Das 13.Kapitel

Der Erwählte bietet Sich den Glaubenden an. Er lehrt sie das grundsätzliche, unmögliche Gebot.

1 Vor dem Passahfest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt [hinüber]ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. 2 Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz [ein]gegeben hatte, ihn zu verraten, 3 Jesus aber wusste [war im Wissen], dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von ihm gekommen war und zu ihm heimkehren werde,

Bei den Synoptikern wird Judas durch seine Begehrlichkeit zum Verräter, in der Apg. berichtet Petrus vom weiteren Schicksal: Mit dem Erlös aus dem Verrat habe Judas sich einen Acker gekauft auf den er (durch Selbstmord?) auch gestorben sei. So hat sich nun sein Schicksal erfüllt: Soll und Haben für Beginner...
Die Autoren dramatisieren nicht, denn Jesu Weggehen wird nur für die Zurückbleibenden furchtbar sein. Er schwebt ja in Seinem Wissen von Seiner Existenz; nicht gottergebene Gleichgültigkeit ist in Ihm, sondern ruhiges Arbeiten bis zum Ende: Er muss Seinen Kindern Seine Wertvorstellung vertiefend lehren und immer sie vorbereitend, damit sie Seiner Offenbarung ohne Sein Hiersein akzeptieren und glauben!

4 da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm ein Leinentuch und umgürtete sich. 5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füsse zu waschen, und trocknete sie mit dem Leinentuch, mit dem er umgürtet war. 6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: "Herr, du? Mir willst du die Füsse waschen?" 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: "Was ich [dir damit] tue, das weisst du jetzt nicht; du wirst es aber später verstehen." 8 Da sprach Petrus zu ihm: "Nein, nicht sollst du meine Füsse waschen, in Ewigkeit nicht!" Jesus antwortete ihm: "Wenn ich dich nicht waschen darf, hast du an mir keinen Anteil [Gemeinschaft]."

W.Jens, viel dichter: "Nein!" sagte Petrus, "du darfst mir die Füsse nicht waschen: jetzt nicht und auch morgen nicht." "Du lässt es nicht zu?" fragte Jesus, "dass ich dich wasche? Dann bist du allein und gehörst nicht zu meinen Freunden."

9 Spricht zu ihm Simon Petrus: "Herr, nicht die Füsse allein, sondern auch die Hände und den Kopf!" 10 Spricht Jesus zu ihm: "Wer gewaschen [gebadet] ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füsse gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und auch ihr seid rein, aber nicht alle." 11 Denn er kannte den der ihn ausliefern würde; darum sprach er: ´Ihr seid nicht alle rein´.

Also, vor Ostern, wohl dem 13.Nisan, in Jerusalem, bei einem Abendessen, erhebt sich der Erwählte, Seiner begrenzten Menschenzeit bewusst und souverän verwaltend, dient Er Seinen Leuten einen für sie unverständlichen Liebesdienst an. Der Erwählte, der ALLES wissen kann, gestaltet Seine letzten Tage überlegen: ´Die Passion erscheint weit mehr als Aktion Jesu denn als eine Passion, als Erleiden´ (J.Blank). Mit dem Ablegen der Kleider und Umgürten des Tuchs, weist Er auf den Sklavendienst, der das rituelle Selbstverständnis der judenchristlichen Gemeinde erheblich stören muss. [Das kann Polemik gegen die Essener mit ihren vielen Reinheitsvorschriften und täglichen kultischen Waschungen sein. Ferner gegen die Täufersekte des Johannes und gegen die gnostischen Taufsekten.] Auch zur Zeit der Niederschrift war die Fusswaschung durch einen Gleichberechtigten oder Gast ungeheuerlich und unvorstellbar, da diese sie selbst, oder -wenn vorhanden- von Sklaven gemacht wurden. Wenn die mit einem Tabu besetzte Tat von Ihm vorgenommen wird, demütigt Er Seine Kinder in ihrem Stolz auf Ihn, denn Seine Kinder wollen Ihn ganz OBEN, unantastbar und nicht in Knechtsgestalt sehen. Was der Offenbarer sagt, heisst, dass nicht ganzkörperlich getauft werden muss. Sein Wort nimmt Seine Jünger hinauf, in Seine Welt. Sie sind rein geworden nur kraft Seines Worts, weil sie dadurch in Seinen Dienst gekommen sind! [R.Bultmann geht so weit, dass er daraus die Worttaufe Jesu ableitet und dem Evglstn. eine große Unbefangenheit im Umgang mit dem für die Christen wichtigen (Wasser)Taufakt unterstellt.]

12 Als er nun ihre Füsse gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: "Wisst ihr, was ich euch getan habe? 13 Ihr nennt mich ´der Lehrer´ und ´der Herr´ und sagt es mit Recht, denn ICH BIN es auch. 14 Wenn nun ich, euer Herr und Lehrer, euch die Füsse gewaschen habe, so müsst auch ihr [ihr schuldet das einander] euch untereinander die Füsse waschen. 15 Ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. 16 Amen, Amen, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der (Send)Bote [=Apostel] nicht größer als der, der ihn gesandt hat. 17 Wenn ihr dies wisst - selig seid ihr, wenn ihr's tut."

Und Er zerbricht ihre Scheu und Scham und drohend lehrt Er sie, nicht nur dem höchsten Herrn dienen zu wollen, sondern auch dem niedrigsten, dem Knecht, dienen zu müssen. So verlangt Er ihre Auslieferung, sie werden zu machtlosen Kindern -nur geschützt durch Seine immerwährende Liebe und Besorgnis- und sind danach schockiert aufgebrochen und offener für die Liebe zum Nächsten, offener fürs Liebhaben, für die Liebe, denn sie werden von Ihm geliebt! Was Er sie gelehrt hat, das kann von ihnen zu Ihm nicht mehr sein, als Er es für richtig hält, Er es akzeptiert, sonst treibt ihr Beziehen zu Ihm zu sehr ab ins Unerwünschte, ins weltlich Befriedigende. Unzweifelhaft birgt Sein Verhältnis zu Seinen Jüngern für sie die Möglichkeit an die Schwelle des Welt-Eros zu gelangen, ob sie wollen oder nicht. Die Unmöglichkeit das (im Judentum) Nichtdenkbare auch nur ansatzweise zu erdenken, erzeugt und nährt das Immerwährende, Unbegreifbare ihres Zurückliebens: alles was sie von der (Nächsten-) Liebe wissen, hat Er sie gelehrt: Er liebte sie zuerst! Und ohne ihres Tuns, nur für ihr Hiersein in der Welt! Und wie sie in ein Endloses versinken und nur durch die (wie liebevolle) Tat zum Nächsten aus dieser wehen Spannung entlassen werden, so lässt Er sie wissen, dass das Nachlassen und Herabsteigen, das Erreichen der eigenen, möglichen Höhe ist: und so werden sie frei und gereinigt und demütig, und sie akzeptieren Sein Geschenk und Seine Schule. So werden sie bereit für den Dienst, den sie zu leisten haben, denn nur Lieben und guter Vorsatz ist nichts, folgt nicht die bezeugende Tat. [Niemand mehr hat das gezeigt, als der Heilige Franziskus, ´der letzte Christ´ (A.Holl).]

18 "Das sage ich nicht von euch allen; ich weiss, welche ich erwählt habe. Aber es muss die Schrift erfüllt werden: »Der mein Brot isst, tritt mich mit Füssen.« 19 Schon jetzt sage ich's euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ICH BIN [den die Schrift meint]. 20 Amen, Amen, ich sage euch: Wer jemanden [den Boten] aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat." 21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er im Innersten erschüttert und betrübt; Er bezeugte und sprach: "Amen, Amen, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten [ausliefern]."

[Siehe bei den Synoptikern: Mt 26,21-25; Mk 14,18-21; Lk 22,21-23]
Der Erwählte WIRD -trotz Seines Überwissens- in Sich zurück gekehrt Mensch; Er hadert fast mit dem Kommenden und was Er sagt gilt für Seine Jünger und auch für uns: Das Reinste, das Menschenkind ansich, das Unschuldigste das die Welt je gesehen, Es wird verraten (auch verkauft) um zu demonstrieren, dass es keine in sich bestehende und aus sich selbst wirkende Funktion, NAMENs Gerechtigkeit, in der Welt geben kann (darf?). Und dass wir aus Seinem Schicksal nicht das Selbstverständliche und Immerwährende des Gemeinen lernen und akzeptieren dürfen. Sondern wir müssen fortwährend wach sein und obsorgen die labilgute Ordnung der Welt offen zu halten für die erhoffte, mögliche? Menschlichkeit, gute Menschentat!

22 Ratlos sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem Er redete. 25 Der also lehnt sich so an die Brust Jesu, dass er zu Ihm sagen konnte: "Herr, wer ist's?" 26 Jesus antwortete: "Der ist's, dem ich den Bissen [in die Schüssel] eintauche und gebe."

Nun wird die Sonderstellung des Jüngers (den Jesus mehr als die anderen liebte) krass heraus gearbeitet: Der spätere Führer der Zwölf muss ihn beauftragen vertraulich den Offenbarer zu fragen, dh: Petrus hat keinen direkten Zugang zum Herrn, nicht nur weil er nicht in Seiner Nähe weilt. Später wieder die Sonderstellung des Jüngers: er steht unter dem Kreuz mit den Frauen und noch später, beim angstvoll freudigem Lauf zum Grab, wird der Lieblingsjünger zuerst dort sein, warten auf Petrus und diesen zuerst in die Höhle eintreten lassen, dann wird er ihm folgen, sehen und glauben. [Nach R.Bultmann ist die Idealgestalt des Jüngers den ´Jesus lieb hatte´ auch die Erweiterung des Judenchristentums: der Jünger stellt das beginnende Heidenchristentum dar, verkörpert es, festgemacht an seine menschliche Gestalt, er ist nicht (mehr) einer der Zwölf und doch zugehörig. Andere Exegeten sehen in ihm den Augenzeugen und die historische Autorität im Team des Evglstn.]

Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und nach dem Bissen, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: "Was du tun willst, das tue bald!"

Eine Aufgliederung des Schicksals in eine böse Satansgestalt und in das (restliche) Gute: Nicht für jedermann annehmbar heute, dass das Verbrechen so banal in die Welt kommt. Recht lateral plausibel einst mit dem Hereinfahren von Geistern in die Täter (die sie zu Werkzeuge des Bösen machen). Das Verbrechen, die Tat aus dem Bösen ansich, IST immer möglich (um sich gegen die Gruppengesetze zu verhalten bedarf es nicht die Funktion des Satans sondern nur die eigene Enthemmung von der dämpfenden ´Moral´). Und so muss zur Weiterentwicklung der Gesellschaft, die ihre (wie unendlichen) Gruppenziele erfüllen sucht, entgegen gesetzt werden dem Täter die zwecklos Gute Tat!
Der Erwählte demonstriert nun wieder Seine Allwissenheit und wie ausserhalb gibt Er die Anweisung für das Ende Seiner Eigenen Menschensohnzeit. Dabei tut sich der Widerspruch auf, dass das sogenannte Opfern des Erwählten ein geplantes Drama ist: Er weiss was kommen wird, Er startet nun den Judas, der nicht mehr er selbst sein kann (wer kann schon für sich selbst sein!), und Judas wird folgerichtig handeln so wie es vorgesehen.
Die Inszenierung der Tragödie soll helfen die Juden zum Glauben ansich (zurück) zu bringen und sie heraus reissen aus ihrer (falschen) Hoffnung, dass der ersehnte König sie aus dem Joch der Römer führen könnte; sondern dass der ´Gottesknecht´ für das sündige Volk Israel (nur durch Sündhaftigkeit erklärten die Juden Israels Unglück) einstehen wird müssen. [Siehe Jesaja 42,1-9; 49,1-9; 50,4-9; 52,13-53,12. Die sog. Gottesknechtlieder (im Judentum war Gottes Knecht das Volk Israel) wurden von den Judenchristen und folgenden Exegeten vereinnahmt als Prophetie der Persönlichkeit und Schicksal Jesu (Heinrich A. Mertens).] Dafür würde Er ihnen etwas geben, was zuvor in der Antike nicht denkbar war: Dem Nächsten (wohl wie aus dem Nichts heraus, tatsächlich genährt und ermutigt durch Seine Liebe) einfach zu lieben, in einer Art nicht zu weit führende Kleinhingabe, Kleinzuwendung, die Er im Großen generell vorzeigen wird. Daraus entwickelte sich, in Anlehnung an die altägyptische Tradition, als Wohlhabender tugendhaft verpflichtet zu sein und für die Macht- und Besitzlosen zu sorgen und an der (später) in der Tora eindeutig geforderten (!) Armenpflege in Israel (später auch in Griechenland und Rom), die tätige christliche brüderliche Nächstenliebe, die zuletzt entkörpert und entgottet in ein philosophisch und massenpolitisch fundiertes wie kommunistisches Sozialverhalten (Sozialstaatsbewusstsein oder auch abschätzig ´Vollkaskomentalität´) mündete, das bis heute die christliche Zivilisation prägt und sie -nicht zuletzt deshalb- zur erfolgreichsten machte, trotz (früherer) grauenhafter und gottverlassener Übergriffe der christlichen Kirche(n).

28 Aber niemand am Tisch verstand, wozu er ihm das sagte. 29 Einige meinten, weil Judas den [Geld]Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Es war aber Nacht.

Fast sichtbar wird das bedächtige Kopfnicken der Gemeinde, die aufmerksam dem gelesenen Vortrag des Evglms. lauscht. Der Widerspruch, satanbesetzter Judas und der Erwählte, der Seinem menschlichen Untergang nur beiwohnt, entwickelt ein Heraustreiben der gewöhnlichen ICH-Vorstellung der Lauschenden: Sie kommen in eine beziehungsvolle Erweiterung des Wissens von ihrer Welt. Sie sehen die Möglichkeit, dass ihre Welt eingebettet sein kann, in einer mächtigen, kausalen Wirklichkeit der IDEE vom auf der Welt sein und handelnd leben in ihr: das befreit sie und macht sie wie unschuldig, jedenfalls vorsatzlos(er); Jesus hilft wie immer und weist durch Seine menschliche Wirklichkeit hinaus, hinüber, in die ewige Vorstellung von der glückseligen Ordnung der Welt (der Ordnung). Und obwohl nun die Nacht gekommen ist und um das Menschlein Judas tiefste Finsternis herrscht, wird in die Finsternis Sein Licht um so drängender scheinen.

31 Als Judas nun hinaus gegangen war, spricht Jesus: "Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht durch ihn. 32 Wenn Gott durch ihn verherrlicht worden ist, wird Gott ihn auch bei sich selbst verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen."

[W.Jens: Und kaum war er fort, da sagte Jesus: „Jetzt ist es geschehen. Der Menschensohn ist verherrlicht, und verklärt in ihm ist Gott. Wenn er verherrlicht worden ist, in seinem Glanz und seinem Ruhm, dann wird er auch ihn, in sich, verherrlichen- und wie bald schon!“]
Blitzlicht: Nun sind sie unter sich hier im Vortrag dieses Evglms: Die kleine treue Gemeinde, die Zelle. Der Evglst. und die lauschende Gemeinde wissen, dass Jesus schon lange tot ist; was immer Er hier sagt(e), ist zurückflutende, wasserfallartige Christologie, deren Quelle im Nachhinein großartig aufsprudelt. Und wenn Er indirekt für Sich die Figur des Menschensohns wählt als Übersetzer und Medium, so schlägt Er hinein die letztverbindliche Klammer zwischen Himmel und Erde. Und nun spricht Er den wehwürgenden Abschied an:

33 "Liebe Kinder, ICH BIN noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen. Und wie ich zu den Juden sagte, sage ich jetzt auch zu euch: Wohin ich fortgehe, dahin könnt ihr nicht kommen. 34 Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebet einander! Genauso wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. 35 Daran mögen alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr [die] Liebe habt einer zum anderen."

Und wie ich zu den Juden sagte..“ Man beachte den Unterschied: Der Jude Jesus spricht von Juden zu seinen (wohl nur jüdischen) Jüngern. Da wird mit Juden wohl ein ethnischer Wert vermittelt oder doch nur die Menge der heimischen Bevölkerung? Auch ein deutlicher Hinweis, dass dieses Evglm. (auch) für die ´Griechen´ verfasst worden ist.
Seine Anwesenheit schwindet und Er gibt in der allgemeinen Verzweiflung den in die Zukunft gerichteten Befehl, erweiternd über das Bestehende: Wenn -so die ´Tora´- das durch die Liebe mögliche Gesetz in die Welt gekommen ist, weil der EINZIGE Gott zuerst sein Volk erwählt und geliebt hat; sein Volk keinen Anspruch auf seine Liebe hatte, er es aber zu sich nahm; so ist in Fortsetzung der Liebe, die durch den Offenbarer, den ´Sohn´, diese für immer gesichert, wenn sie verstanden wird als Aufruf zur LIEBES-TAT. Durch die unterschiedslose Liebe zueinander soll auch der ´Böse´, der Fehlende, und der Feind geliebt werden. [Siehe Mt 5,44 und Lk 6,27. Aber bei Joh. wesentlich anders: Liebt wie ICH euch LIEBE!] Dieses Gebot ist um so wirklicher und belastender, als die niederdrückende Lebenssituation der Jünger jede ´allgemeine´ Menschenliebe ausschliessen, ja sie als reinsten Luxus gesättigter Schwärmer einschätzen muss. Mit diesem Auftrag unterdrückt Er Sein Gefolge nachhaltig und zwingt es zu radikalen Massnahmen im Umgang mit der Gruppe, obwohl das Liebesgebot zuerst im engen Jüngerkreis gilt (und Sein Leuchten etwas durch ihr inneres Licht ersetzt werden kann), wird aus der sich entwickelnden Erstarkung durch die Liebe zueinander, das für sie Neue der befreienden Offenheit entwickeln. Nicht nur Sein Wohlwollen war die Quelle der Liebe, sondern wachsend: nackte -zur Selbstvergessenheit zwingende- Pflicht. Aber sie wissen, wenn sie Ihm folgen, so wird Er sie am Ende der Tage aufnehmen. Und Er setzt auf ihr immerwährendes Verzaubertsein durch Seine (in ihrer demutsvollen Einschätzung, sie, die wertlosen Schüler und Jünger, unverständliche und unverdiente) Zuneigung. Er lehrt sie die Liebe und das Lieben! Und was immer ein grausam engstirnige, wortwörtliche -von eigener Doktrin erleuchtete, schwebende- Kirche daraus gemacht hat, war nicht Seine Intention!
Er lehrt sie, sich tief zu erinnern wie an selige Kinderzeit, in der sie geborgen in der Elternliebe, nur für ihr Dasein ansich, geliebt wurden. Er löst auf das aktuelle, religiöse Gegengeschäft Wohlverhalten für Liebe (des VaterGottes). Er beschenkt sie grundlos aber nicht forderungslos: Er wird sie immer lieben! Und sie müssen -eingebettet in Seinem Geschenk- würdige Beschenkte werden.

36 Sagt ihm Simon Petrus: "Herr, wohin gehst du fort?" Jesus antwortete ihm: "Wohin ich fortgehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht nachfolgen; aber du wirst mir später nachfolgen." 37 Petrus spricht zu ihm: "Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein ganzes Ich -für dich will ich´s geben!" 38 Jesus antwortete ihm: "Du willst dein ganzes Ich, dein Leben für mich lassen? Amen, Amen, ich sage dir: Ehe der Hahn kräht [in der Frühe des Tags], wirst du mich dreimal verleugnen."

Als würde Petrus seine Position entwickeln wollen, fragt er nach der Absicht des Erwählten. Ernüchternd machend weist der Offenbarer auf das notwendig Kommende ohne Verständnis zu finden. Der brave Petrus wird seines NAMENS (seiner Aufgabe) noch nicht gerecht werden können: Erst muss er durch die kleinliche Furcht des wohl bereits Glaubenden, der aber seinen Glauben in der Not, aus besinnungsloser Angst, verliert. Danach wird er bereit sein.

06-1996//02.2005//04.2006//