Das 16.Kapitel

Er verweist Seine Treuen auf die beistehende Hilfe, die mit Seinem Weggehen in ihren Traum vom Leben erstehen wird. Sie werden befähigt, ihren TEIL Seines Wissens weiter zu tragen.

1 „Das habe ich zu euch geredet, damit ihr [treu bleibt und] nicht [im Glauben] abfallt. 2 Sie werden euch aus den Synagogen hinauswerfen. Es kommt aber die Zeit, dass wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran. 3 Und das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich [er]kennen.

Je christologischer die Juden werden, umso mehr entfernen sie sich -ohne es zu wollen- vom Alten Bund. Die Emanzipation der Urchristen vom Judentum wurde offensichtlich durch die Reaktion der ideologisch wie versteinten Juden auf die (versuchte) Ausdeutung des Judentums erzwungen. Das ist der lakonische Hinweis des Evglstn. auf die aktuelle Situation (Ausschluss der Judenchristen aus den Synagogen, Verfolgung etc.) bei Abfassung des Evangeliums. Aus dem geheiligten Munde des Erwählten wird das der Gemeinde vermittelt.

4 Aber solches habe ich zu euch geredet, auf das, wenn die Zeit kommen wird, ihr daran gedenket, dass ich's euch gesagt habe. Solches aber habe ich von Anfang nicht gesagt [sagen müssen], denn ich war bei euch. 5 Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Sondern weil ich solches geredet habe, ist [jetzt] euer Herz voll Trauerns geworden. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster [Anwalt, Fürsprecher] nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden."

H.Menge: "Wenn ich aber hingegangen bin, werde ich ihn euch senden." Will der Evglst. vermitteln, dass wenn Jesu drückende Last Seiner Liebe weg ist, das Wissen über Seine Strategie sie, die an Ihn glauben, tröstlich erfüllen werde oder wird auf das ewige Problem verwiesen: Wer das Eine hat wird nicht das Andere haben können, denn Seine sinnliche Schönheit, Sein betörendes Hiersein, der liebliche Duft Seiner Existenz, sie verderben die endgültige Erweckung zum Glauben: Das Herausgelöste aus dem Heute wird zur Triebfeder für alle kommenden Tage: das Verstehen, das Herumgehen können um das zu Wissende, setzt die ewige Ruhe voraus: nicht der Zugriff auf ein verschichtet Bewegliches ist richtig, sondern das Erleuchten -nach Durchdringung unser Weltproblems: Sinn des Menschenlebens- ist das Rechte und (Aus)Richtende, woraus das Gute erfolgen kann. Und die Jünger verstehen nur Sein Weggehen, sie sehen nur ihr Problem der Verlassenseins. Da ist kein Trost, dass an Seiner Stelle kommen wird, die nur den Glaubenden erkennbare Lehre vom Übertritt in eine gotterfüllte geheiligte Zukunft; eine Lehre ein helfendes Wissen das letztlich machtvoll ordnen und errichten wird die neue Vorstellung von der Welt. [An die Stelle der ´historischen Präsenz´ Jesu ist die Geistesgegenwart Jesu getreten (J.Blank).]

8 „Und wenn jener [Beistand] kommt, wird er der Welt die Augen auftun [beweisen] dass es die Sünde die Gerechtigkeit und das Gericht gibt. 9 Es ist Sünde, dass sie nicht glauben an mich; 10 um die Gerechtigkeit aber, dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet; 11 um das Gericht, dass der Fürst dieser Welt [der Teufel] gerichtet [abgesetzt] ist.“

Paulus im Römerbrief 4,24: »sondern auch um unsertwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn [so] wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten, 25 welcher ist um unserer Sünden willen dahin gegeben und um unserer Rechtfertigung [Gerechtigkeit] willen auferweckt.« Paulus bringt das Schicksal des Erwählten mit dem (schuldig oder vom Herrscher-Fürsten verführt?) sündenden Volk zusammen. Aus der paulinischen Logik entstand der (für uns heute naturvolkig scheinheilige) Begriff des Befreiungsschlags von OBEN. Er ist das kollektive Wissen, das immer wie Eine Person auftreten wird, gebunden in all Ihrem Schicksal: Kann man sich vorstellen, dass tiefe Welt-Erkenntnis (hier nun im GANZEN versteckt), ohne Entsetzen aufgegriffen und genützt werden kann? Die Katharsis, erzeugt durch den schändlichen Abgang des Erlösers, wird ein ewiges Geisteswesen (stellvertretend für den schulgebildeten und guten Juden Jesus) in die christliche Zivilisation bringen und wird ungeachtet früh gerichteter Gruppen-Wertigkeit, Menschen verhelfen, aus tiefster Erschütterung heraus, zu brechen das neue Wissen vom Sinn der Menschenwelt (aus dem ewigen Stein der Unwissenheit). Diese Zivilisation wird sich in einer zornglühende Sklavenhaltung einfinden und aus innerster, verzweifeltster Schwäche, für das ´Gute´ in der Welt sorgen wollen. Dabei wird all das was das bereits Durchgeordnete, Zivilisierte sein soll gefährdet! Dass die Entfernung des Erlösers über das schändliche Kreuz kein klares Gedenken bringen sondern nur wildest hysterisch sektiererische Erregung, ist eine Tatsache und Geschichte. Die Kanalisierung dieser heiligsten(?) Antriebe durch Führungskräfte (der Kirche...) formte die -bis heute durch untergründige Bewegtheit- schillernde Christenkirche.

12 „Ich hätte euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 13 Wenn aber jener, der [wahre Gottes]Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit [Gottes] leiten. Denn [bedenkt] er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden [weitersagen], und was zukünftig ist, wird er euch verkünden. 14 Derselbe wird mich verklären [denn er ist mir nah]; und von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich euch gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen."*

*Walter Jens: „Sein Wort leuchtet hell, weil es von dem gekommen ist, was mir gehört: aus meinem Besitz – überkommen vom Vater: Denn was er hat, das habe auch ich. Und darum sage ich euch: Alles was er von meiner Herrlichkeit kündet, ist ihm eingegeben von mir“
Zu Vers 12: [Paulus in 1.Kor 3,1: »Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. 2 Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr's noch nicht, 3 weil ihr noch fleischlich seid...« Wie immer bei Paulus das denkbare Vorbild aller Evgln.!] Es ist eine Übertragung: der Erwählte hat nicht alles sagen können, aber Seine Lebenszeit hat die Verbringung des Wissens aller Welt hierher zu den Menschlein gebracht. Wohl werden Seine Jünger Sein Wort (noch) nicht tragen können, aber der Funke ist gesprungen und weiht alle die glauben ein, in das Wissen von der glorreichen Barmherzigkeit des Einen, des Weltgrunds der (Christen)Zivilisation.

16 „Wenig noch weile ich bei euch, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und nach einer kleine Weile, dann werdet ihr mich [wieder] sehen, denn ich gehe zum Vater.“

Wir halten es für ausgeschlossen (nicht weil es unmöglich ist), dass der Ersehnte sich selbst als der Wiederkehrende -als den Tod Besiegender- gesehen hat. Bei aller Selbsteinschätzung der Erwähltheit, aber über den leiblichen Tod hinaus als Leiblicher wieder zu kommen zu seinen Kindern, das meinte Er nicht. Analog der Heilsverkündung (s. Dan 7,13) meinte Er wohl aber Seiner bildhaft Gedenken und Nacheifern und Er Sich einst (bald!) in einer Art Welt-Atem Seines Vaters Seiend. Und dann, legitimiert vom Vater, kann Er helfen, das Gute vom Unerhellten zu scheiden (im Zugreifen auf die Weltursache).

17 Da sprachen einige seiner Jünger untereinander: „Was bedeutet das, was er zu uns sagt: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich [wieder] sehen; und: Ich gehe zum Vater?“ 18 Da sprachen sie: „Was bedeutet das, was er sagt: Wenig noch weile ich bei euch? Wir wissen nicht, was er redet.“ 19 Da erkannte Jesus, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: „Darüber beratet ihr miteinander, dass ich sagte: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen? 20 Amen, Amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden. 21 Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die [Schmerzen und] Angst wegen des Glücks, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Und ihr habt nun [Schmerz und] Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen."

Dieser Tag ist ungewiss und unbestimmbar und die Gemeinde wird ihn dringend erwarten. Sie kann noch nicht wissen von der Freude des rechten Glaubens, noch ist sie nicht eingebettet in Seinem herrlichen Duft, noch wird sie fragen (müssen). Und wenn auch das Bild von der Gebärenden das zu Erwartende grundsätzlich aufwertet, ist es nur nebenbei gesprochen: Denn der Erwählte ist mehr als Der in Zukunft Tätige: Er ist bereits der HERR; Er bietet Ruhe, das Fraglose und das Wunschlose. Er war immer gewesen der Trennende und Zusammenführende und Seine Bedeutung ist ORTlos und ZEITlos, denn nur Er zeigt den einzigen Weg zu einer Zivilisation der Geborgenheit auf. [Zum Unterschied zu den Synoptikern ist der Jesus des Joh.Evglms. in aller Vollmacht hier und es bedarf des Auftrags und der allerletzten Verbindung am Letzten Tag nicht (mehr). Das soll nicht heissen, dass dieses Evglm., wegen der reifen Christologie, unbedingt das vierte (und letzte) sein muss: der große Paulus hat vor den Synoptikern eine Hohe Christologie entwickelt, der nur das Joh.Evglm. (!) gewachsen ist.]

Amen, Amen, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er es euch geben. 24 Bisher habt ihr nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, und eure Freude wird vollkommen sein."

Sie werden sich wunschlos erfreuen dürfen in Seiner Umfriedung zu leben. Es wird keinen weiteren Grund mehr für die kommende Freude geben; das Erfreuen in der Welt der Geborgenheit befindlich zu sein, wird rückverbindendes und warmes Glücklichsein werden. Der Freudenschimmer in den Lichtern der Glaubenden wird zeugen von ihrer bodenlosen, nicht mehr bestimmbaren Freude [des Glaubens].

25 „Das habe ich euch in Bildern [und Sprichwörtern] gesagt. Es kommt die Zeit, da werde ich nicht mehr in Bildern [und Sprichwörtern] zu euch reden, sondern euch ganz offen vom Vater verkünden. 26 An dem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht [mehr], dass ich den Vater für euch bitten werde;

W.Jens: »Und das ist die Stunde, da ihr bitten werdet: in meinem Namen, und ich vor dem Vater nicht mehr eurer Fürsprech sein muss, denn er selbst hat euch lieb...«

27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebet und glaubet, dass ich vom Vater ausgegangen bin. 28 ICH BIN vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; ich verlasse die Welt und gehe zurück zum Vater.“

Es ist so einfach: Er und wir Menschenkinder kommen aus der (männlich besetzten) Funktion Welt-Leben und wir gehen (natürlich nicht mehr) zurück in den Schoss der Familie, Er schon. Was immer uns unser beschränktes Wissen vom Herkommen erzeigt, tröstlicher ist es (soweit wir des Trostes bedürfen), mit Ihm in Seinem Geiste, in Seiner Forderung an uns, geborgen zu sein, als das traumlose Leben, hungernd nach Licht, zu leben.

29 Sprechen zu ihm seine Jünger: „Siehe, nun redest du ganz offen und gebrauchst überhaupt kein [rätselhaftes] Bild mehr. 30 Nun wissen wir, dass du alle Dinge weisst und [die Antworten auf] unsere Fragen kennst und du bedarfst nicht dass dich jemand frage. Darum glauben wir, du bist von Gott.“ 31 Jesus antwortete ihnen: „Jetzt glaubet ihr? 32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder für sich, und mich allein lasst. Aber ICH BIN nicht allein, denn der Vater ist mit mir. 33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr [in mir] Frieden habet. In der Welt habt ihr [Bedrängnis,] Angst; aber seid getrost, [und mutig, denn] ich habe die Welt überwunden.“

Weil Er wie allwissend ist, kennt Er seine Kinder und ihre zukünftigen Fragen und gibt vorweg die Antworten. [Zu Vers 32: W.Jens: »Ihr glaubt, weil ihr nicht wisst, wie bald die Stunde kommen wird –ach sie ist schon da!-, da ihr zerstreut sein werdet, hierhin und dorthin, jeder für sich, auf der Flucht: in sein eigenes Haus, und ihr lasst mich allein.«] Der große Paulus im Römerbrief Röm 5,1: »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus; 2 durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird [soll].« Sowie im, 1.Johannesbrief, vermutlich vom selben Verfasser wie das Joh.Evglm., 1.Joh 5,4: »Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.« Dieser Text ist nach dem Evglm. entstanden. Ferner 1.Joh 5,5: »Wer ist aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubet, dass Jesus Gottes Sohn ist?«
Hier leuchtet wieder das Furchtbare innerhalb des Glaubens auf, der wie der Wind ist, seufzend und wispernd und schnell geduckt. Er, der Erwählte akzeptiert das Schwache, denn nur Er kann lichtvolle Erstarknis geben. Ohne [bittere] Bewegung behütet Er sie weiter.

06-1997//03-2006//02-2009//