen, strengen und der Gerechtigkeit lebenden Gemeinschaft
erzogen. Vermutlich gelobte sein Vater ihn den asketisch lebenden Nasiräern (Gottgeweihten) an. Als Buss-
prediger und Endzeitprophet tritt der Täufer ab 28 nC am Jordan, südlich von Jericho, in die Öffentlichkeit.
Er ist der Begründer der einmaligen Umkehrtaufe. Er ruft zur Umkehr auf, gilt als (letzter) Prophet und
sammelt eine große Schar um sich, und tauft -in Vorwegnahme des kommenden Gerichts- alle. Neu ist,
dass er kein entscheidendes Heil in der Zugehörigkeit zum ´Auserwählten Volk´ sieht. Er ruft zur Buße, zur
Taufe (auch Feuertaufe), zum ´Untertauchen´, ´Ertränken´, zur sündenfreien ´Wiedergeburt´ (aus dem Wasser)
auf. Er will die abrahamitische Welt reinigen für den kommenden Richter. Er predigt vom Machtvollen, der
nach ihm kommen, der die Scheidung der Spreu vom Weizen vornehmen und die Ungerechten bestrafen wird.
Während Johannes öffentlich das verschwenderische Leben des Herodes Antipas und speziell dessen Heirat
mit Schwägerin Herodias verurteilt und einen großen Kreis um sich sammelt, fällt er dem Hohen Rat auf: Seine
Proklamation vom kommenden Messiasreich (analog der Erwartung der Juden) bringt ihn in Bedrängnis: Trotz
seiner Beteuerung im ´Prüfungsgespräch´, nicht der Messias zu sein, sondern nur von ihm zu predigen, ist er
als Unruhestifter zu gefährlich und wird er auf die Burg Macharäus verbracht und dort ermordet (s. Josephus
Altertümer: 18,5,2).
[Anzunehmen ist, dass wohl Jesus ein ihn begleitender getaufter Jünger (Schüler) war, und aus einem nicht
bekannten Grund aus seinem Kreis hervor getreten ist, möglicherweise hat die Verhaftung und Tod des
Täufers Ihn bewogen, für Sich Selbst aufzutreten.] Weiter: Der LOGOS als finale Funktion damit Welt WERDE
tritt langsam zurück. Durchdrungen sei die Welt von seiner (wie göttlichen) Struktur. Der erste Mensch des
Evglms. ist der politisch sehr wichtige Täufer, der -wie später folgende- als bekannt gilt. Der Täufer ist bevoll-
mächtigt und Gesandter, man muss auf ihn hören. Und er wird zeugen (müssen) von Jemand der anders als
alle ist. Denn alle kamen in diese Welt, in der Jener aller Ort ist.
[Souverän geht der Evangelist mit seinen Personen um: er weiss, dass sie bekannt sind (wohl nicht durch
die Synoptiker!). Offensichtlich gab es zu dieser Zeit ein -von den Synoptikern unabhängiges, mündlich
überliefertes, über die Quelle ´Q´ hinaus gehendes- Grundwissen über den Fall Jesus, was die zeitliche
Reihung dieses Evglms. -als das letzte- fragwürdig macht. Die These, es sei das reifste, und daher letzte,
weil wohl über die eher naiven anderen gebaut (als ob in der Antike schriftliches Studium der Quellen üblich
gewesen wäre), ist nicht sehr anspruchsvoll, da der große Paulus Jahrzehnte vor allen Evgln. seine
grandiosen, weltklugen Briefe verfasst hatte, die christologisch und theologisch weit über die Synoptiker-
Texten stehen!].


7 Derselbe kam zum Zeugnis, dass er von dem Licht zeugete, auf dass sie alle durch ihn
glaubten [zum Glauben kämen]. 8 Er war nicht das Licht sondern er zeugete von dem Licht.


Schon früh wird hierdas Problem der Bekennung des versteckten Messias gelöst. Die Messias-Erwartung
wird durch den Täufer zeugnishaft erfüllt: er wird auf einen bisher unbekannten (ihn begleitend ange-
schlossenen?) Menschen zeigen. Und der Verweis: Wer zeugt vom Licht ist nicht lichtvoll; ein klares
Zurückdrängen, da ist Abwehr und viel Politik gegen den Täufer versteckt. Die Täuferbewegung, die
nach Johannes Tod weiter bestand, war erfolgreiche Konkurrenz des jüdischen Urchristentums, auch
weil sie in eine andere Richtung zielte. Die Messianität Jesu entsprach letztlich nicht der Vorstellung des
Johannes [Die Täufer-Botschaft redet von dem himmlischen Weltenrichter, nicht einem irdischen
Menschen (G.Bornkamm)]. Da die Bewegung vorher entstanden ist, kann daraus geschlossen werden,
dass die Jesus-Sekte eine Absplitterung der Johannes-Sekte ist (R.Bultmann). Insofern auch, weil bei
den Synoptikern der Täufer wie als Beweis der Wirklichkeit Jesu geführt wird: er ist nicht nur Stichwort-
geber sondern garantiert mit seiner unstreitig historischen Existenz die des Erwählten.


9 [Geistbehaftetes Wort] das ist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet:
die in diese Welt [ge]kommen. 10 Es war in der Welt und die Welt ist durch dasselbe
gemacht; und die Welt [er]kannte es nicht. 11 Er [LOGOS das worterfüllte Licht] kam in
das Seine [was Er selbst ist] doch die Seinen [dh die ihm Eigenen] nahmen ihn nicht auf.


Nach dem Einschub mit Johannes wird vom LOGOS weiter berichtet der den (später) in den Kosmos
gekommenen Menschen erleuchtet und schon immer hier war. Der Kosmos ist nun wie lichtvoll und
WIRD (für die Menschen erkennbar/bedenkbar) durch das Licht des LOGOS, obwohl er schon immer
mit/im LOGOS WAR. Doppelsinnig wird der LOGOS von den Seinen nicht angenommen (sie glauben
nicht und ohne/trotz Licht des LOGOS sind sie unerleuchtet), doch die Annahme bedarf das Wort (die
Regel) nicht; plötzlich tritt die Rede über zu Jemand (oder bleibt am ORT), der nur angedeutet wird,
aber jeder muss wissen: Ihm WURDE Insich der Sinn der Welt geborgen, IST ihr Zusammensein, ihr
einzig guter Grund und Regelwerk: Er wird anbieten Weisheit und Verzicht und das Leben in Liebe.
Siehe 3.Mose 19,18 »Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks.
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ICH BIN der HERR.« Ist das schon die Umkehrung
zur Feindes-Liebe? Hier und bei Mk wird sie nicht extra geboten, jedoch bei den Großevangelien Mt
und Lk schon. Ist das ein Beweis, dass -aus der übergroßen Liebe Gottes (der zuerst liebt, der die
Liebe in die Welt bringt!)- die Menschen das Zurücklieben lernen, zuerst zu Ihm und dann an alle und
auch an die Übeltäter. Ist das eine Fortschreibung dieses Gebots? Ist dieses Evglm. doch älter als Mt
und Lk., also vor ihnen entstanden, weil lakonischer?
Und Er, der Offenbarer, WIRD Sein Menschen-Leben ausleben und weil der Sinn der Menschen-Welt
durch Ihn sich erzeigt, WIRD Er unerreichbar unannehmbar. Der Evangelist erzählt hier nicht (nur) die
Geschichte Jesu: der Evglst. meditiert über die aktuelle Tatsache des (jüdischen) Urchristentums,
dessen Dynamik plötzlich auf die (unjüdische) Absicht verweist, die gesamte Welt zu missionieren
ohne das Spezielle, Wunderbare des Offenbarers abzuschwächen. [Über die tatsächliche Größe des
Urchristentums und seiner Gemeinden zZ der Erstellung der Evgln. gibt es widersprüchliche
Aussagen: Apg.2,41;4,4 gibt mehrere Tausend Bekehrte an, während der große Paulus in 1.Kor. 16,19
und Röm 16,23 berichtet von Versammlungen in Privaträumen, Privatwohnungen] Die Absicht des
Autorenteams ist das Joh.Evglm. bedenkbar/besprechbar zu machen für den philosophisch geformten,
hellenistischen Zeitgeist. Mit der zwingenden Zusammenschau aller Welt WIRD die Geschichte des
Herrn nicht nur wundervoll, sondern gibt (auch) Zeugnis von der Möglichkeit, einen
Sinn des Menschenlebens
(nämlich der Hinneigung zum Nächsten ohne Begehren!!) zu leben. Und
wie in einem Prozess entwickelt der Evglst. eine Anklage gegen das (sich -wohl zurecht- gotteseigen
meinende/wissende!) Volk der Juden, welches den ihren (und für alle!) schicksalhaft nicht erkennen
kann und Ihn am Schluss ans Kreuz liefern muss. Mit der Vernichtung dieses Beweises der höchsten
Hoffnung, führt eine Sozialisation sich in die Angst zurück.


12 Doch die ihn aufnahmen [ergreifen, glauben], denen gab er Macht, Gottes Kinder zu
werden, die an seinen Namen glauben.


[E.Drewermann: ´denen schenkt Er die Freiheit, Gottes Kinder zu werden´] Tatsächlich wird Er
verlangen einfach nur zu glauben! Tatsächlich sind die Wundergeschichten nur beigefügter Traditions-
stoff, die wie magnetisch angezogen, sich um den Erwählten als seine Aura einfinden: Nicht das
Wunder macht ihn zum Objekt des Glaubens, was Er will, was Er verlangt ist, freudigen Mutes sich
(wie in Erinnerung an die vertrauensvoll beschützte Kindheit) in seine liebevollen Hände zu begeben!
Allein
nur durch den Glauben WERDEN die Wunder! Unauflösbarer Widerspruch? Nicht glauben
können ohne Wunder, kein Wunder ohne Glauben! Oder ist Er das Bindende, das Worterfüllte, die
Funktion zwischen OBEN und Erde?


13 Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem
Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.


Siehe H.Menge 1,13 »die nicht durch Geblüt oder durch den Naturtrieb des Fleisches, auch nicht
durch den Willen eines Mannes, sondern aus Gott gezeugt (oder geboren) sind.« Gott als der
Vater´, die an ihn glauben, werden seine ´Kinder´. Es ist die Frage offen: sind wir als ´Kinder´
immer
gemeint und WERDEN dieser Kindheit nie entwachsen oder ist es der Glaube an den
VaterGott der aus uns die Kindlein schafft.


14 Und das Wort ward Fleisch [Leben, Mensch], und wohnte unter uns, und wir
sahen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes vom Vater,
[erfüllt] voller Gnade und Wahrheit.


Herrlich W.Jens: »ER aber, das Wort, ER wurde Fleisch: Mensch unter Menschen war ER bei
uns. Wir sahen IHN in seiner Herrlichkeit, dem Licht des einzigen Sohnes, vom Vater her
leuchtend, erfüllt von Gnade und Wahrheit«
Wahrheit hier nicht als philosophischer Begriff (und Gegenteil von Falsch) sondern diese
Wahrheit ist die im Judentum geforderte Wahrhaftigkeit der ´Gesetze´ (´Tora´) zu leben. Im
Joh.Evglm. ist die Wahrheit unlösbar mit Jesus verbunden, denn Er ist die wahre Wahrhaftigkeit
in Gott, obwohl der Evglst. uns aufzeigen wird, was Er mit den ´Gesetzen´ macht; wenn Er will
oder muss, ist alle Wahrheit (der ´Gesetze´) durch den Ersehnten erklärbar, deutbar! Das heisst
auch, will uns heissen lassen, dass Wahrheit nur göttlich sein kann und die Menschenwelt von
Anfang an (vorerst) im (lichtlosen) ´Gegenteil´ -nämlich der ´Lüge´- lebt.
Zu einfach: Lüge ist zu aktiv besetzt, denn, der nicht in der Wahrhaftigkeit seines Gottes Lebende
ist nicht der ´Lügner´; er ist nicht ´lügend´, sondern er schwebt in einer aussichtslosen, wortlosen,
erkenntnislosen, wahrheitslosen Dunkelheit der Wirklichkeit der Welt. Weiter im Text wird das
Wechselseitige aufgehoben: LOGOS -als Mittler (Medium) Gottes- existiert und Er ist das fleisch-
liche Sagbare des unsagbaren Willens des nun schon (zu?) lange schweigenden Gottes. Und
auch, dass die Menschen, die sich Seiner Idee der (Feindes) Liebe öffnen, wie Kinder ange-
nommen werden, eingebettet sein werden in einem ETWAS das ganz anders unvergleichbar
eigentlich ist (Nie genug kann auf das Herrliche, Unmögliche von Ihm hingewiesen werden in
15,12: "Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe." Das gibt
es nur hier und in den Briefen des Joh.! Was ist das? Wer hat gewagt das schreiben lassen?).
Der nun EINZIGE Gott der Juden, schon ALLES -statt das Nichts der orientalischen
Stammesgötter- geworden, gebietet nicht (mehr), verspricht nichts (mehr) über die Propheten;
es gibt nur hier die Nachricht, vermittelt vom Evglstn.: Wer offen ist für das Neue, Gute, der wird
eine Heimat -die (göttliche) Familie- finden. Und die Idee vom Guten ist unvorstellbar. Sie muss
-um in die Welt (der Menschen) zu kommen- erst ´Fleisch´ also Menschenleben und Wirklichkeit
der Menschen WERDEN. Nicht Gott wird Fleisch-Mensch, das brächte nichts, denn alle
Menschen-Vorstellung vom Hinstreben zur allumfassenden Gott-Familie in Liebe, sie kann nur
Wirklichkeit WERDEN durch die (gute) Tat des Menschen im Leben. Und damals wie heute
muss EINER zum Führen benannt werden, hier vom ´Vater´ der ´Sohn´ der hierher (aus Sich
Selbst heraus) kommen und das Beispiel geben wird (müssen). Und immer wieder muss die
Frage vorgelegt werden, ob es möglich ist ernsthaft an so ein ETWAS wie eine personalisierte
Gottheit (Gott als Person!?) denken zu können, ohne nicht tief in sich das Wissen zu haben, dass
es Gott gibt. Annehmbar -bei aller Skepsis- ist eine Art Bereitstellung eines nun geläufigen
NAMENS von ETWAS was Gott meint, oder ein Irgendwas, was die Welt ´machte´. Dazu gibt
es keine Erklärung die logisch genug ist; wohl aber den Verweis auf Gehirnfunktionen, die per-
spektivische, hoffnungsvolle, optimistische, wie religiöse Zusammenschau erzwingen (müssen)
zur Überlebenslust und auch weil es nur so FUNKTIONIERT. Das Andere, das wie in Schwebe
halten einer zeitgeistlichen Wahrheit, heisst nicht, sie als wahr anzunehmen, sie aber als
Tatsache Gottglaube (in einer Welt der Vorstellung) zu akzeptieren.
Das Ausserordentliche am Joh.Evglm. ist nicht die (kanonisch vierte) Erzählung von einem
Menschen, der von den Massen einmal als König, einmal als ein Niemand gesehen wurde, der
sich Gottes ´Sohn´ beNAMEN liess (weil Er wusste mehr als alle von seinem ´Vater´); dem
Wunder zugeschrieben wurden und der letztlich alles verlor, ohne vorher praktikabel den
hysterischen Massen vermitteln zu können, welchen Sinn sein Hiersein haben sollte. Sondern
dieses Evglm. stellt dar einen Menschen, der von Sich Selbst, in Seiner Anwesenheit, immer
wie im Nachhinein spricht: Er ist wie geschwollen von der nach Seinem Tode kommenden
Welt-Weisheit: Jesus spricht (wird sprechend) in einer Art Rückblende: Seine Herrenworte
sind nicht entzündender mitreissender Stoff des großen Dramas: Jesus spricht bedürfnislos
aber postulierend wie aus weltfernem ORTE: Er ist völlig jenseitig; nichts mehr IST hier in der
Welt, das aktuell weiterhelfen oder gefährdet werden könnte. Es ist, als wäre alles gelebt und
sich zurück wendend, mit wie in Todes-Ruhe strahlendem Angesicht, spricht Er, bevor Er für
immer aus der Welt der Menschen geht (und um sie nie mehr zu verlassen). Eine Meister-
leistung des Evangelisten und seines Teams!


15 Johannes zeuget von ihm, und schrie: "Dieser war es, von dem ich gesagt
habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist, denn Er war eher, denn
ch. 16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen [empfangen], Gnade um
Gnade."


Das Zeugnis des Täufers, sicher ein nach vorn gerückter Einschub, in einer Zeit gestaltet, als
nicht so ohne weiteres das jüdische Urchristentum sich neben der Täufersekte ausbreiten
konnte und die wachsenden -gnostisch wuchernden- Ausschmückungen der Heilsgeschichte,
schnelles Handeln erforderten. Das wunderbar unangreifbare Bild des schon immer in der
Welt gewesenen ´Sohns´! Da im Altertum der Mann körperlich und (davon physisch abgeleitet!)
als allgemeine Führungskraft die Familie und analog die Gemeinden beherrschte, konnte im
monotheistischen Weltprinzip VaterGott die Delegation des Auftrags zur Erlösung (dh Rückkauf
oder Freikauf) der Welt (des Glaubens) nur über den direkten (männlichen) Abkömmling erfolgen.
Der ´Sohn´ jedoch kann nie sein was der ´Vater´ ist: Er übernimmt von ihm seine (ihm zuge-
eigenete) Sohns-Aufgabe: Hier der Offenbarer, Er soll (und muss) hinweisend vorleben ein
ETWAS (der Welt), das es so noch nicht gibt und mit Ihm, durch Ihn ersteht und das mit ihm
verschwinden muss, um unangreifbar zu werden zur Hoffnung. Hier endet das weite, kosmo-
logische, Bild von der Welt in Gott.


17 Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben; die Gnade und Wahrheit [die
Wahrhaftigkeit Gottes] ist durch Jesus Christus geworden [gekommen]. 18
Niemand hat Gott je gesehen. Der eingeborene [einzig gottgeborene] Sohn,
der in des Vaters Schoss ist, der hat es uns verkündet [gedeutet].


Jesus der Christus, griech. die gräzisierte Form des hebr. maschiach (Messias=´der Gesalbte´
auch Unantastbare aufgrund der unterstellten Königshoheit). Recht unmotiviert der frühe
Einschub des Namens, der als redaktioneller Versuch einer Klammer Juden zu Christen gelten
kann (der gesalbte König in/und Jesus). Der Evglst. zeigt mit dem Hinweis auf die ´Tora´ auf
die rigorosen Einschränkungen des täglichen Lebens durch die Regeln und deren Gott
´gefällige´ Befolgung.
[´Tora´: Schrifttum, Lehre, Unterweisung, ´Gesetz´, das zusammengefasst aus zuerst nur vier
Quellen, dann fünf (Mosebücher) bestand, das ca 400 vC abgeschlossen wurde. TEIL der
Hebräischen Bibel (Tora, Propheten, Schriften). Hebräischen Bibel zwischen 100 vC
bis 100 nC zur ´Heiligen Schrift´ abgeschlossen worden (s. AT). Neben der schriftlichen
´Tora´ gilt auch die mündlche ´Tora´, die in der rabbinischen Literatur niedergelegt ist.]
Das war das Allbekannte der Gehorsams-Religion, die Sicherheit der ´Gesetzestreue´
erzeugt das Bewusstsein der ´Erwähltheit´ und Geborgenheit und auch das ´Joch der Gesetze´
Letztlich kann aus dieser Haltung Blindheit und Hochmut auf das Andere, Offene, Ungeordnete
entstehen. Jesus, der bereits bekannte Redner und Lehrer, der -weil ohne praktikable
Akzeptanz- (als wäre das ein Widerspruch: Er wird vernichtet weil Er eine Gefahr ist (für wen
wohl?) und weil Er von den Juden mangels Seines? Wirklichkeitsinns nicht als Führer akzeptiert
und darum nicht -wenigstens versuchsweise- geborgen und behütet werden konnte); dieser
Mensch Jesus der von der (römisch delegierten) Führung des eigenen Volks an die Römer
verraten, auch ´übergeben´ wurde, hatte die Fessel der ´Gesetze´ geöffnet und die sprachlos
staunenden Juden in eine Welt der Hoffnung und Gnade führen wollen, wenn auch unter
(drohenden) Hinweis auf den kommenden Letzten Tag. Dabei stellte Er die Möglichkeit ins
Licht zu gehen über alle ´Gesetze´: Gottgefällig war der der an die Macht der Liebe [Gottes]
glaubte
und nicht (nur) auf das (zu erfüllende) Gebot des ´Vaters´ pochte. Mit dieser nicht
einfachen Eröffnung des Glaubens aus der starren Knechtschaft (unter Gott) zur allgemeineren,
wollte Er seine Geschwister beschenken: Er bot ihnen an den Neuen Bund der tätigen Liebe und
des Vertrauens. (Dieses Angebot scheint noch immer zu bestehen, weil wohl nicht annehmbar
nicht angenommen.) Und in Jesu Wirken hinein das (raunende) Reden vom nichtfindbaren Gott,
der von sich kein Bild wünscht, unsichtbar und zärtlich drohend die ´Gesetze´ einfordert: Hat die
Geistlichkeit, haben die Schriftgelehrten versagt, sodass plötzlich die Auslegung göttlicher Regel
für Hörende! verständlich wird, wenn sie durch engere hier -verwandtschaftliche- Beziehung ab-
gesichert ist? Wie nah ist dieser Sohn (dieser Führer zu Gott) dem VaterGott? Ist Er ihm auch
wortwörtlich hörig oder kann Er weise sprechen vom ETWAS das mit ´Vater´ gemeint ist und nur
durch Ihn in die Welt kommen kann und letztlich auch gewünscht wird vom ´Vater´? Alles was in
den ´Gesetzen´ ist, ist von der Idee vom ´Vater´ und seinem Allgesetz, das immer schon in der
Welt war, erleuchtet. War das genug? War nun die Zeit gekommen über die Welt in Gott zu
predigen?
[Jahrzehnte v o r diesem Evglm. schreibt der große Paulus im Brief an die Römer über Gesetzes-
gerechtigkeit und Glaubensgerechtigkeit: Röm 10,1 »Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist,
und ich flehe auch zu Gott für sie, dass sie (die Gerechtigkeit nicht aus dem Glauben sondern
aus den Werken ziehen wollen) gerettet werden. 2 Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für
Gott haben, aber ohne Einsicht. 3 Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt,
und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht
untertan. 4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.«]


19 Und dies ist das Zeugnis Johannis, da [als] die Juden sandten von Jerusalem
Priester und Leviten, dass sie ihn fragten: "Wer bist du?" 20 Und er bekannte, und
leugnete nicht; und er bekannte: "Ich bin nicht Christus [der Messias]." 21 Und sie
fragten ihn: "Was denn? Bist du Elias?"


Die ´Juden´ schicken eine Abordnung die auch noch aus Pharisäern besteht.
[Diese waren seit 150 Jahren als, in der Regel schriftgelehrte Laien, sogenannte ´Musterjuden´,
die besonders fromm und haarspaltig die ´Tora´ auslegten, in der Hoffnung das Kommen des
´Messias´ zu erzwingen. Tatsächlich gaben die Sadduzäer (=Priesteradel) zZ Jesu den Ton an:
Konservativ und opportunistisch arbeitete das herrschende Priestergeschlecht mit der
Besatzungsmacht zusammen. Die S. verschwanden nach der Tempelzerstörung, das spätere
Judentum ist geprägt durch die Pharisäer (wieder ein deutlicher Hinweis auf die Entstehungszeit
der Evangelien durch Einarbeitung der aktuellen politischen Lage; tatsächlich war der nur schul-
gebildete Erwählte für die Pharisäer keine Konkurrenz, wohl aber für die Priester!).]
Die ´Juden´ befragen den Juden Johannes, als wäre er ein Nichtjude; hier schon wird die Gegner-
schaft dargestellt: Die Juden mit ihren Priestern, aus der Sicht des Joh.Evglm. die ´Ungläubigen´
-obwohl toragläubig-, sie werden Jesus ans Kreuz liefern, in dem Wahne sie seien die Richter,
jedoch aus der Sicht des Evglms. sind sie die Angeklagten. Dem Täufer wird zuerst die Frage
ob er Elias sei gestellt [Elias=Elijjahu ("Gott ist Jahwe"), hebr. Prophet um 870 vC; bedeutend
als Retter der Jahwe-Religion im Reich Israel vor dem Baalkult (C.Geritzen)]; Jesus wurde oft als
der wiedergekehrte Elias missverstanden.


Er sprach: "Ich bin es nicht." "Bist Du ein Prophet?" Und er antwortete: "Nein."
22 Da sprachen sie zu ihm: "Was bist du denn? Dass wir Antwort geben denen,
die uns gesandt haben. Was sagt du von dir selbst?" 23 Er sprach: "Ich bin eine
Stimme eines Predigers in der Wüste: ´Richtet den Weg des Herrn´; wie der Prophet
Jesajas gesagt hat."


Wieder Politik: Johannes kann nichts von Wichtigkeit sagen. Er bleibt der Endzeitprophet der nur
stört und auf den niemand hören sollte, es sei denn er verweist auf den Einzigen, dazu noch
mit Hilfe (anderer) Propheten...


24 Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern.

(siehe auch Polemik in Mt 23,2)

25 Und [so be]fragten [sie] ihn [weiter] und sprachen zu ihm: "Warum taufest du
denn, wenn du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet?" 26 Und Johannes
antwortete ihnen, und sprach: "Ich taufe in Wasser; aber Er ist mitten unter euch
getreten, den ihr nicht kennet. 27 Der ist es, der nach mir kommen wird, welcher
vor mir gewesen ist, dass ich nicht wert bin, dass ich Seine Schuhriemen auflöse.
" 28 Dies geschah zu Betabara [Betanien?], jenseits des Jordans, wo Johannes
taufte.


Siehe in der Apostelgeschichte 13,25 »Als aber Johannes seinen Lauf vollendete, sprach er:
Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, er kommt nach mir, dessen Schuhriemen
zu lösen ich nicht wert bin.« Die Beteuerung ferner in Mk 1,7 und Lk 3,16. Der Evangelist wendet
sich eindeutig gegen den Täufer und stuft ihn zurück obwohl dieser Jesus taufen wird und Jener
sich wohl erst befreien musste aus seinem Kreis (darüber wird hier nicht berichtet). Oder noch
klarer: Jesus lässt Sich (nur mit Wasser) taufen vom Niemand Johannes, während Er selbst mit
dem ´Feuer´des ´Heiligen Geists´ taufen wird (siehe die Synoptiker). Nach dem LOGOS-Hymnus
nun das banale Leben mit der umständlichen und wortreichen Befragung durch die hohe
Herrschaft, die selbst unter der Knute der Römer steht. Zur (jüdischen) Täuferbewegung, die
auch zur Zeit der christologischen Redaktion der Jesusgeschichte größer und erfolgreicher
als das (jüdische) Urchristentum war, wird hier herausgearbeitet welche Mächtigkeit der Erwählte
im Vergleich zum Täufer (gehabt) hat! Das Urchristentum, das unter dem aufkommenden
jüdischen Nationalismus gegen die Römer, zum Fremdkörper bei Juden und Römern wurde,
in der Krise... Vielleicht ein Grund mehr dieses christologisch erweiterte Evglm. zu schaffen.


29 Des anderen Tages sieht Johannes Jesus zu sich kommen, und spricht: "Siehe
das ist Gottes Lamm [Knecht], welches der Welt Sünde trägt.


Im Aramäischen (der Sprache Jesu und des Täufers und als Vorstufe zum griech. abgefassten
Evglm.) haben die NAMEN ´Lamm´ und ´Knecht´ die gleiche Darstellung durch den NAMEN
"talyá". So wie Hoheit mit ´König´ dargestellt wird, so kann der Mensch der sich opfern wird
(müssen), das Lamm oder der Knecht seines Schicksals (der Ordnung des LOGOS) sein. Siehe
auch Jes 53,6: »Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der
HERR warf unser aller Sünde auf ihn [den Knecht Gottes]. 7 Als er gemartert ward, litt er doch
willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie
ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.«
Das Lamm als beliebtes Opfertier, das männlich(!), fehlerlos und einjährig sein sollte. Auch Israel
wird als Lamm bezeichnet, üblich auch als Selbstbezichtung eines bösen Schicksals, wer
´nichtsahnend wie ein Lamm zur Opferbank geführt wird´ (s. Jer 11,19). In der (später
geschaffenen) Joh.Offbg. wird Jesu Schicksal als ´Lamm Gottes´ bezeichnet. Die Ausleger
widersprechen sich: Recht sinnvoll ist auch die Darstellung des Märtyrer-Todes Jesu, den Er
schweigend
wie ein Lamm ertragen hat, jedoch nicht des ´Vaters´ Opfer-Lamm war
(siehe a.a.O. bei K.Berger). Letztendlich ist, ob Lamm oder Knecht, eine Frage des Zeit-
geschmacks.]
Ausser Frage steht die heilige Unschuld der Erwählten, ob Er nun (von seinem ´Vater´
für uns !!?) geopfert wurde oder als Knecht Seines Schicksals sich weggeben musste.


30 Dieser ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher
vor mir gewesen ist, denn Er war eher denn ich. 31 Und ich kannte ihn nicht;
sondern auf das Er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen zu
taufen in Wasser." 32 Und Johannes bezeugte, und sprach: "Ich sah, dass
der Geist herab fuhr, wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.


[Die Taube war einziger Opfervogel Israels. Als Symbol des ´Heiligen Geistes´ (als dritter(!)
TEIL Gottes) kann sie zur Zeit der Abfassung des Evglms. nicht angesehen werden
(H.A.Mertens). Der ´Heilige Geist´ wurde um 381 beim Konzil von Konstantinopel in die
Lehre fixiert (vorher in der Synode von Alexandria Einigung zur Installation der Trinitäts-
Lehre, derart dass alle drei göttlichen Personen eins sind in derselben Wesenseinheit).
Der ´HG´ scheint eine notwendige Funktion unseres ICH´s [Abstraktion] zu sein und ist
wohl kompaktes, wenn auch weit auslegbares, aber praktikables, Wissen von Jesu Lehre.
So muss nicht -wie im Altertum- ein ETWAS das einen NAMEN hat, wie im AUSSEN und
gar personalisiert sein (auch wenn zur Zeitwende der Gott der Juden immer unbegreifbarer
wurde, zuletzt geisthaft und unpersönlich), sondern kann transzendierte Existenz sein. Über
die Trinität gibt es im AT und NT keinen dogmatischen Hinweis. Im NT nur die ´zweieinige´
Formeln (Röm 1,7; Phil 2,11), die genau auf das Problem verweisen, das Juden und Muslime
bis heute mit dem dreieinigen Monotheismus des Christentums haben.]


33 Und ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte zu taufen in Wasser, derselbe
sprach zu mir: ´Über welchen du sehen wirst den Geist herabfahren, und auf ihm
bleiben, derselbe ist es, der mit dem Heiligen Geist taufet.´ 34 Und ich habe
gesehen und habe bezeugt, dass dieser ist Gottes Sohn [der Erwählte]."


Ein neuer Tag, die peinliche Befragung ist beendet, die Obrigkeit hat sich zurück gezogen,
ein Johannes der mehr weiss als er wissen kann, ´erkennt´ Jesus. Er ist mit uns, wohl aber
mit Ihm allein und er spricht, er bezeugt und so beginnt eigentlich die Offenbarung Jesu.
Johannes bezeugt, er ist wichtig -der letzte Prophet- daher wird er für christologische Zwecke
verwendet. Bei Matthäus und Lukas wird Jesus getauft, vorher noch ein kleiner Dialog, wer
von wem getauft werden sollte. Die Synoptiker haben neben dem ´Heiligen Geist´ in Gestalt
´wie eine Taube´ zusätzlich die (wohlgefällige, wohlwollende) Stimme von OBEN eingebaut.
Er wird von der Menge erkannt. Hier bei Joh. bezeugt der Täufer der Welt den (eigentlich
verborgenen) Messias und überhöht diesen mit der ´Sohn´ Gottes Aussage. Johannes sieht
etwas, von einer Taube vermittelt: er sieht, weil er Ihn sehen will, den Delegierten, den
Erwarteten, den Erwählten, Ihn, der scheinbar aus dem Gesetz ausbrechen wird um
-Selbst Licht- in das Licht zu weisen.


35 Des andern Tages stand abermal Johannes, und zwei seiner Jünger.
36 Und als er sah Jesus wandeln, sprach er: "Siehe, das ist Gottes Lamm
[Knecht]." 37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden, und folgten Jesu nach.
38 Jesus aber wandte sich um, und sah sie nachfolgen, und sprach zu ihnen:
"Was suchet ihr?" Sie aber sprachen zu Ihm: "Rabbi, (das ist verdolmetscht,
Meister) wo bist du zur Herberge?" 39 Er sprach zu ihnen: "Kommt und sehet es."
Sie kamen, und sahen es, und blieben demselben Tag bei ihm; es war [aber]
um die zehnte Stunde.


In diesem Bild wird nicht erzählt warum Jesus bei/um den Taufplatz des Täufers anwesend
ist; Johannes muss seine Jünger -als Starthilfe- abgeben. Später werden sich die Folgenden
wie nebenbei einfinden. Der Evglst. verweist auf die bestehende Gruppe in dem eher
sensationslos den Aufbau der Jüngerschaft beschrieben wird. Jesus fragt was sie suchen.
Keine Antwort erfolgt; die Jünger (einer wird namenlos bleiben) folgen Ihm, einfach weil sie
müssen. Sie nennen Ihn in ihrer Wortarmut Rabbi, wie später andere Ihn König (in einem
Kaiserreich der Römer) nennen werden; sie fragen nach Seiner Wohnung, da der Rabbi nur
im Sitzen lehrt; Er nimmt sie mit und sie bleiben diesen Tag bei Ihm und es war nachmittags
(nach jüdischer Zeit) und der Beginn des Wirkens eines Mannes in den besten Jahren.
[Neueste Abgleichungen des NT mit dem als historisch unterstellten Geschehen ergeben
eine Wirkungszeit Jesu von 3 Jahren in einem Alter von über vierzig aber ´noch keine fünzig
Jahre´. So ist der Titel Rabbi verständlicher weil er einem nicht mehr jungen Mann gegeben,
wenn auch keinem Schriftgelehrten.]
Jetzt nun, in der überhitzten Endzeitatmosphäre (siehe die Propheten), unterdrückt vom
inzwischen gottkaiserlichen Rom, geführt von eher politisch unsicheren Herrschern; halten
die Juden begierig Ausschau nach dem ´Meister´ (s. auch Qumran-Texte), nach dem Erlöser,
der sie herausführen sollte aus dem Joch. Wer dachte da (nur) priesterlich-christologisch,
sondern eben königlich-messianisch!; wer konnte sich die Lösung der Probleme durch ein
(sinnloses?) nur den VaterGott betreffendes, seinen Zorn (?) mässigendes, die Schuld auf-
lösendes, Märtyrer-Opfer vorstellen! Oder noch abstossender, aber in seiner Masslosigkeit
plausibler: Dass Gott sein Liebstes, seinen ´Sohn´, für die Menschlein geopfert habe! Neben
dieser Extreme der Deutung das Tatsächliche Seiner Arbeit und Wirkung: Wer wie Jesus
offensichtlich eine Hoffnung gebende Aura hat, dem muss (als Schüler) gefolgt werden. Das
Weitere würde sich finden.


40 Einer aus den Zweien, die von Johannes hörten, und Jesu nachfolgten, war
Andreas, der Bruder des Simon Petrus. 41 Derselbe trifft zuerst seinen Bruder
Simon und spricht zu ihm: "Wir haben den Messias gefunden." (welcher ist
verdolmetscht: Christus, der Gesalbte)


Seit dem Babylonischen Exil erwartete das jüdische Volk einen (davidischen) Messias, der
sie aus der nationalen Bedrängnis herausführen, und das davidische Doppel-Reich Israel und
Juda wieder errichten sollte. Der königliche Messias würde als Not-Helfer, als Vollender kommen,
dass Milch und Honig immer flösse (s. Jes 35,1). Er sollte ein kämpferischer Führer sein und
durch den siegreichen Kampf beweisen, dass er der zu salbende, nun unantastbare, neue König
von Israel werde. Im 2.-1.Jhdt. vC parallel das Erwarten eines Hohepriesters (s. Qumran
´Gemeinderegel´).


42 Und führte ihn zu Jesu. Da ihn Jesus sah, sprach Er: "Du bist Simon, Jonas
Sohn; du sollst Kephas (Petrus der Fels) heissen."


Woher Andreas ´wusste´ wer der Messias sei, wird nicht erklärt; es ist unumstösslich offen-
sichtlich dass sich zeigend der Gottesknecht selbst beweist. [Interessant für die Datierung der
Evgln.: nur bei Joh. und Mk gibt der Erwählte Simon den Namen Kephas (=Petrus), bei Mt und Lk
´wird er so genannt´] Petrus wird als bekannt vorausgesetzt, nun wird er erweitert als für die
Kirche wichtigste Figur: Zum ersten Pfingstfest nach Seinem Weggang (50 Tage nach dem
Passahfest (=Ostern)), wird Petrus eine große Rede, eine Predigt, vor einer Menschenmenge
in Jerusalem halten. Alle Jünger werden ihn umringen: Petrus wird über sich hinaus wachsen,
dem einfachen Manne wird sich das Tor zur Transzendenz öffnen: Wie trunken wird die durch
sein Sprechen gebannte Menge -ihm folgend- durchqueren den Raum ihrer Welt, diesen verlassen,
und sich in freudiger Angst zusammen schliessen, übertreten zur ersten Gemeinde. Später wird
Petrus die Gemeinde leiten, bis er vom Herrenbruder Jakobus abgelöst wird.
[Entstehungszeit: Wurde das Evglm. nach 70 verfasst, so baute der Evglst die ´gute Nachricht´
zusammen im Wissen um das gewordene gesellschaftliche Problem des Urchristentums: Die
Steinigung des ´Herrenbruders´, die Hinrichtung des Petrus und (vermutlich auch) des Paulus,
ist Geschichte. Es sieht nach einer Neupositionierung (des Produkts Messias) aus: nach erstem
großen Scheitern muss eine erweiterte Aussage für eine neue Zielgruppe (nun alle Nichtjuden
neben den Juden!) entwickelt werden. Und vieles galt als bekannt und war nicht sehr rühmlich
und eigentlich war das keine (pragmatische und befriedigende) Religion für die (griechisch)
gebildete Welt die vom erfolgsorientierten Rom dominiert wurde.]
Petrus kommt zu Jesus: Der sieht ihn und weiss von ihm, weil Er alles weiss vom GANZEN. Und
Er gibt ihm den neuen NAMEN als Programm, dass er erstarke und sich festige.
[Im AT und später vertiefend im NT gilt der NAME als das Benennende des Menschen-Wegs,
die Sendung des Menschen. Was in dieser Welt NAMENlos war galt als unwert, unnütz und
der Welt nicht eingeordnet. Wer seinen NAMEN rufen liess über ein Ding, machte es sich zum
Eigentum. Wenn Eltern dem Kind einen NAMEN mitgeben, prägen sie seinen Lebensweg
voraus; wenn der Großkönig seines Vasallen NAMEN ändert, ändert er den Menschen
(2Kön 23,34). Und hier: Unser ALLER König ruft Simon zu Petrus und so fügt sich der Knoten
NAMEN in die Erwartungshaltung, in das Gebot der NAMENS-Spender]


43 Des andern Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus
und spricht zu ihm: "Folge mir [nach]!" 44 Philippus aber war von Bethsaida, aus
der Stadt Andreas und Petrus. 45 Phillipus trifft [darauf] den Nathanael, und spricht
zu ihm: "Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz und die
Propheten geschrieben haben: ´Jesus, Josephs Sohn, von Nazareth´"


[siehe Jes 53,2; 5. Mose 18,18; Jer 23,5; Hes 34,23.] Ist das die Preisgabe des davidisch-
königlichen
Messias? Warum sollte der Evglst. Jesu Position schwächen? Oder weil die
´griechische´ Zielgruppe nicht ´davidsbewusst´ war und mit einem Abkömmling eines
ehemaligen Königs der Juden nicht zu beeindrucken. Das verweist auf den Einsatz des
Evglms. (bei den ´Griechen´) ausserhalb des Judentums (auch wenn die Klippe zum Mono-
theismus erst überwunden werden musste). Dass alle Evangelisten sich auf die ´Gesetze´,
auf die Schrift, beziehen liegt auf der Hand. In ihrem -durch Jesus entstandenen- Argumenta-
tionsnotstand verweisen sie auf die schriftlich (!) niedergelegte Ordnung und das reiche
prophetische Schrifttum das hinzeigt auf das Kommen des (nationalen) Erlösers. Sie folgen
dabei einer, sich immer mehr verstärkenden Wandlung des Judentums zur Schrift- und Buch-
Religion. Ob das AT tatsächlich Jesu Leben und Wirken prophezeite ist heute (theologisch)
heftig umstritten, letztlich zur Einschätzung Seines Genies bedeutungslos.


46 Und Nathanael sprach zu ihm: "Was kann von Nazareth Gutes kommen?"
Philippus sprach zu ihm: "Komm und sieh es!"


Offensichtlich noch in der Nähe des Täufers findet Er Philippus aus Bethsaida (einer Fischer-
siedlung; soll das von der Wirklichkeit des ORT´s zeugen?). Er spricht zu ihm: "Folge mir!"
Und das muss genügen; der mit freudiger Lähmung erfüllte Philippus trifft Nathaniel, einen
der (auch) die Schrift kennt, denn ihm wird darauf hingewiesen. Dieser macht den
(Geburts)ORT Nazareth schlecht.
[Der unbedeutende Ort Nazareth in Galiläa, einem Gebiet, aus dem bei den Makkabäern
fast alle Juden nach Judäa abgesiedelt wurden. Aristobul I. befahl nach Rück-Eroberung
(104/03 vC) die Zwangsjudaisierung (Beschneidung und Auferlegung der Kultgesetze);
trotzdem wurde von einem ´Galiläa der Heiden´ gesprochen. Nazareth, hebräisch Nazaret,
arabisch En-Nasira, israelische Stadt am Rand Untergaliläas, rd 50.000 Einwohner, heute
neben Jerusalem die größte Arabersiedlung in Israel (Bertelsmann.de). Aufgezeigt hier
wird nicht der Widerspruch Bethlehem / Nazareth, auch nicht aufgelöst wird die Vaterschaft
des Josef...]
Lapidar lässt der Evangelist die Erzählung vorrücken zu dem aus des Erwählten Selbst sich
entwickelnden Beweis:


47 Jesus sah Nathanael zu sich kommen, und sprach von ihm: "Siehe, ein
rechter Israeliter, in welchem kein Falsch ist."


[Der Evglst. unterscheidet sehr wohl zwischen den Juden und den ´wahren Israeliten´. Und
der NAME des Nathaniel (=Gott hat gegeben). Ab nun geifert der Evglst. immer mehr gegen
die ´Juden´ und die ´christlichen´ Redaktoren änderten nicht den Text; im Gegenteil! schändlich
erheben sie sich über ihr Herkommen, biedern sich bei den ´Griechen´ und bei der Römischen
Herrschaft an...]


48 Nathanael spricht zu ihm: "Woher kennst du mich?" Jesus antwortete und
sprach zu ihm: "Bevor dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warest,
sahe ich dich."


Hier die lakonische Darstellung des Allmächtigen, Seine Allwissenheit. Hier wird nicht der
synoptische Jesus gezeigt der in Bildern spricht, hier werden niedergelegt LOGOS behaftete
Herrenworte für die gebildeten Stände. Wobei das Geheimnis nicht gelüftet wird, was Jesu an
Nathaniel gesehen hatte. War jener ein Schriftgelehrter der unterm Baum die Schrift las?
Offensichtlich betroffen vom kleinen Wunder und schon vorweg:


49 Nathanael antwortete, und spricht zu ihm: "Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist
der König von Israel."


[Siehe Ps 2,7; Jer 23,5; Mt 14,33; 16,16) Im Alten Orient war der NAME ´Sohn Gottes´ häufig.
Speziell Könige verstanden sich als (Adoptiv)-Söhne der Gottheit(en). Siehe die Pharaonen
und (später) die röm. Kaiser. Im AT werden die Könige oft so genannt, während im NT eine
speziell (naiv)wahrhafte Beziehung angedeutet wird. In den Qumrantexten in 4 Q 246 wird vom
´Sohn´ Gottes gesprochen. Jedoch ist dessen Beschreibung so kriegerisch, dass er nicht
messianisch sondern eher heidnisch gedeutet werden muss (K.Berger).]
Dass der werdenden christlichen Kirche an einer wahrhaftigen Wirklichkeit des Menschen-Sohns
in Gott gelegen war ist klar; dass der gewordenen (kirchlichen) Institution die (durch gnostische
Meditation) allzugroß gewordene Menschenferne Jesu nicht mehr passte, zeigt der Kanon
(=Massstab), der die gnostische Literatur abtrennte. Trotzdem kann die Meinung von Jesus als
Gottes ´Sohn´ auf Erden nahtlos in die Vorstellung von der Wirklichkeit der Welt eingebracht
werden (welchen Sinn hätte es, diese IDEE zu falsifizieren?); aber es gilt auch das Bild des
uns erlösenden, befreienden Wanderers, der ALLES für uns sein muss, ohne dass wir Sein
Entschweben ins Göttliche befürchten müssen, Ihn als Beispiel guter Lebensart verlören. Hier
stellvertretend Nathanael: Eine unklare Betroffenheit, ein Ertapptsein und das einfache Glück der
frohen, allgemeinen Rede (die so leicht von den Lippen geht), wenn man fähig ist, Gott zu lieben
(an ihn zu glauben). Sonst nur ein leerer Überschwang, wie nebenbei das Königtum; in einer Art
von Begriffsarmut und Vorwegnahme des schon Bekanntem wird vom Höchstem gesprochen
und das ist ganz normal. Der Evangelist stellt nichts vor, er erklärt nicht, er teilt herablassend mit
(sozusagen wird das ganze ´christologische Programm´ auf einmal vorgestellt. J.Blank) und es
herrscht ein zwingendes Schauenmüssen der Menschen auf dieses ersehnte Wunder des
Hierseins. Eine unklärbare Freude und Herrlichkeit erfüllt sie alle (herrlich erfreut sein können
über die eigenen Lebensumstände). Sie sind erfüllt, in sich erhaben, erhoben und doch bedürftig
des heiligenden Unterwerfens.


50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: "Du glaubest, weil ich dir gesagt habe,
dass ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch viel Größeres
sehen." 51 Und Er spricht zu ihm: "Amen, Amen, ich sage euch, ihr werdet den
Himmel offen sehen, und die Engel [Boten] Gottes hinauf und herab fahren auf
des Menschen Sohn."


Und schon die kalte Dusche: Herrenworte. Neben sie ist nichts zu sagen. Hier spricht nicht der
Jude Jesus der von der spirituellen Spitze des eigenen Volks (wohl aus gruseliger Eifersucht
und im vorauseilenden Gehorsam) zur Ermordung weggegeben werden muss, hier spricht das
lebende Prinzip dass Gott sein soll. Hier wird auch Wissen demonstriert das nur dem Einen
zugehörig sein kann und wie um das Erhalten des ewig auffrischenden Wissens zu beschreiben,
wird die nahe Welt der guten Geister-Boten aufgezeigt; aber es könnte auch das insichselbst
innige Wissen von der Welt sein, dass dem Erwählten, dem Führer, das GANZE weist. Er ist der
Menschen Sohn (Abkömmling), Er ist kein ´Sohn´ des (einzigen) Gottes und auch nicht der
Gesalbte (und damit Unantastbare). Das soll kein Hinweis sein, dass Er nicht Gottes ´Sohn´
ist /sein kann/: Hinweise und Beweise bedarf es bei dieser Frage nicht. Die Frage ist nicht
wirklich wichtig; aber geduldiges und zuversichtliches Schweben in einem nicht greifbaren
Wissen schon! Er hat Vater und Mutter und einen ORT der Geburt. Und Er birgt in sich die
herrliche Frucht freudiger Hoffnung.


06-1996//02.2005//12.2005//04-2006//12-2007//01-2008//