Das 14.Kapitel

Jesus predigt und tröstet, und Er beschützt durch Seinen verheissungsvollen Frieden und wird sie aber durch ihren Glauben an Ihn, in den Gegensatz zur Welt bringen.

1 Und Er sprach zu seinen Jüngern: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt ihr an Gott? So glaubt auch an mich! 2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3 Und ob ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ICH BIN. 4 Und wo ich hingehe, das wisset ihr und den Weg wisset ihr auch."

Die Abschiedsreden des Erwählten sind wie wortwörtlich Seine Worte. Sie sind es aber nicht. Sicher ist, dass Er sinngemäss nicht anders geredet haben kann und was der Evglst. und sein Team hier in vielen redaktionellen, angstvoll erschauernd diskutierten, Schichten zusammengetragen haben und nun vorstellen, wurde (und ist) wichtigster Stoff, das Haus des Urchristentums mit Seinem Geist zu erfüllen! Gemeint ist nicht nur dingliche wirkliche Wirklichkeit, mehr das Geborgensein: als ob jede Seele ihren Platz schon vorher beim ´Vater´ hatte und nach (wohl vergeblichem?) Erdenweg heimkehren kann nach Hause, zum ´Vater´, zur Familie, gleichberechtigt Platz findend in den vielen Wohnungen (dem weiten Raum des Jenseits).
Jedoch, der Erwählte wird sie, Seine Schüler, zu wenig fit für ihre Aufgabe zurück lassen (müssen). Mit ihren Glauben an Gott, Seinem ´Vater´, und an Ihn, den ´Sohn´, der ihnen wie wegweisend zur Seite steht, haben sie begonnen sich zu isolieren von ihrer Glaubensgemeinschaft. Sie lassen sich vom übergroßen Helfer aufzeigen eine neue, andere Spur zum vertiefenden Hingründen in den EINEN Gott. Er hat sie eröffnet und damit schutzlos gemacht. Er geht voraus, lässt sie sehr gefährdet zurück und Sein Verlassen macht sie untröstlich.

5 Spricht zu ihm Thomas: "Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?" 6 Jesus spricht zu ihm: "ICH BIN der Weg und die Wahrheit [die wahrhaftige Wirklichkeit Gottes] und das Leben; niemand kommt zum Vater denn [ausser] durch mich."

Deutlicher kann man es nicht sagen. Der Offenbarer entwickelt die einzige Möglichkeit: Er ist der LOGOS, der Übersetzer, das Funktionelle der Gott-IDEE. Er bedarf nicht der Zielvorgabe und den dort hinführenden Weg. Er ist das GANZE: Ziel und Weg. Er formt das Neue, Machbare auf dem Weg zum ´Vater´. Er ist der Zugang zum ´Vater´, Er ist der Garant, dass man durch Seine Existenz ergehen wird können den wie unbelebten Weg in die Wahrheit. Wohl wird Er als der nichtkriegerische Messias sich vom Mob und der ihn lenkenden Priesterschaft ums Menschenleben bringen lassen: aber da ist die Offenbarung, denn nicht das Schwert sondern die liebend bedingungslose Hingabe wird den Sklaven Transzendenz schenken: Sie werden das verlieren, was verloren gehen kann. Ihren, durch Ihn gesicherten, Urgrund werden sie nie mehr verlassen müssen, weil sie das zu Besitzende dieser Welt weggeben haben! Und wie um Widersprüchliches zusammenfassen, weist Er hin auf Seine wie gotthafte und wie von OBEN gewordene Stellvertretung.

7 "Hättet ihr mich erkannt, dann hättet ihr auch meinen Vater erkannt, und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen." 8 Spricht zu ihm Philippus: "Herr, zeige uns den Vater, das genügt uns."

Siehe die Briefliteratur Röm 5,1-2 und speziell der ´Brief an die Hebräer´: 10,20. Früher Paulus zugeschrieben, zeugt er von einem christlichen Alexandrismus, von einer ins Christliche übertragene Weltanschauung Philos v.A. (C.Gerritzen.). Die zT abwegig respektlosen Einschübe sollen die Lesersinne schärfen und Seine Antwort soll deutlicher machen den Mythos (=Erzählung, Sage) Seines in die Welt Gekommenseins: Er ist das Eine und das GANZE: Durch Ihn wird das Unsagbare wörtlich; Seine Existenz ist pure Wegzehrung zum Glauben: Er verbraucht Sich für die im Nichts Suchenden. Wenn sie gefunden haben, werden sie Ihn dafür gegeben haben. Und mit der Antwort des Philippus zerfällt das Sagbare und bare Wirklichkeit ist gefordert. Aber der Erwählte überbaut die ´wirkliche´ Welt der Menschen -wie immer- mit seinem Charisma: Dass in der messianischen Zeit, in der die Juden aus einem überhitzten Nationalbewusstsein heraus den Königlichen Gesalbten erwarteten; nur ER die Welt am Herzen ergriff und sich ihr ins kollektive Gedächtnis grub; nur IHM schriftliches Denkmal gewidmet wurde, das ist das erste Wunder. Das zweite, dass der Pharisäer Paulus den ´Griechen´ (also allen anderen die an Götter glaubten) vom ´Sohn´ des EINZIGEN Gottes predigte und sie zu Welt-Christen formen, machen konnte.

9 Jesus spricht zu ihm: "So lange bin ich schon bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich sieht, sieht den Vater! Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich euch sage, die rede ich nicht aus mir selbst, sondern der Vater, der in mir wohnt, tut seine Werke [handelt durch mich]. 11 Glaubt mir, dass ich im Vater und der Vater in mir ist; wenn nicht, so glaubt mir doch um der Werke willen. 12 Amen, Amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke tun die auch ich tue, ja, er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. 13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun [werde ich euch geben], damit der Vater geehrt werde durch den Sohn. 14 Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich euch geben."

Siehe Mt 28,18-19: »18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.«
Diverse Auslegungen: Sollen nun alle Völker zu Jüngern gemacht werden, auch die Griechen? Oder war Er der Meinung die Völker Israel. Ferner der Verweis des Evglstn. auf die in der Apostelgeschichte erzählten Wunder- und Heilungswirkungen der Jünger; eine eher unklare Geschichte und nur Randhilfe der Christianisierung, denn der Erwählte war Alles und das Beziehen auf Ihn (s. Paulus) das Einzige. Sie sollen sich auf Ihn berufen, daraus würden sich ihre Werke entwickeln. Und womit? Nur mit dem dürren Wort, das Er den Schülern hinterlassen hatte? Fast gereizt erklärt Er: Er und der ´Vater´ sind eigentlich und immer EINS. Und soweit der Mensch sich begründen kann im Heilsgrund, in den ORT des Einzigen, soweit IST der Mensch bei Ihm, IST der Mensch in sich bei Ihm und die Werksbeweise sind nur anfangs wichtig. Danach wächst das Geborgensein unaufhaltsam. Und der Erwählte erzeugt eine neue Logik: Nicht nur dass sie die Hohe Liebe durch Ihn lernten, und sie nun endlich zurück lieben können (wenn auch nicht so wie Er sie geliebt), werden sie nun getreu Seines Gebots zu leben und arbeiten versuchen, Ihm zuliebe.

15 "Liebt ihr mich so haltet meine Gebote. 16 Und ich will den Vater bitten, und er wird [soll] euch einen andern Tröster [Fürsprecher] geben, dass er bei euch sei [und bleibe] in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein."

Einen andern Tröster: Paraklet, eigentlich Fürsprecher, Beistand, Helfer, nicht Tröster. Und es ist nicht der ´Heilige Geist´ der Trinität gemeint! Siehe auch in 1.Joh 2,1: »Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.« Wie ein ETWAS aus dem Nichts, erzeugt sich selbst der helfende Inhalt Seiner Lehre: Wenn sie Ihn akzeptieren, öffnen sie sich für die immer wiederkehrende Süsse Seiner Lehre und es ist nichts Drittes was die Welt gebiert, sondern es IST das Gebildete selbst -aus dem Wirken Jesu- das in den Köpfen Seiner Jünger der Helfer und Tröster IST. Gleich dem Wort das sie predigen WIRD ihre tiefst vorstellbare Offenlegung Seines Weges Wirklichkeit.

18 "Ich will euch nicht als Waisenkinder zurücklassen; sondern ich komme [wieder] zu euch. 19 Nur noch kurze Zeit dann sieht die Welt mich nicht mehr; ihr aber werdet mich sehen, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ICH BIN in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält [befolgt] sie, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren."

Nun wird hier meisterhaft zusammengeführt, was nur so in der Menschenwelt sein kann. Er sagt wo Er überall ist und wo sie sind. Und sie erkennen Ihn durch sich selbst: Sie sehen Ihn nicht mehr AUSSEN, sie sind in Ihm, weil Er, kraft Seines wie göttlichen Genies, zielsicher in ihrem INNEN ist. Und Er verheisst ihnen nicht nur Seine immerwährende Liebe, Er weist auf die letzte Instanz, auf die unerkennbare, unaussprechliche liebevoll bejahende Grundzustimmung des GANZEN (das wie Gott sein kann und dem Wunder des Glaubens Anhängenden sein muss). R.Bultmann: »Ihn lieben heisst, seinem Anspruch gehorchen, und dieser Gehorsam ist der Glaube. [Ebenso ist die auf den Offenbarer gerichtete Liebe ... der Glaube.]«

22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: "Herr, was bedeutet es, dass du dich [nur] uns offenbaren willst und nicht der Welt?" 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: "Wer mich liebt, der wird mein Wort halten [bewahren und befolgen]; und mein Vater wird ihn lieben, und wir [ich und ihr] werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der bewahrt [befolgt] meine Worte nicht. Das Wort, das ihr hört, ist nicht meines, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, während ich bei euch weile. 26 Aber der Beistand, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe."

Wieweit der Evglst. das Christologische in die Herrenreden eingliedert, ist nicht immer ersichtlich. Warum sollte der Offenbarer von einem natürlichen Beistand sprechen, der zusätzlich zu Seinen Worten Worte gibt? Das ist nicht möglich. Über Jesus hinaus gibt es keine Rede und keine Erklärung. Also ist der Einschub mit dem Paraklet wesentlich später zu datieren, als Bekräftigung der späteren (hier aktuell zur Zeit der Abfassung des Evglms.) Erziehungsarbeit der Gemeinden. Siehe G.Keil: "Während das Evangelium konsequent christozentrisch denkt, lassen die Parakletsprüche den Geist mehr sagen als Jesus und denken damit pneumatozentrisch." Gemeint ist wohl, im Verweis auf die Schiedsrichter in der Hellenistischen Welt, der dialektische Beistand gegen die Rabbinen. Sicher ist gemeint das -nach Seinem Weggang- vollendet gebildete Wissen von Seiner Herrlichkeit, das durch den Geist (= Seiner Gedenken!) wiedererwecken werde das ewige All-Wissen: Dass Er -weil es so sein muss- wie ein Menschengott geboren ist!

27 Den Frieden [hinter]lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch [denn er ist mein]. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch [denn die Welt kann den Frieden nicht geben]. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte nicht [soll nicht verzagen]. 28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe fort und komme [wieder] zu euch."

Wer Ihm soweit gefolgt ist wird Ihm weiter folgen und hoffen, dass das Glück auch zu ihm selbst kommt, als in Armut der Welt lebend und hungernd nach der Speise des Geistes. Es ist nicht viel was Er versprechen kann, aber das Wenige ist der Urstoff aus dem man (wenn man will) sein eigenes Leben sehr treffend (in Gott hinein) erklären kann. Jedoch schmerzvoll erinnert Er die Jünger, dass sie noch immer nicht so weit sind, Ihm zu folgen: Das Schicksal hat sich noch nicht gewendet und sie getrennt vom Allerliebsten, auf dass sie erschüttert in die Wahrhaftigkeit ihres Glaubens aufbrechen können. So wie Er sie zu Personen machte, so werden sie Ihn als ihr Eigenes, Weltliches ergreifen und für sich individualisieren, um daraus die Kraft zum Übertritt in Seine Hoheitlichkeit zu finden.

"Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

Aus dem wunderschönen Text des Gianfranco Ravasi (über das Joh.Evglm.): »Es ist die Liebe, die dem Tod seinen Schrecken nimmt. Der große islamische Mystiker Al-Ghazali schreibt: ´Als der Todesengel zu Abraham (der auch im Islam als das Vorbild des Glaubenden gilt) kam und sich seines Geistes bemächtigen wollte, sagte Abraham: "Hast du je einen Freund gesehen, der seinem Freund den Tod gewünscht hätte?" (Wie kann Gott seinem Freund Abraham den Tod wünschen?). Da enthüllte ihm der Herr: "Hast du je einen Liebenden gesehen, der die Begegnung mit dem Geliebten ausgeschlagen hätte?" Daraufhin sprach Abraham: "Todesengel, nimm mich nur!"«

29 Und nun habe ich es euch gesagt ehe denn es geschieht, auf dass wenn es nun geschehen wird, ihr glaubt. 30 Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn bald kommt der Fürst dieser Welt, aber er hat keine Macht über mich; 31 aber: Die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es der Vater mir aufgetragen hat. Steht auf und lasst uns weggehen."

Der Fürst dieser Welt: Das ist der Satan! Nach wie vor ist der Satan unlogisch (wenn ´Gerechtigkeit´ logisch in Gott ist): Gott untergeordnet und doch -aus sich heraus- Menschen böse machend, das Böse sein, und der Gott des Alten Bunds lässt Satan gewähren: Durchordnungsloses, wie verstandsloses Beschreiben der Menschenwelt, da hilft nur nachfragefreier Glaube weiter. Das ist sicher nicht in Seinem Sinn: Satan als das (notwendige) Böse aber ohne Personalität. Mehrschichtiges und unerklärlich Herzabschneidendes verlangt Er von Seinen Jüngern. Und er weist auf Seine Liebe zum ´Vater´, was zugleich Seinen Gehorsam als ´Sohn´ zum ´Vater´ einschliesst. Und so sich die Abschiedsrede aus Seinen früheren zusammensetzt, so schwankt die Stimmung: die Jünger werden belobt und ermahnt und über ihre Verhältnisse hinaus geschult. Auch was immer Ihm als Beistehendes, Fürsprechendes, Lehrendes immerwährend als glühender Geist folgen wird, entscheidend ist Sein Prägen im kleinen Kreis, sodass in ihren Köpfen entsteht das Gehbare, das Aufsteigende, das Vergrößernde!

06.1997//01.2006//05-2009//