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Das 11.Kapitel Er greift in den Lauf des Lebens ein und wird Schicksal für Seinen Freund und obwohl die Begeisterung des Volks flüchtig sein wird, handelt Er öffentlich. Der Evglst. teilt mit, dass Jesus ab nun bei der Obrigkeit Sein irdisches Leben verwirkt hat. 1 Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta. 2 Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und Seine Füsse mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. [Dass Maria Ihn erst im nächsten Kapitel salben wird, spricht das sehr gegen die redaktionelle Ordnung? Oder ist das allzu bekanntes Erzählgut, das nur wie nebenbei erwähnt wird? Siehe Timing der Synoptiker, speziell Lk 10,38.] 3 Da sandten die Schwestern zu Jesus und liessen Ihm sagen: "Herr, siehe, der, den du liebhast, liegt krank." Spät(er) kommt der ´Lieblingsjünger´ ins Erzählgut. Ist er der Zeitzeuge, der namentlich nicht genannte Jünger? Oder ist er ´der reiche Jüngling´ aus Mk 10,17-22: nachdem Er ihm die Gebote Mose sagte, dieser geantwortet, sie immer befolgt zu haben und nun mehr wissen wolle wie er zum Ewigen Leben komme? Darauf hin »Jesus sahe ihn an und liebete ihn«. Aber damit nicht genug, sollte er sich von allen Gütern trennen. Jedoch: dieser Jüngling damals musste scheitern, er war noch nicht bereit. Siehe Lk und Mt, was sie aus diesen Stoff gemacht haben. Bei Lk 16,19 gibt es einen reichen Mann und einen armen Lazarus. Wieweit da Verbindungen bestehen ist noch nicht sicher abgeklärt (s. Lk 16,30). Vermutet wird auch ein weiterentwickeltes Erzählgut, ein sog. ´Lazarus-Evangelium´. Ferner kann die Unterstellung gelten, dass der NAME Lazarus (hebr Eleasar = ´Gott hilft´) später auf den ´Lieblingsjünger´ gesetzt wurde, mglw. um den Juden die Auferstehung des Lazarus glaubwürdiger zu machen. 4 Als Jesus das hörte, sprach Er: "Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes verherrlicht werde." Diese Worte (das ETWAS der NAMEN meinend) kann Er unmöglich so gesagt haben, mitten in einer nüchternen Beschreibung der Umstände: Warum sollte Er so von Sich in dritter Person gesprochen haben? War Er denn nicht wie verborgen und fast verzweifelnd wenn Er sich zeigen musste, wegen des ´gläubigen´ Unverstands des Volks? Ist das also vom Evglstn. eingebaute Predigt und nebenbei wird der Gemeinde vermittelt, dass Er verherrlicht werde durch Seine Tat, deren Erfolg Er nicht erbitten wird müssen, da Er der ´Sohn´, Vollmacht schon immer hatte und nicht durch ´Wunder´ die Menschen an Sich binden wolle (wohl aber müsse). Denn sie sollen, stark durch das ihnen innewohnende Wissens von der strengen Liebe ihres VaterGottes, mit der liebevollen Lehre des Offenbarers ins Offene, Neue, Erweiternde, zum Glauben in Liebe, kommen, denn der wahre Glaube entstehe aus dem reinen Vertrauen, dass Er (der ´Sohn´) uns alle! für immer lieben werde. Auf dies wird Er wohl (in Seinem guten Wähnen von Seiner Aufgabe) oft und oft Seine Jünger hingewiesen haben. Und so berichtet der Evglst. und wird die (unlogische aber wichtige) strategische Seitenbemerkung wohl für die Gemeinde eingebaut haben, denn er will auf vollendete Tatsachen zeigen und alles was den Fluss der Handlung hemmt ist nicht (nur) dramatisierend gemeint, sondern vertiefende und stützende Information. Und obwohl der Evglst. uns von Jesus wissen lässt, dass der Glaube aus Wunder nichts ist, wird Er sinngemäss die Situation nützen müssen, diese Krankheit (zum vorläufigen Tode) zur Festigung des Glaubens (an Ihn den ´Sohn´) zu verwenden. Weiters wird nun erklärt, warum Er hilft. Aber, hilft Er nicht immer? Bedarf es da einer Freundschaft? Und hat Sein Zuwarten, bis Lazarus wie wirklich gestorben ist, nicht die liebevolle Tiefe, die nur Er dem geliebten Freunde antun konnte? Und die Gemeinde solle nun Seine Hoheit und Herrlichkeit vergessen und sich überzeugen und mitreissen lassen vom fortschreitenden, wie wunderbaren, Geschehen. 5 Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er nun hörte, dass er krank war, blieb er dennoch zwei Tage an dem Ort, wo er war; 7 danach spricht er zu seinen Jüngern: "Lasst uns wieder nach Judäa ziehen!" Am dritten Tag erst macht Er Sich auf den Weg! Gespenstisch flirrend und doch trocken ruhig, wie aus einem aktuell mitgeschriebenen Bericht eines Zeitzeugen der Dialog und folgendes: 8 Seine Jünger aber sprachen zu ihm: "Meister, eben noch wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dorthin ziehen?" 9 Jesus antwortete: "Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Wer bei Tag umhergeht, der stösst sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt. 10 Wer aber bei Nacht umhergeht, der stösst sich; denn es ist kein Licht bei ihm." Ab 6 Uhr abends werden 2mal 12 Stunden durchgezählt (12 für die Nacht, 12 für den Tag bis zum nächsten Abend. Die Stunden waren, je nach Jahreszeit, unterschiedlich lang). Für den Sabbat beginnt die Nacht des ´Tags´ mit den Rüsttag am Freitag ab 6 Uhr abends. Hier ist gemeint, dass Er handeln muss im Licht des Tags, denn Er IST das Licht der Welt. Vorerst Sein doppeldeutiges Zögern; und dann keine drohende Steinigung kann Ihn halten; tatsächlich ist Er der Herr über ZEIT und ORT und kann gehen wann und wohin es Ihn beliebt. Aber: Er bleibt noch zwei (für das bisherige Leben des Lazarus kostbare) Tage. Er lässt es geschehen: Lazarus stirbt! Und Er als Licht der Welt kann vom Tage reden, weil Er (mit Sich als Mass) den Lauf der Welt bestimmt und uns wie ermöglicht mit Ihm zu sein. Wenn Er handeln muss, um die Kleingläubigen durch Seine Herrschaft über den Tod für den Glauben zu gewinnen, wird Er des Tages Lauf aufhalten: Immer wird Licht sein, wenn Er es will. Und die Zeit schreitet fort und Er, der wartete, muss die restliche Zeit -die beginnende Zeit! nützen für Sein Anliegen. Und trotzdem fast unerklärlich und widersprüchlich, fast bedrückend: der Allwissende, der Sich auf das gemeine Kalkül des Volks einlassen muss. Für manche (schlechtgelaunte) Agnostiker ist das alles hier papierener Text oder stützende Faselei zur Erbauung und Motivierung der (JesusSekten)Gemeinde. Jedoch ist die Alternative -trotz Nichtfindung des Gottes im INNEN- ein faszinierendes Denkspiel: Wie aus süss ahnungsvollem Traum erwachend, sieht man halbschläfrig die Welt, geformt aus dem unvorstellbaren Bild der Hoffnung... Die Welt, sie könnte, sollte so sein! 11 Das sagte er, und danach spricht er zu ihnen: "Lazarus, unser Freund, hat sich zur Ruhe gelegt, aber ich gehe hin, dass ich ihn auferwecke." Siehe Mk 5,39: »Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft.« Hier bei Joh., drei Verse weiter, wird vom Tod gesprochen. Diese Spannung innerhalb engsten Raums weist auf unterschiedliche Textschichten hin und auf eine auseinanderlaufende Interpretation der Jesus-Methode Seine Jünger zu erziehen. 12 Da sprachen seine Jünger: "Herr, wenn er schläft, wird's besser mit ihm [wird er gesunden]." 13 Jesus aber sprach von seinem Tode [den Schlaf über die Zeiten hinweg]; sie meinten aber, er rede von der Ruhe des leiblichen Schlafs. 14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: "Lazarus ist gestorben; 15 und ICH BIN froh um euretwillen, dass ich nicht [früher] dagewesen bin, damit ihr glaubt [Vertrauende werdet]. [W.Jens: »Lazarus ist tot, ich bin dankbar, dass ich nicht dabei war, als er starb; denn das ist gut für euch und euer Vertrauen: nur eine Weile noch -und ihr werdet sehen und glauben!«] Aber lasst uns zu ihm gehen!" 16 Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Jüngern: "Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben!" Es wird vorbereitet das kommende Wunder der Erweckung, zu dem es nur kommen kann, weil Er nicht verhindert hatte das heutige Sterben des Lazarus... Einer der Schüler, der Zwilling (von wem eigentlich?), schwerblütig und skeptisch, ergibt sich seinem Schicksal: Wenn Er dorthin geht wo die Feinde sind, müssen der Thomas und seine Kameraden wohl mit. Und was sie erwartet, ist das Schicksal des Erwählten und sie müssen lernen, das zu akzeptieren. [Einige Exegeten sehen in Thomas (Didymus =Zwilling) den idealen Skeptiker, im ´Lieblingsjünger´ den idealen Gläubigen (R.Bultmann), mit Nikodemus den positiven Schriftgelehrten (G.Keil) und in der Herrenmutter die ideale Kirche (R.Bultmann). Ist denn nicht mit der Gebung des NAMENs alle unklare Ferne weg und es kann mitbedacht werden, was das Programm -der Sinn jedes NAMENs- sein soll? Und wird ALLES gelebt oder sind da leere Hülsen die in beliebige logistische Kalküle gesteckt werden können?] Der Mensch, der wie Gottes ´Sohn´ ist, will sie etwas lehren durch ein ´Wunder´, damit sie mehr glauben. Dieser Rabbi, der wie Gottes ´Sohn´ ist, ist Seine Aura stark genug, ist Er wortwörtlich annehmbar für die Jünger? Oder ist der Schein, die hohle Vermutung, der trockene Vergleich und die leidige Erfahrung hindernd das Undenkbare erlebend zu denken und eigentlich nur bezahlt werden muss für nichts? Ist nun der Ersehnte wie das Vorstellbare, wie das Allerhöchste, wie das GANZE? Wird durch Weglassung des NAMENs ´Gott´ alles lesbarer oder noch erträglich lesbar wenn es wie verwechselbar, bedenkbar, beispielhaft ist? Oder ist es egal was dem -nicht das ewige Licht Gottes Sehende- bleibt: Ist ALLES nur so wie es IST und wir wollen erkennen und erklären das Nichterklärbare. Ist das möglich? Und: angenehm oder nicht, das Wortwörtliche, die traute Verbindung zu wie beliebige ETWAS muss versinken, damit wir im Erkennen und Lernen weiter kommen! 17 Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen. [Man beachte: schon über die Intensivzahl drei hinaus in den eigentlich hoffnungslosen vierten Tag hinein: Lazarus war also definitiv gestorben und nach orientalischen Brauch am selben (=ersten) Tag begraben worden! Manche Priester hatten gelehrt: Drei Tage tanzt die Seele des Verstorbenen um das Grab, am vierten ist alles vorbei (G.Ravasi).] 18 Betanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa eine halbe Stunde [15 Stadien = 3km] entfernt. 19 Und viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, sie zu trösten über ihren Bruder. 20 Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. [s. Lk 10,38] 21 Da sprach Marta zu Jesus: "Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. 22 Doch auch jetzt weiss ich [habe noch Hoffnung]: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben." Welch eine trostlose Situation! Er war so nah und kam zu spät. Marta gibt sich Trost, sie spricht Ihn an, als wäre Er der Menschen Sohn der wie Gottes ´Sohn´ ist und Er werde bevollmächtigt, nur nach Aussprechen Seiner Bitte die erhofften Massnahmen einzuleiten. Sie zeigt sich als der trostvoll im Glauben gebundene Mensch. Er antwortet ihr das Erwartete, das nur Er kennt, wie nebenbei, wie in einer Liturgie verfangen. Das kommende Wunder wird nüchtern vorbereitet. 23 Jesus spricht zu ihr: "Dein Bruder wird [soll] auferstehen." 24 Marta spricht zu ihm: "Ich weiss wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage." Was Marta da in der Wechselrede sagt ist nicht genug! Sie weiss zu wenig, sie kann es nicht wissen! [Sie darf nur den Stand der jüdischen Lehre vom ´Leben nach dem Tode´ wissen, siehe Weish 3,1] Aber Er wird sie lehren: Er wird über das Menschen-Leben hinaus gehen, Er wird Marta und uns zwingen die endliche Existenz, das Eigene, zu transzendieren (den engen eigenen Weg zu verlassen), zu eröffnen den Blick über das wirkliche Heute! Wohl wird hier Lazarus ein weiterer (Lebens)Weg geschenkt, nach dem reinigenden Sterben und wie Totsein. Jedoch wird jeder Versuch sein Weiterleben als Wunder ins Eigene einzubauen, für das Eigene zu verwenden, in die eigene erfasste Welt, in unser AUSSEN (der inneren Anschauung) zu sichern scheitern, denn unsere zwingende Bindung an unser beschränktes ISTSEIN wird den Widerspruch nicht auflösen können. Gelassen sollte man daher die Qualität des Wunders hinnehmen ohne den Versuch zu machen sich der Wahrheit der Wirklichkeit zu stellen; analog zu Seiner heiligen Auferstehung, die eher eine vom tiefsten Wunsch erschaffende Übertragung war. Und doch bereit sein, zu versuchen, über die gelernte Vorstellung von der Welt, das Denken an das GANZE zu entwickeln. Eher armselig ist der Versuch das ´Wunder´ der Auferstehung zu erklären, zB, mit dem vorchristlichen Mysterienwesen (R.Steiner). Besser und weisend das Geisterfüllte der Situation zu wägen, im trockenen Wissen, dass aus tiefster Tiefe der Lebensferne menschliche Rückkehr nicht möglich ist! 25 Jesus spricht zu ihr: "ICH BIN die Auferstehung und das [unvergängliche] Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe [auch wenn er stirbt!]; 26 und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr [aus der Welt] sterben. Glaubst du das Martha?" Eine Wechselrede? Oder das große Bekenntnis das in der Urkirche im Rahmen eines Totenfestes gesprochen wurde, das gelten sollte, musste und Ihm das festliche Obere für immer gab? Nun aus dem NICHTS heraus, wird die zum Menschensohn herab gekommene Gottheit, das Unvorstellbare, die Nichtwelt der Welten, mittels LOGOS postulieren: Mit dem ihr nun innegeborgenem Worte (NAME) ist die Neue Welt geschaffen, und der Mensch der es (er)hört und dem daraus Vertrauen erwachsen kann, der wird errettet (auch von seinen Todesängsten?) sein. Und nicht sein Wissen vom Leben das zum Tode führt hat sich geändert, sondern der Vertrauende weiss nun von seinem Totsein, Erloschensein, dass sein verlorenes Leben erhalten wird von Ihm, dem guten Überbringer, den SEINER WIRD DURCH IHM FÜR IMMER GEDACHT werden. Und aus unterwürfigen Gemurmel zum Allerhöchsten wird übergeführt zur personellen Übersetzung des Glaubens mit Hilfe des LOGOS, des Sprechers vom göttlichen Sinn: Wer in die Gedankenwelt des Offenbarers kommt wird Ihm folgen können, denn hier ist das sinnvolle Leben das DASEIN schafft und der (Menschen)Tod verliert den abscheidenden Schrecken, weil der Tod nicht mehr mit dem Nichts droht: Jesus gebietet Bergung dem der seine LebensSache verloren hat und wer an Ihn, den Mensch der Menschen, glaubt, dessen SEIN IST wie eingehüllt in Seiner Obsorge, für immer! Überflüssig zu erinnern, dass die Vorstellung von unserer Welt nur unser persönliches Wissen von der Welt ist? So wie sich mit dem Offenbarer das eigene Leben hochrecken kann ins zielführende Alleroberste, so wird das Lassen von der Welt nicht mehr sein ein (würdelos grausiges) Abscheiden, sondern ein Übertreten in die vom Geliebten bereitete Ordnung; der Ordnung der geliebten Wesenshaftigkeit einer Person die Sich Selbst als gesendet sehen muss! Und wer wie Lazarus den Tod bereits gekostet hat, dem wird (wissentlich, wird Lazarus wissen?) das neue Leben an Seiner Seite entstehen. Ist das verstehbar, in der Unordnung, Vorlogik, logisch genug? Glauben wir das? Vertrauen wir darauf? 27 Sie spricht zu ihm: "Ja, Herr, ich glaube, dass du Christus (der Messias) bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll." [Die NAMEN, die ihr Bekenntnis Ihm beilegt, sind eschatologische Titel; und von ihnen ist der letzte der bedeutsamste, weil das [...] den Einbruch des Jenseits in das Diesseits am deutlichsten ausspricht. (R.Bultmann)] Was Marta wissen kann, stützt ihren eifrigen Glauben und sie muss bekennen. Er wird das Reich der Toten aufbrechen, erleuchten mit Seinem suchenden Licht: ab nun ist eingebettet ins Unvergängliche das nie verbleichende Bild jeder Kreatur. Und dass der jüdische Eingottbegriff erweitert wird durch den ´Sohn´, der gesalbt (messianisch) und unantastbar wie ein König in aller Welt ist, ist das annehmbar? Erschliesst sich das automatisch oder ist da ein Zusammenfassen aller Verheissungen und ein Zusammenhalten müssen und daraus erfolgt das ´Wunder´ Jesu? Ist durch den ´Kunstgriff´ LOGOS endgültig der Mensch -mit seiner perspektivischen Hingabe ins Höchste- dialogfähig mit dem sogenannten OBEN geworden? Und ist daraus eine Verbesserung des Gottverständnisses zu erwarten? Oder reicht nicht -neben der jüdischen Religion- auch der (spätere) Islam zur Sozialisation? Und ist nicht jede Philosophie der Ordnung und des Verzichts (zB Buddhismus, Konfuzianismus oder auch Sozialismus zT) tauglich, uns dauerhaft (=lebenslang) gruppendynamisch akzeptabel (und doch lustvoll!?) zu ordnen und (nicht zuletzt) zu kontrollieren? 28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach zu ihr: "Der Herr ist gekommen. Er wartet auf dich." 29 Als Maria das hörte, stand sie eilend auf und kam zu ihm. 30 Noch aber war Jesus noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war noch dort, wo ihm Marta begegnet war. Die Nachbarn stehen um sie herum, Marta ist vorsichtig, denn es geht um Sein Leben. Maria ist die ´Naive´: Sie ist nicht eingebettet in eine sich in sich selbst verknotend stützende Glaubens-Dialektik wie Marta, sie ist trotzig und fordernd und sehr liebend, wohl aus ewig innerer unsagbarer Freude heraus. [Lt. R.Bultmann wird so Marias ´Tiefe ihrer Verehrung naiv deutlich gemacht´.] 31 Als die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, dass Maria eilend aufstand und hinausging, sind sie ihr gefolgt, sie dachten, sie gehe zur Gruft, um dort zu weinen. 32 Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und sah ihn, fiel sie ihm zu Füssen und sprach zu ihm: "Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben." Sie sagt das wie Marta. Nur meint sie, Er hätte eingreifen können; sie meint von Ihm zu wissen, dass Er mächtiger als der Tod ist. Er ist ihr unstreitig der Einzigartige (Mensch?), auf den sich ihre Hoffnung richtet. Er hätte hier Sein sollen um das zu verhindern, was nur Er verhindern kann. Hat sie wissen können, dass Er ansich nicht wundertätig Sein wollte; sie Ihm also blind vertraute, eher als einen Wunderheiler? Wie konnte sie Seine Heilsbotschaft einschätzen? Meinte sie, Er IST in die Welt gekommen, um für Schmerzlosigkeit und maximalen Komfort zu sorgen? Wieviel musste sie von Ihm wissen? Reichte es, Ihn (nur) zu lieben? War Er also insgesamt das Ziel aller Hingabe, der bedingungslosen Bedingung, und galt es für immer, sich in Ihm fordernd zu verlieren müssen oder war Sein Arbeiten hier emotionslos, wie mitleidlos, fast motivlos? Und Er handelte aus machtvoller Würde? 33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und ward geistig aufgewühlt und erschüttert 34 und sprach: "Wo habt ihr ihn hingelegt?" Um der Ehre Seines Vaters willen hatte Er gemeint, das Sterben des Lazarus zuzulassen: Er hatte gezaudert; nun ist Er da inmitten des heulenden Elends: Nun wird Er selbst mehrfach ergriffen (als Gesandter und als Mensch unter Menschen): Er wird zornig über das Schicksal Seines geliebten Freundes (es ist als verlöre Er kurz Sein Wissen von sich; die Welt drängt hinein in Sein geisterfülltes ICHSELBST); nun muss Er handeln, dabei zerfällt Seine Geborgenheit im ´Vater´: Er beginnt zu weinen und ist plötzlich allein und wie untröstlich. [Nach R.Bultmann ist Jesus ergrimmt über die Glaubenslosigkeit der Juden] Aus Jesu Sicht nur dann verständlich, wüsste Er trotz Seines Überwissens nicht von den Menschen: Warum sollten die Juden an ein Unmögliches glauben? Er drang ein in ihr Wissen von Gott und ihrer Welt des ´Auserwählten Volks´; Er musste letztlich werben für den Neuen Bund und sie sind die Umworbenen... Auch wenn der ungeduldige Evglst. das (nachher) anders sehen muss. Sie antworteten ihm: "Herr, komm und sieh es!" 35 Da brach Jesus in Tränen aus. Dass der Evglst. durch den Ersehnten uns unseren eigenen, ewig stillen, hoffnungslos einsamen, Zeuge losen, Würde losen Tod bedenken lässt müssen wir hinnehmen: Aber es wird davon ausgegangen, dass ALLES WIRD in dieser Welt und der Tod ist nicht das was nur wir privat meinen können, sondern wir WERDEN zum Wissen kommen über die Wirklichkeit unseres Tods, durch Seine uns einbindende Existenz! Er hat das Wissen gemacht und so kann der Evglst. und seine Helfer nachzeichnend aufzeigen lassen Seinen -wie menschlichen- Kummer: Sein Abschiedsschmerz ist nicht unserer: wir betrauern Verluste und sind untröstlich! Er jedoch beklagt unsere Lebenszeit ohne Seine weitere Liebe! 36 Sagten deswegen die Juden: "Siehe, wie hat er ihn liebgehabt!" 37 Einige aber unter ihnen sprachen: "Er hat dem Blinden die Augen aufgetan; konnte er nicht auch machen, dass dieser nicht sterben musste?" 38 Jesus nun, erneut zuinnerst aufgewühlt, kommt an das Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. [Es wird nichts von der Grabkammer der Familie des Lazarus (der ´Väter´) gesagt; es scheint ein neues zu sein. Sollte Lazarus der ´reiche Jüngling´ gewesen sein, so passte das neue, teure -mit ihm beginnende- Grab, gut hierher. Siehe Mk 10,17, Mt 19,16, sowie Lk 18,18. Obwohl eine Religion der Armen, wird die Oberschicht kontrastvoll eingebaut?] 39 Jesus sprach: "Hebt den Stein weg!" Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: "Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen." [Das ist drastisch und sagt das nur aus, dass die Juden ihre Toten (in der Zeit der Römer) wohl wuschen und sie etwas einölten und in Leichentüchern gehüllt ohne Sarg, noch am Sterbetage (bei wohlhabenden in Höhlen, sonst in der Erde -ausserhalb der Wohnbereiche-) bargen. Das Klima und die gesamte Situation: Lazarus liegt schon übern dritten Tag. Siehe jedoch Vers 19,40 oder Mk 16,1.] 40 Jesus spricht zu ihr: "Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?" Er spricht von Seinem Gott, Seinem Herrn und Vater. Es ist der allgewaltige Anspruch des EINEN Gottes, der alles überlagert. Wenn kurz aufleuchten wird das Unbedingte des VaterGottes, so bedarf es keiner verkleinernden Überlegung zuvor. Der Allgewaltige hat vorgesorgt, hat diese und alle Ordnung gemacht! Und so weiss der Menschen Sohn, dass alles geschehen ist. 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen nach oben und sprach: "Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich weiss, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich's, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast." Ein Selbstgespräch oder eher Erläuterung des Erzählers? Jedoch: es ist bereits das göttliche Werk getan. Die Juden werden das Wunder erst später sehen. Dass Er (vor dem Volk) wie um das Wunder beten muss, zeugt von Seinem Wesen: Er ist der Menschen Sohn und kein Gott. Und weil das Wunder bereits geschehen ist, muss Er Sein Handeln ins Nachhinein einbauen in die Anschauungs-Welt des Volks. Und hier der eher noble Versuch des Evglstn. Sohnschaft und Menschenschicksal vereint darzustellen. 43 Als er das gesagt hatte, rief er mit mächtiger Stimme: "Lazarus, komm heraus!" Er ruft mit mächtiger Stimme (die Tote auferwecken kann); Er durchbricht den Lauf des Lebens zum Tod, hält ihn an für die (restliche) Lebenszeit des Lazarus. Später wird der ´Lieblingsjünger´ missverständlich zum Warten auf Ihn, in der Welt zurückgehalten; jedoch kann er nicht das Leben halten, er stirbt bevor der Erwählte wiederkommt. Umständlich, lahm und wie beklommen, wird diese Verheissung später zurückerklärt werden müssen. Und hier? Lazarus wird erweckt, aber sterben wird er doch einst müssen, wie wir alle. Also greift der Erwählte in eine (kleine) Unmöglichkeit ein, um endlich den Umschwung und den Aufbruch ins Bewusstsein der Juden zu bringen? Oder ist das der Höhepunkt eines ausserordentlichen Werbefeldzugs und dessen Früchte nun endgültig gereift sind und Er nun meint sie ernten (lassen) können? Seine Mächtigkeit heute und später der Widerspruch Seines hilflosen Tods, kann das nur zusammengedacht werden mit dem abstossenden Ziel der Selbstopferung? Glaubt denn jemand -mit gesunden Verstand- dass der Erlöser Seinen eigenen Tod als wichtigste Aussage geplant hatte und NICHT Sein Wirken hier auf Erden? Dass dann endlich mit Seiner Auferstehung (exklusiv nur für die Glaubenden!) seine Herrschaft zum Gericht begründet werden könne? Wie trist pragmatisch und fantasielos müssen Menschen sein, sich solch ein !Sein! Opfer vorführen zu lassen, um dann ´überzeugt´ sich einzufinden in den Entschluss, Seine Ermordung als TEIL der Guten Nachricht anzunehmen? Zeugt diese Anspruchshaltung nicht von der prinzipiellen Unmöglichkeit, sich vom (mit Recht?) lustsuchenden Erdenwallen zu erlösen? Und im Gegenteil! beweist nicht das erleuchtete Streben Seiner Jünger, Schüler, Freunde, dass Er schon auf Erden sie erhOBEN, besiegelt, hatte, in Seinem Namen und Seinem Wissen, durch Seine Welt in Liebe? Und haben nicht die beseelten Menschen Sein Andenken hoch gehalten und letztlich -wie in einer Selbsterfüllung- Ihn, den Einzigen -die wundervolle Blüte der Zivilisation- immer wieder in sich erschaffen? Was musste der große Paulus anders machen als die Jünger? Er musste das Wort zur Welt geben. 44 Und der Verstorbene kam [sofort] heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füssen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweisstuch. Jesus spricht zu ihnen: "Löst die Binden und lasst ihn gehen!" Nicht weiter erzählt wird von Lazarus. Immerhin, der Blindgeborene hat sehr wohl Rede und Antwort den misstrauischen Juden gegeben. Der vom Tode erweckte Bruder der Marta und Maria schweigt. Hoch angesiedelt und gefährlich nah ist das Lazarus-Wunder Seiner Erweckung! Sein Auferstehen und Weggehen aus dem Grabe! Ist dies das Stärkste was es gibt in der Welt der Lebenden, Herr über den Tod sein? Wird damit ein guter Glaube erweckt, mit dem Entwischen, Entgleiten können dem ´Ernst des Lebens´? Und wer Herr über das Totsein ist, dem soll man angehören, weil Er von OBEN wohl kommt, das Machtvollste bieten kann, und das zwingt -kindlich gläubig- lustvolle Unterwerfung unter diese Macht und muss das einzig Richtige und Sichere sein? Nicht weiter bedacht soll sein, dass wir solche Wunder nicht akzeptieren wollen, obwohl wir wollen, dass das Ausserordentliche stattfindet. Trotzdem: Wir denken nicht weiter, wollen nicht fertig denken. Wir sind mit Ihm so weit gegangen, sollen wir nun etwa zögerlich zurückbleiben müssen? 45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, gelangten zum Vertrauen auf ihn [begannen an ihn zu glauben]. 46 Einige aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. Waren das Ungläubige die zu den pharisäischen Behörden gingen und zeigten Ihn an, weil Er das Volk verwirre und ein mit den Schwestern abgekartetes Spiel inszeniere oder waren es die wie trunken beseelten Glaubenden, die zur Behörde eilten und mit ihr TEILen wollten das Glück? Sicher waren es die Juden, die Ihm vertrauten und in ihrem Glück, mit ihrer Freude, Ihn in größte Gefahr brachten! [R.Bultmann meint, dass die Ungläubigen Jesus bei der pharisäischen Behörde denunzieren.] 47 Da versammelten die Hohen Priester und die Pharisäer den Hohen Rat [s. Mt 26,3, Lk 3,2] und sprachen: "Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. 48 Lassen wir ihn gewähren, dann wird bald alle Welt an ihn glauben, und die Römer werden kommen- die zerstören den Tempel und rotten uns aus". [W.Jens] Sie können sich nur einen Messias vorstellen, der Davids Herrlichkeit und Herrschaftlichkeit hat (die erweiternde Lehre, dem VaterGott wie gerechter und lebbarer zu werden, erkennen sie nicht), also fürchten sie nur die Reaktion der Römer. Jedoch dunkel fürchten sie das Unsagbare, Unvorstellbare: was wird wohl mit Jesu Anspruch entstehen! Er wird das Volk als der charismatische Führer an Sich binden und es aus den ´Alten Bund´, aus der alten bisherigen Gesellschaft und ihrem Wirkungskreis, herausführen! Und nicht die Römer sind ihre ganze Sorge, es sind die priesterlichen Pfründe und die pseudorichterliche, pharisäische Behördlichkeit, die sie fürchten zu verlieren. Die Römer hatten recht vorsichtig und flexibel auf die eigenständige monotheistische Religiösität der Juden reagiert; so ist nicht unbedingt zwingend, dass sie diesem priesterlichen Führer (der nur Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit predigte und es bei der Unterwerfung unter Rom beliess) als Bedrohung ihrer Weltmacht-Politik eingeschätzt haben, obwohl sie alle politischen Bewegungen, seien sie von ´Propheten´ oder selbsternannten ´königlichen´ Führern, davor und danach blutig unterdrückten. 49 Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoher Priester war, sprach zu ihnen: "Ihr wisst nichts; 50 ihr bedenkt auch nichts: Es ist besser für uns, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass [er] das ganze Volk verderbe." Josef Kajafas, (auf Lebenszeit gewählter -nicht wie der Evglst. meint diesjähriger- wenn auch von den Römern jederzeit aus politischen Gründen absetzbarer) Hohepriester 18-36 nC und Vorsitzender des Hohen Rats, Schwiegersohn seines Vorgängers Hannas, wird sich später auch der Apostel annehmen und Petrus und Johannes verbieten, im NAMEN Jesu, zu predigen. 51 Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, 52 und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammen zu bringen. Eher ärgerlich dieser politische Einschub des Evglstn. Sicher nicht gemeint die schon zerstreut im Orient lebenden Juden, die nach dem Exil nicht mehr den Weg zurück gefunden hatten, sondern doppeldeutig die Hoffnung, die Juden des Alten Bunds hinter die Idee Jesu zu sammeln und über die Macht des Alten, einen Neuen, modifizierten Bund mit Ihm zu schmieden. Ihm, dem die Sprache der Liebe gegeben wurde, der so die Evangelisten beredt machte, in ihrem Wunsch Sein Leben und Sterben plausibler zu machen, zu vermitteln, dass Er der Welt Opfer-Lamm sei; Er der für ein Modifizieren der ´Tora´ [´Jesus, am Rande der Tora-Legalität´ (R.Augstein)] schändlich zu Tode kommen wird, daraus soll Motiv und Bindemittel für zukünftige Gemeinden entstehen! Abscheulich und auch grotesk falsch, denn aus vergossenem Blut kann Seine Idee der trostvoll gesicherter Liebe nicht entstehen! Daher: Man beachte die blutrünstige Entwicklungsgeschichte des Christentums (und auch des Islam). 53 Von dem Tage an war es für sie beschlossen [beratschlagten sie], dass sie ihn töteten. Der gute Herr Kaiphas macht Politik und gibt sich beruflich weissagend und erfährt nur die halbe Wirklichkeit: Mit dem Opfertod des gefürchteten Führers wird er eine Welt -die er bewahren wollte- gegen seinesgleichen aufbringen: Das im Schicksal gebundene Menschenwerk wird sich auch bei ihm erfüllen, denn er wird dazu beitragen, dass der Offenbarer frei (wenn auch vom eigenen Volk verlassen, wie gerichtet!) in alle Welt kommen wird. 54 Jesus aber ging [seither] nicht mehr frei umher unter den Juden, sondern ging von dort weg in eine Gegend nahe der Wüste, in eine Stadt mit Namen Ephraim, und blieb dort mit den Jüngern. 55 Es war aber nahe das Passahfest der Juden; und viele aus der Gegend gingen hinauf nach Jerusalem vor dem Fest, dass sie sich [kultisch] reinigten. 56 Die suchten Jesus und diskutierten, im Tempel stehend, untereinander: "Was meint ihr? Er wird doch nicht zum Fest kommen?" [Weil sie wussten:] 57 Die Hohen Priester und Pharisäer aber hatten Befehl gegeben: Wenn jemand weiss, wo er ist, soll er's anzeigen, damit sie ihn ergreifen könnten. Wir sind nicht eingestiegen in Mutmassungen über das Konstruieren des angeblich Toten und seine Erweckung sondern wir übernehmen nicht nur durch Hörensagen entstandenes Wissen, sondern daraus folgendes Erzählgut, gipfelnd hier in Joh.Evglm.: Die Situation hat sich bereinigt. Er hat das Sensationelle vollbracht, Er hat sich gezeigt als der Herr über den Tod. Und nun greift ein die Menschenmacht und offen ist nur mehr Sein Weg in die Vernichtung. Die Textlage des Evglms. weist nicht auf eine, wenigstens im Ansatz beginnende Christianisierung hin: Doppeldeutig der Text, getränkt mit aktuellen Hintergrundwissen, das wir nicht mehr haben (wollen). Aus dieser Guten Nachricht allein kann der Neue Bund nicht wesentlich gefestigt worden sein! Einiges musste, ausserhalb des übermittelten Berichts, bereits kollektives Bewusstsein geworden sein; immerhin, eine Art (kleine) Zeitwende hatte sich angekündigt (nach langen Frieden in kaiserlicher Zeit des Augustus, nun plötzlich Gottkaiser aus Rom; Unruhe und Verunsicherung; der Täufer ruft zur Umkehr auf..). Die Unruhe verstärkt sich durch die wechselhafte Politik der Römer. Die Juden fassen sich und suchen noch einmal innigst den Einzigen Gott, während der Nationalgedanke hochkommt und die keimend Christologie überlagert. Wenige werden das Neue, Offene, dialektisch Erhöhte, finden und aus der schauerlichen Gründung des Alten Bunds übertreten in eine Liturgie des wie flehend verbalen Bittens (wenn auch wie mitbesudelt vom Mord an den Erlöser). Im Gegenteil aber, die meisten werden verstummend sich in die strikte Ordnung des Umgangs mit dem EINEN Gott zurückziehen und alles wird mit einer vordergründigen Niederlage beginnen: Die Jünger Jesu werden mit dem Rücken an der Wand sein und ihre Ohnmacht sollte sie führen in die neue Welt? Ist das kraftvoll und logisch genug? Logisch und kraftvoll? Oder soll nur die Religion der kleinen Leute, eine (unterwerfungslüsterne) Sklavenreligion angeregt werden? Und wäre der große Paulus nicht in das Leben gegeben worden, was hätte aus dem zerstörten Leben des Einzigen sich ins Weitere entwickeln können? 06-1996//05.2005// |