Das 12.Kapitel

Die Ihn lieben zeigen Ihm ihre Liebe. Er begibt sich in die Hauptstadt und wird der Prophetie gemäss empfangen. Er versucht dem Volk Seinen Weg zu eröffnen: Sie können Ihn nicht sehen und sie können Ihn nicht hören.

1 Sechs Tage vor dem Passahfest [=Ostern] kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, den Jesus auferweckt hatte von den Toten. 2 Dort machten sie ihm ein Mahl, und Marta bediente ihm; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch lagen. 3 Da nahm Maria ein Pfund kostbares Nardensalböl und salbte die Füsse Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füsse. Ja, das Haus aber ward erfüllt vom Duft des Salböls.

Bei den Synoptikern ist Er eingeladen bei einen Aussätzigen; hier sitzt (=liegt) auch Lazarus beim Mahl an einem Tisch; immer stärker wird so der Hinweis entwickelt, dass er der ´Lieblingsjünger´ sein könnte. [s. Salbung auch bei Lk 7,38] Maria spielt den Part den das aus sich -INNEN- heraus glaubenden Menschenkinds immer spielen muss. Und, zum Unterschied zur orientalisch frauenfeindlichen Tradition, ist hier sehr wohl der weibliche Glaube wichtig! Der Wohlgeruch des Öls birgt den dinglichen Hinweis, dass er Zeichen göttlichen Segens ist. Siehe die herrlichen Stellen in Paulus Brief an die Epheser 4,31: »Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. 32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus« und Eph 5,1: »So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.« Ferner der tief familiäre Text in dem Isaak von seinem Sohn Jakob getäuscht wird, durch seinen Duft: 1.Mose 27,26: »Und Isaak, sein Vater, sprach zu ihm: "Komm her und küsse mich, mein Sohn!" 27 Er [Jakob] trat hinzu und küsste ihn. Da roch er den Geruch seiner Kleider und segnete ihn und sprach: "Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat. 28 Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle."« Die Zeit Seiner Menschenfremdheit ist nun vorbei, Er hat sich bekannt gemacht, Er hat alles getan was Er tun wollte; Er wurde erkannt von Seinen Leuten (die Sein Licht sehen konnten). Die Salbung ist wie die Vorwegnahme die Salbung Seines Leichnams (s. bei Mk und Mt). Die Geschichte nähert sich immer mehr dem Punkt, ab dem die Obrigkeit ihre Ordnung wieder errichtet und Seine Arbeit abwürgt.

4 Da sprach einer seiner Jünger, Judas, Simons Sohn, Iskariot, der ihn hernach verriet: 5 "Warum ist dieses Öl nicht für dreihundert Silbergroschen (=ca. 100,-Euro) verkauft worden und den Armen gegeben?" 6 Das sagte er aber nicht, weil er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, denn er hatte den Geldbeutel und nahm [aus ihn] an sich, was gegeben ward. 7 Da sprach Jesus: "Lass sie in Frieden! Sie hat es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt. 8 Denn Arme habt ihr immer bei euch; mich aber habt ihr nicht immer."

Schon anschwärzen das Menschenkind Judas Iskariot: War er Werkzeug des ´Satans´, also im Plan Gottes, so konnte mit ihm der ´Sohn´ für die Sünden der Welt (!) vorgeführt und vernichtet werden? Wartete der ´Sohn´ nicht auf die Wiederkehr des Menschleins und gab ihm die Möglichkeit seine Spitzel(Polizei?)Arbeit zu vollenden? War Judas also eingeplant, dann war er unschuldig schuldig; im Wollen gefangen (?), war nur Figur auf der Bühne, um die sich niemand zu kümmern hatte und die dann auch ersetzt wurde, um die ´Zwölf´ wieder vollzählig zu machen. Judas, das Werkzeug und auch als Dieb überbewertet und die Pointe schwächend.
Siehe Mk 14,3: »Und als er in Bethanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: "Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben." Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: "Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat."« Lukas hat ähnliche Salbung, sie wird aber in der Hingabe der ´Sünderin´ als Beispiel der übergroßen Liebe gezeigt, wegen der ihr von Ihm ihre Sünden ´vergeben´ wurden. Siehe Lk 7,37: »Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass Er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl 38 und trat [von] hinten zu Seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl [Salben]. Großevangelist Matthäus hat auch diese Geschichte verarbeitet in Mt 26,6: »Als nun Jesus in Bethanien war im Hause Simons des Aussätzigen, 7 trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit kostbarem Salböl und goss es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß. 8 Als das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: "Wozu diese Vergeudung? 9 Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können." 10 Als Jesus das merkte, sprach Er zu ihnen: "Was betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 11 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 12 Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan. 13 Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat."« Bei Lk und Mt analog wohl auf Mk und der (auch von Mk benutzten) Quelle ´Q´ fussend. Der Evglst.Joh. übernimmt detailgleich diese Szene wohl direkt von der Quelle. Wurde das jüngste und älteste Evglm. nebeneinander geschaffen oder -kaum vorstellbar- griff Joh. auf vorliegende Literatur zurück?
Eigen ist nur Ihm die Freiheit, zu entscheiden, was das Richtige ist. Die Szene leidet unter dem mangelnden Verstehen der Jünger (sie schwiegen zu Judas Vorhalt); nicht einmal sie haben Sein Hiersein verstanden: sie erkennen nicht die einmalige Möglichkeit, dass der Sohn aller Menschen (der Mensch der Menschen) aufzeigt das geheime Wissen vom Sinn dieser Menschenwelt! Die ausserordentlich entscheidende Briefliteratur des Paulus lag schon vor. Der Evglst. hat sie sicher nicht gekannt, sonst hätte er nicht ein so hoffnungsloses Bild der Gefolgschaft Jesu beschrieben. Fraglich auch, ob ihm die anderen (bestehenden) Gemeinden bekannt waren, denn warum sollte man nicht mehr Weltläufigkeit der Jünger darstellen, sie würde den Wert dieser und anderer Gemeinschaft erhöhen. Oder ist dieses Evglm. nur für eine Gemeinde geschaffen worden und war nicht vorgesehen als Werbemittel für neue? Welche andere begleitende Literatur hatten die Jünger bei ihren Predigten und folgenden Gründungen? Welche Literatur hätte ihnen mehr Kraft geben können?
Und so wird der wahrhaft bettlerkönigliche Hinweis verhallen: Er nur kann Seine Wertigkeit erkennend verwalten, und nur für Sich Selbst, also vergebens.

9 Da erfuhr eine große Menge der Juden, dass Er dort war, und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern um auch Lazarus zu sehen, den Er von den Toten [weg] erweckt hatte. 10 Aber die Hohen Priester beschlossen, auch Lazarus zu töten; 11 denn um seinetwillen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus.

Die Lage spitzt sich zu, auch (jeder) Jünger Jesu hat sein Leben verwirkt. Jesu Offenbarung ist beendet und Er geht Seinem schändlichen Ende entgegen. Dazu gehört der festliche, den Prophezeiungen gemässe, Einzug in Jerusalem. Dabei lässt Er sich als König huldigen. Frage: Ist Er nun der priesterliche oder der kriegerische König? Wie hat Ihn der Evglst. sehen wollen? Wie musste Er Ihn darstellen? Schwertgegürtet oder als Lamm? Da Er ohne kriegerische Tat in die Hände der Obrigkeit fallen wird, ist Er der Priester und nicht der Kriegsherr. War Er der Herrliche, trotz Seines hoffnungslosen Wegs aus dem Menschen-Leben?

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, 13 nahmen sie Palmzweige und zogen hinaus ihm entgegen und riefen: "Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!" 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht:

Siehe Mk 11,1-10; Mt 21,1-11; Lk 19,29-40 und Sach 9,9. Man beachte die Rückbezüglichkeit ...

15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

Siehe Jes 35,4; 40,9; Zeph 3,14.

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. 17 Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: "Ihr seht [ihr Gesetzestreuen], dass ihr nichts ausrichtet [wir nicht verhindern können]; siehe, alle Welt läuft ihm nach."

Immer wieder muss betont werden, dass die Pharisäer zur Lebenszeit Jesu nicht bedeutend waren, zur Zeit der Niederschrift des Evglms. wohl. So ist auch die (eher akademische) Frage zu stellen, ob der Evglst. im Machtbereich der Pharisäer seine Evglm. geschaffen und in Form von Vorlesungen veröffentlicht hat oder eher ausserhalb, in der Diaspora. Hier beantwortet sich die Frage, ob der Evglst. einen kriegerischen oder priesterlichen König darstellen wollte. Das Eselchen, das den Erwählten trägt, weist ins messianische Friedensreich und nicht eine Menge begeisterter Juden begleitet ihn und legten Kleider und Zweige auf seinen Weg aus, wie es bei den Synoptikern beschrieben wird, sondern das Volk der feierlich gerüsteten Stadt kommt ihm entgegen. Hier löst sich die jüdische Gestalt des Wanderers vom ORT. Plötzlich wird Er vieldeutig, alldeutig und Er IST nicht nur wie der König von Israel, Er kann aller Völker König werden, nicht nur weil Er virtuos die Erwartungskarte spielen kann, in Seiner tiefgründigen Unbekümmertheit zerreisst Er den nationalen Schleier: Er wird herzergreifend unschuldig menscherkennbar, uns alle bergend. Und schon sind auch sie da, die Fremden, die (noch?) ´Ungläubigen´ oder (bereits) Proselyten:

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die herauf gekommen waren, um anzubeten auf dem Fest [den Einzigen Gott]. 21 Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: "Herr, wir wollten Jesus gerne sehen."

Nun sind auch Griechen nächst des oder im Tempel-Vorhof. Hiermit soll wohl eine mögliche Öffnung der Jüdischen Religion zur Weltreligion angedeutet werden. Siehe G.Keil: "Der Tempel und damit der Gottesglaube Israels wird durch Jesus national entschränkt." Offensichtlich ist der Text nicht vollständig, denn Er antwortet nicht direkt den Griechen. Nach R.Bultmann ist typisch für den Zugang der Griechen zu Jesus, der indirekte über die Jünger (=Apostel).

22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: "Die Zeit ist gekommen, dass der Menschen Sohn verherrlicht werde. 24 Amen, Amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein [und nutzlos]; wenn es aber erstirbt, macht es die Erde reich und bringt viel Frucht."

Hier nun die Andeutung, dass nur durch die Vernichtung des Bilds vom Leben das mehrfache, vermehrte Leben entstehen kann. Und das Aufgeben des einen Zustands kann wohl Opfer sein, aber die dann folgende Frucht ist (gerechte und richtige) Folge. Im Grundsätzlichen abscheuliches Kalkül und Spielen mit der Hingabebereitschaft der kleinen? Leute, die die Sprache der Selbstvernichtung am besten verstehen, weil alles was zerstört werden kann, wie nur für sie! selbstverständlich, sie an ihren Unwert erinnert!! Und ihr eigenes Leben das lächerlich geringe Alles ist, was sie haben wird zur philosophischen Handelsware. Sie haben die Lektion des Lebens gelernt: Alle Welt hindert sie, sich lebenswürdig am Leben zu erhalten: da ist Absicht und Ursache dahinter: daher sind sie schuldig und des eigenen Lebens NICHT würdig! Und können schuldbefreiend NUR mit sich bezahlen! Und so ist Sein Urteil über den Hochmut (das Hochgemutsein?) niederschmetternd und im Geist des geknechteten Volks entsteht die Hoffnung auf die wie ausgleichende Gerechtigkeit ausserhalb ihrer Existenz (und Er geht ja voran).

25 "Wer sein Leben liebhat [über alles], der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst [für nichtswürdig hält], der wird's erhalten zum ewigen Leben.

Die Synoptiker, sinngemässe, fast wortwörtliche Entsprechungen. Allgemeines Gut oder Beweis, dass der Evglst. die S. kannte? Jedoch bei E.Drewermann sinnerhellend und anders: »25 Wer sein Ich lieb hat, verdirbt es, doch wer sein Ich hasst in dieser Welt, zu unendlichen Leben wird der es bewahren.«

26 Wer mir dienen will [Mann oder Frau], der folge mir nach, dass wo ICH BIN, auch mein Diener sei. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren."

Die Nachfolge. Siehe Mk 8,34; Lk 14,27; Mt 10,38. Was kann Sein Weg die Herrschaft der Erden (und vielleicht des Himmels?) kümmern! Ist Ihm Nachfolgen reizvoll, anständig, sinnvoll? Ist Elend und Armut nicht Schicksal und Gehorsam Pflicht? Die feist solide Herrschaft bedarf nicht das Opfer des provinziellen Wanderpredigers, wohl aber die daraus folgende Hingabe des Volks! Diese können NUN aus ihrem Elend flüchten in die Hoffnung, Ihn den Einzigen, einst beim VaterGott wieder zu finden. Und ihr Gefühl muss nicht nur mit Liebe zu Ihm zu verwechseln sein, die Möglichkeit Umlastung auf andere ZEIT und anderen ORT zu betreiben, eröffnet jedermann ein zusätzliches Tor zur Flucht aus der Mühsal des täglichen Kampfes und so entsteht ein Aufflackern irrwitziger Lebenslust ohne Leben! Den Lebensgehorsam den Er fordert wird zum Feuer der an Ihn gerichteten Liebe! Und der Evglst. führt weiter aus, tritt über in einen, den Menschen würdigenden, Dialog (der Erwählte bleibt auch im wie Verzagtsein unerschütterlich Sich Selbst bewusst), (Siehe Mk 14,34 und daraus Mt 26,38.):

27 "Jetzt ist meine Seele betrübt. Und soll ich [etwa] sagen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen 28 Vater, verherrliche deinen Namen!"

W.Jens, klar und einleuchtend: "Soll ich den Vater bitten: Errette mich aus der Not? Nein, Vater, so will ich nicht reden; denn es ist deine Stunde, du hast mich hierhergeführt, und ICH BIN dir gefolgt."

Da kam [wie] eine Stimme vom Himmel: »Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.« 29 Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: "Es donnerte." Die andern sprachen: "Es redete ein Engel mit ihm."

Seine angstbesetzte Rede vor Sich hin gilt nicht. In Seinem Schwanken in die Welt und aus ihr, ist Er plötzlich mit dem Heute verquickt! Der Evglst. hier, will aber das wichtige OBEN herausstreichen! Fragen wir daher noch nach Stimmen oder sind wir schon schläfrig und (noch) halb wach und halb wachsam und lassen zu, dass allen Ernstes da vom OBEN so berichtet wird? Oder ist das nur in Ihm, den Ersehnten, wie gesagt? Ist die Welt und unsere TEILhabe so unwirklich, dass viel geschehen kann, bis wir uns abwenden müssen, aus Angst aus unserer, vom ICHSELBST fortwährend entwickelten Wirklichkeit, vertrieben zu werden? Seine Wunder haben wir akzeptiert, dabei haben wir -für uns- nichts an Fähigkeit zu glauben verloren: Wunder sind immer in uns und so ist uns auch die ´Stimme von OBEN´ gut genug, den Menschen aller Menschen, Ihn den Menschensohn, zu verklären (wenn auch nicht verständlich...); insbesonders in der Zeit des Spätjudentums, in der der etablierte Gott sich oft von Engeln vertreten liess ...

30 Jesus antwortete und sprach: "Diese Stimme [Nachricht] ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. 31 Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestossen werden.

Der Fürst der Menschenwelt ist das, was mit Teufel gemeint ist. Wie weit der Teufel böse ansich ist und daher unverbesserlich und nur entfernt werden kann, damit es besser werde auf Erden, oder ob der Teufel das Teuflische im Menschen IST und fortwährend der Kontrolle und der Verstossung bedarf, ist hier offen.

32 Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen." 33 Das sagte er aber, um anzudeuten, welchen Todes er sterben würde.

Der Evglst. füllt den kostbaren Raum des Textes mit diesen trockenen Hinweis, der umfangreicher Interpretation bedarf. Mit Erhöhen ist zuerst die irdische Anbetungswürde OBEN auf dem Kreuz gemeint, dann Sein Tod und Seine Auferstehung und mit Seinem Weggehen von der Erde und Werden in die Herrlichkeit bis zur folgenden Wiederkunft. Ist da der Schritt in die Transzendenz möglich und der Evglst. hat die Tiefe des (ins OBEN gerichtete) Gedenkens für immer über das schändliche Römerholz gefügt? Oder: Erhöht werden am Kreuz und nur Seine Jünger und die Anderen, die an Ihn glauben, zu sich ans Kreuz ziehen, in der schlimmen Stunde der Not? Ist Sein brennend reinigendes Ende Aufruhr und Erschütterung einfordernd? [Sensationell war Seine Hinrichtung nicht in einer Zeit, in der Massenkreuzigungen (zur Abschreckung) die Regel waren und die Soldaten zur eigenen Belustigung die Hingerichteten ans Kreuz nagelten, statt zu binden (Kreuzigungstod war in der Regel Tod durch Kreislaufversagen, nach tagelanger Qual).]

34 Da antwortete ihm das Volk: "Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus [der Messias] in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschen Sohn muss erhöht werden? Wer ist [das] dieser Menschensohn?"

Man beachte die Herführung aus dem AT, die das NT stabilisieren soll, selbstverständlich nicht ´verifiziert´: Ps 89,37; auch Ps 10,4; Ez 37,24; Dan 7,14 sind natürlich nicht das ´Gesetz´ sondern beseelte Texte des AT.

35 Da sprach Jesus zu ihnen: "Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht einholt. Wer in der Finsternis wandelt, der weiss nicht, wo er hingeht. 36 Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, auf dass ihr Kinder des Lichtes werdet." Das redete Jesus und ging weg und verbarg Sich vor ihnen.

[W.Jens tiefer: "Noch seht ihr das Licht: habt Vertrauen! Folgt ihm! Seid Kinder des Lichts!"] Wenn Er gehen muss (nach OBEN!), wird Er durch Sein Wirken die gläubigen Juden mit Sich (an Sich) ziehen können? Wird Er bereit sein, sie in sich über den jämmerlichen, würdebrechenden Tod hinaus zu bewahren? Sie, die plötzlich ein ´zweites´ Leben, nicht nur Fleisch und das Regelwerk des ´Gesetzes´ sondern auch das Hadernde, Fordernde, Auseinandersetzende mit ihrer Existenz, haben werden, sie werden leichter am Ende das eigentlich nur Trostlose tragen? Ja, wenn sie Seiner Philosophie glauben. Er hat das baldige Gericht erwartet und daher wenig Sinn für das Urbane, Pflegliche, Vorsorgende haben können. Ist nun Seine Lehre wahrhafter weil ihr das reinigende, ausrichtende, gerechte Feuer fehlt? Oder verwerflich weil ohne die strenge Tatsache Gericht? Oder ist das die meisterliche Leistung, das geduldige Warten, Hingehen, Hinleben zum nicht immer zürnenden ´Vater´? Ist das nie zu Ende gehende Warten die blühende Wiese, auf der sich der Glaubende tummelt, solange sein Atem reichen wird? Und ist das die nie endende Energie des Guten, die genährt wird aus einer wie fortschrittlichen Kindshaltung, in der befindlich, man sich einst getrost (getröstet?) berufen wird können auf Ihn, um dann die stählern mörderisch schändliche Missionierung legitim in die Welt zu bringen!! Im Namen des Zartesten und Gerechtesten aller Menschen.

37 Und obwohl Er solche Zeichen vor ihren Augen getan hatte, glaubten sie doch nicht an Ihn, 38 damit erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte: »Herr, wer glaubt den Worten, die wir predigen? Und wer vertraut Gottes Macht, die sich ihm, weithin leuchtend, offenbart?«[W.Jens] 39 Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesagt: 40 »Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe.«

Siehe Röm 10,16; Jes 53,1; Mk 3,5; Jes 6,10; Mk 4,12 und Jes 6,1. Oder noch klarer bei E.Drewermann: »40 Blind werden liess er ihre Augen und harthörig ihr Herz, dass sie nicht sehen mit den Augen und Einsicht gewinnen mit dem Herzen und zurückkehren, dass ich sie heile«
„Trotz der einzigartigen Offenbarungen Jesu in Wort und Tat fanden und finden nur wenige zum Glauben. Dieser Tatbestand ist für Johannes ein großes Rätsel, das nach Erklärung sucht.“ (U.Schnelle). Aufgeklärt wird der Unglaube durch die ´gottverhängte Notwendigkeit´ (R.Bultmann).

41 Das hat Jesaja gesagt, weil er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm. 42 Doch auch von den Oberen glaubten viele an Ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, um nicht aus der Synagoge ausgestossen zu werden. 43 Denn sie hatten lieber Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott.

Zu schön um wahr zu sein: Er hat schon eine Gemeinde, die zwar glaubt, sich aber nicht zum (neuen?) Glauben bekennen kann (um nicht den alten zu verlieren und nicht Ärger mit der pharisäischen Behörde zu haben). Diese Glaubenden sind eigentlich verloren werden aber hier als die Hoffnungszielgruppe, als Lehrstück, dargestellt! Denn wie ist es möglich unbedingt in den Glauben zu kommen, wenn nicht vorher in Ängstlichkeit und Wankelmütigkeit das Fremde, Neue ausgeräumt wurde? Und Sein Wort darf nicht gelten, auch Seine Wunder nicht. Der Erwählte legt Seine Beweisführung wieder dar, die letztlich unbegreiflich, immer einseitig und persönlich bleiben muss:

44 Jesus aber rief: "Wer auf mich vertraut, der vertraut nicht an mich [H.Menge: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich], sondern an Gott, der mich gesandt hat. 45 Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. 46 ICH BIN in die Welt gekommen als das Licht, damit, wer an mich vertraut, nicht in der Finsternis bleibe. 47 Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ICH BIN nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.

Der NAME Jesus (je(ho)schua) bedeutet auch ´Gott rettet´. Darauf wird in Mt 1,21 angespielt, in dem Josef von einem Engel träumt, der zu ihm spricht: "21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn Er wird sein Volk retten von ihren Sünden." Siehe auch Ps 130,8: »Und Er [der HERR] wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.« Immerhin sinngemäss nah dem Erwählten!

48 Wer mich verachtet [verwirft] und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten [wird sein Richter sein (H.Menge)] am Letzten Tage. 49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir eine Weisung gegeben, was ich tun und reden soll. 50 Und ich weiss: seine Weisung ist das Ewige Leben. Darum: was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat."

Was immer Gericht sei: Ob Wunsch und Wille nach grundsätzlicher Ordnung und Scheidung durch den Zorn des EINEN Gott für die, die nicht geborgen sind in der Gerechtigkeit des Bemühens, die ´Gesetze´ vollständig zu erfüllen. [Gerechtigkeit im abendländischen Sinn (zB Gleichbehandlung durch die Obrigkeit) ist hier nicht gemeint. So bezieht sich das Letzte Gericht auf die Qualität der Befolgung des ´Gesetzes´ (´Tora´). Die T. wurde durch Auslegung des Hohen Rats -je nach herrschender politischer Macht- angewandt, entsprechend war die Rechtssicherheit nicht sehr groß (zB falsche Zeugen etc.). Siehe (noch heute!) die rechtliche Auslegung durch den Quran, das Glaubens- und Gesetzeswerk der Muslime.]
Oder das prophezeite, insgesamt schauerliche, Straftheater für die sündige Menschheit. Und Er? Er stellt die Drohungen der Propheten auf den Kopf: Hier bei Ihm, wird Sein Gericht voller Liebe und Süsse und Hoffnung sein!

06-1996//12.2005//