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Das 18.Kapitel Der Erwählte wird schlussendlich verhaftet und spricht von Seinem Reich. 1 Als Jesus solches geredet [gebetet] hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern jenseits des Winterbachs Kidron; wo ein Garten war; in den hinein ging Jesus und seine Jünger. 2 Judas aber, der ihn [verraten und] ausliefern sollte, kannte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft dort mit seinen Jüngern. 3 Als nun Judas [kam, mit ihm] die Schar der Soldaten und Knechte * von den Hohenpriestern und den Pharisäern, kommen sie dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. 4 Jesus aber, [obwohl] im Wissen um alles was über ihn kommen sollte, ging hinaus und sprach zu ihnen: "Wen sucht ihr?" 5 Sie antworteten ihm: "Jesus von Nazareth." Er spricht zu ihnen: "ICH BIN da(s)!" Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. * Nur hier wird von der Beteiligung der Römer gesprochen, was recht unwahrscheinlich ist (U.Schnelle). Um in diesem Generalplan, in dem auch der Ersehnte Seinen Platz hatte, das erkennbar ´Böse´ zu sein, musste dieser arme Mensch Judas aus den duftenden Schimmer des Meisters treten, Ihn verlassen! Jesus ´wunderbares Vorherwissen´ (U.Schnelle) gibt Ihm das Gesetz des Handelns. Trotzdem ist nicht zu unterschätzen die blinde ´christliche´ Interpretation, die antijudaistisch war (auch um Rom zu gefallen), und letztlich die Judenchristen gruppendynamisch vereint zu halten. Damit ist es nicht getan den Judas zum Verräter machen und sein Schicksal als Werkzeug für das Gelingen des Ganzen zu negieren. Was später die Kirche in unendlicher Verblendung daraus und in Folge entwickelte ist unsagbar und wirkt heute noch nach!! 6 Als nun Jesus zu ihnen sprach: ICH BIN da(s)! wichen sie zurück und fielen zu Boden. Ohne weiteres Aufsehen: Sie fallen zu Boden, hingestreckt von seiner leuchtend herrlichen, wie allmächtigen Hoheit. Der Erwählte bleibt herrschaftlich und fragt weiter, eher wie in Seiner Ruhe gestört. Die Synoptiker berichten von Seiner Klage und Seinem Hadern mit dem Schicksal. Wenn das Joh.Evglm. vor den Synoptikern entstanden ist, so ist hier Seine gotterfüllt geborgene Haltung dargestellt. Wenn, wie üblich unterstellt, dieses Evglm. als letztes entstanden ist, so hat sich Seine (allzumenschliche, aber unwissende(!)) Haltung verklärt zu der des Kyrios, des Herrn. 7 Da fragte er sie abermals: "Wen suchet ihr?" Sie aber sprachen: "Jesus von Nazareth." 8 Jesus antwortete: "Ich habe euch gesagt, ICH BIN da(s)! Sucht ihr mich, so lasset diese [meine Schüler] gehen!" 9 Auf das sich erfüllte das Wort das er gesprochen: ´Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.´ 10 Simon (der) Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach des Hohen Priesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hiess Malchus. Bei den Synoptikern schlägt ein nicht namentlich genannter Jünger das Ohr einen der Mannschaft ab; Jesus heilt den Verletzten (dessen Namen wir auch nicht erfahren). Welcher Text ist nun wirklicher und zeitlich richtig gereiht? 11 Da sprach Jesus zu Petrus: "Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?" Der Anweisung des Erwählten, Seine Jünger gehen zu lassen, wird gefolgt, trotz des Ausbruchs des Petrus. Seine Hoheit erzwingt das und sollte es so sein oder anders, Er würde es dazu bringen sodass Seine Herrlichkeit aufgezeigt werde. Und so akzeptiert Er die Häscher in geplanter Selbstaufgabe, letztlich gibt Er nun die Hoffnung des Volks auf den kriegerischen Messias weg. Ja, Er verbietet ihnen das Denken an die kriegerische Lösung, jedoch nicht, sich um den eigenen inneren Kampf zu bemühen: die blind fremde Reaktion zu kontrollieren. Und Er wird ihnen nichts Weiteres hinterlassen als das durch Denkkraft und tugendhaft hoffnungsfrohe Liebe zu erschliessende Wunder Seiner Existenz. Siehe G.Keil: "Die Vernunft wurde Mensch (Der Logos wurde Fleisch)" Und: s. Vers 12: W.Jens wird nicht müde, immer wieder einzuarbeiten den Hinweis, dass die Juden den Juden Jesus verfolgt haben und nicht einen ausserethnischen Christus! 12 Die Schar aber und ihr Anführer und die Knechte der Juden nahmen [den Juden] Jesus und banden ihn 13 und führten ihn zuerst zu Hannas*; der war des Kaiphas Schwiegervater, der in diesem Jahr Hoher Priester war. 14 Kaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es wäre gut, dass ein Mensch umgebracht werde für das ganze Volk. 15 Simon Petrus aber folgte Jesus nach und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war dem Hohen Priester bekannt und ging [so] mit Jesus hinein in den Hof des Hohen Priesters. * Hannas war von den Römern abgesetzt worden, führte aber den Titel Hohe Priester weiter. Zuerst also ein eher internes Verhör der Juden mit den Juden Jesus. Der andere Jünger, hier setzen die Exegeten an, bei der Suche nach Zeitzeugen: Ist der andere Jünger der, den Jesus lieb hatte? Oder ist er ein Weggenosse aus der Oberschicht? (Auch gibt es die (wenig plausible) Einschätzung, dieser Jünger sei Judas Iskariot gewesen (!). Aber wer berichtete dann?) 16 Petrus aber stand draussen an der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohen Priester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. 17 Da spricht die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: "Bist nicht auch du [einer] von den Jüngern dieses Menschen?" Er sprach: "Nicht bin ich (das)." 18 Es standen aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, denn es war kalt, und sie wärmten sich. Petrus aber stand auch bei ihnen und wärmte sich. Petrus wird von dem anderen Jünger hinein geführt; dem anderen Jünger öffnen sich alle Türen, auch alle Erkenntnis ist bei ihm. Er wird -wenn es möglich ist- der Zeitzeuge sein auf den sich die Redaktion beziehen kann. Petrus, das spätere Oberhaupt der Gemeinde, wird allzumenschlich vorgeführt. Es muss, um seine Existenz zu retten, den Offenbarer verleugnen. Das ist kein Problem, denn Petrus kleines -aber großes eigenes!- Leben muss ihm mehr sein als das ferne, überirdische, des Geliebten. Und so opfert sich nur Der, von Dessen Haltung -wie die eines Lamms- berichtet wird. 19 Der Hohe Priester befragte nun Jesus nach seinen Jüngern und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: "Ich habe frei und offen zu aller Welt geredet. Stets habe ich in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen [keine Geheimlehre] geredet. 21 Was fragst du mich? Frage die, die meine Lehre gehört haben, diese wissen was ich gesagt habe." Er übergeht das Fragen nach seinen Jüngern. Eigentlich muss er sich den Fragen des unwürdigen und unbefugten Priesters nicht stellen. Er antwortet insgesamt, denn Seine Schüler stehen für immer unter Seinem Schutz, eben weil sie sich mit Ihm eingelassen hatten und Er ihr Schäfer immer bleiben wird. 22 Als er [aber] so redete, schlug einer der Amtsdiener, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: "So spricht man nicht mit dem Hohepriester!" 23 Jesus antwortete: "Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?" Spielregel von der Obrigkeit einfordern, dazu ist die Atemluft zu schade. Was immer die Obrigkeit ausmacht, es ist nicht ihr Verstehen um, ihr Verständnis für, die Ordnung des Sklaven. Und wenn der Sklave nicht wertvoller für sie wird, ist sein Schicksal kurz und bündig besiegelt. Dass der Erwählte misshandelt wird, ist ein Lehrstück: Vielleicht lassen sich die Juden davon erschüttern und solidarisieren sich mit Einem der ihren, im späteren Traum über die wahre Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Aber sie haben nicht (ihren?) Messias, der sie befreien sollte, erkennen können! Und Jahrhunderte später, die Juden waren längst aus ihrem Land vertrieben worden, werden im Schutz der Amtskirche Christi die größten und hemmungslosesten Verbrechen gegen die Juden entstehen, gedeckt durch „gute“ Absicht und hohen, verbrecherischen Idealismus. 24 Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohen Priester Kaiphas. 25 Simon (der) Petrus aber stand (immer noch) da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: "Bist nicht du einer seiner Jünger?" Er leugnete aber und sprach: Nicht bin ich (das)." 26 Spricht einer von den Knechten des Hohen Priesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: "Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?" 27 Da [ver]leugnete Petrus abermals, und sogleich krähte ein Hahn. [Hahnschrei: nach Heinrich A.Mertens kann auch das römische Signalhorn (gallus) gemeint sein (was die unterschiedlichen Zeitpunkte und mehrere Hahnschreie bei den Synopt. erklären würde; die S. führen die Hahngeschichte weit aus.)] Nach dem Hahnschrei hört man nichts mehr vom Simon, der zum Petrus werden wird. Das schicksalhafte Versagen des Aufrechten und Gutwilligen weist auf die Aussichtslosigkeit hin. Wenn die Besten irre werden müssen an der Welt und sich nur retten wollen, was hat Er, der Vollkommenste, zu tun, um Seine Juden zu öffnen für Seinen Dialog mit dem Höchsten: Er muss sich vernichten lassen, damit die tiefe, wirkliche, Wahrheit im Umgang mit dem EINEN Gott aufgezeigt werden kann. Er, der wie stellvertretend, per LOGOS, per Interpretation, das Prinzip des GANZEN vertreten hat, Er muss sich herabziehen lassen ins Gemeine, ins Allzumenschliche; umgeben von Schülern und Jüngern, die von Ihm Erlösung aus ihrer Anstrengung fordern, selbst aber beim ersten Hauch des kommenden Sturms flüchten müssen. Er geht -wie unbeteiligt- weiter zum nächsten Verhör. Wird hingeführt vor das Richthaus; Amtsgebäude des Prätors hier Statthalters. [Urteile durften nicht im Prätorium sondern nur auf einem öffentlichen Platz gefällt werden] Und: Das Römerhaus war Heidenhaus und galt als unrein. 28 Sie führten Jesus nun von Kaiphas zum Prätorium; es war früh und sie gingen nicht [in den heidnischen Palast] hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passahmahl essen könnten. 29 Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: "Was für eine Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor?" 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: "Wäre dieser nicht ein Verbrecher, wir hätten ihn dir nicht ausgeliefert." 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: "[Aber ich will ihn nicht] So nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz." Da sprachen die Juden zu ihm: "[Von den Römern ist uns nicht erlaubt] Wir dürfen niemand töten." 32 Auf das das Wort Jesu erfüllt werde, welches er gesagt hatte, um anzuzeigen, welches Todes er sterben würde.* * (3,14; 12,33) Soweit ist es also: lakonisch wird festgestellt, dass die Juden nicht Töten dürfen; die Schuldfrage ist keine mehr: es ist klar, Er muss weg, Er stört die Religions- Beamten. Was den Römern noch egal ist, ist für die Juden eine besiegelte Tatsache: Er ist schuldig, schon weil Er in die Welt der Menschenkinder gekommen ist und nicht als König sondern als ´Sohn´! Und Pilatus fragt aus Staatsinteresse, auch weil er ein Verhör bei einem Kapitalprozess führen muss, ob der Gefangene sich ein politisches Amt anmasse (was ist ihm die Religion der Juden!): 33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und hat ihn gesagt: "Bist Du der König der Juden?" 34 Jesus antwortete: "Sagst du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt?" Pilatus wird leicht ärgerlich. Nicht nur, dass ihm die Priester zum Richter ihrer Probleme machen, antwortet der Jude hier mit einer Gegenfrage. 35 Pilatus antwortete: "Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohen Priester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?" 36 Jesus antwortete: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert worden wäre; doch mein Reich ist nicht von hier." Was soll eigentlich das Reden des Verhafteten: Was immer Er sagt, es ist missverständlich und unsagbar. Und dem tiefsten Sinne nach ein in sich kreisendes Erzählen von einer Welt die nicht beschreibbar ist, die wohl fusst auf dieser köstlichen Erde, aber von dem was gemeint ist mit von OBEN geführt wird und alles WERDEN muss sich orientieren nach Seinem Reich! Pilatus versteht nur das Mögliche und ironisch spielt er verhandelndes Interesse vor: 37 Da sprach Pilatus zu ihm: "Also bist du dennoch ein König?" Jesus antwortete: "Du sagst, dass ICH ein König BIN. ICH BIN dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit [die wahre Wirklichkeit Gottes] zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, [aus der Wirklichkeit Gottes kommt] der hört meine Stimme." Er, der als Richter in die Welt gekommen IST, beschreibt Seine Aufgabe dem Oberen der Besatzungsmacht. Und soweit Wahrheit mit der Ordnung des NAMENS am ETWAS zu tun hat, kann Pilatus Ihn verstehen. Er ist auch für die Wahrheit und speziell für eine, die dem Römischen Staat das Handeln erleichtert. Jener Jude jedoch spricht von einer praxisfremden, schwärmerischen, Wahrheit die nicht wichtig sein kann, das ferne Volk von Rom zu fördern oder zu hemmen. Aus der Politik driftet die Untersuchung ins Private und der Römer verliert seine ordnende Neugierde und quasi „Menschlichkeit“. [Ausserbiblische Quellen beschreiben den Prokurator als hart und erbarmungslos: Wegen besonderer Grausamkeit gegen die Samaritaner (die sich auf Weisung eines ´Propheten´ auf dem Berg Garizim zusammen gerottet hatten), wurde er abgesetzt und nach Rom zurückberufen und soll angeblich Selbstmord, unter Gajus Caligula, 37 nC, begangen haben.] Vielleicht resignierend, sich aber skeptisch und politisch abgeklärt stellt Pilatus nebenbei –wie wegwerfend- die wichtige Frage nach der Wahrheit, ohne eine Antwort abzuwarten. 38 Spricht Pilatus zu ihm: "Was ist Wahrheit?" Und als er das gesagt hatte, ging er hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: "Ich finde keine Schuld an ihm. 39 Es ist aber Brauch bei euch, dass ich [euch] einen am Passahfest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch der Juden König losgebe?" 40 Da schrieen sie wiederum: "Nicht diesen, sondern Barabbas!" Barabbas aber war ein Bandit. Bei Markus wird folgendes vermerkt Mk 15,6: » Er [Pilatus] pflegte ihnen aber zum [Passah]Fest einen Gefangenen loszugeben, den sie erbaten. 7 Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die beim Aufruhr einen Mord begangen hatten. 8 Und das Volk ging hinauf und bat, dass er tue, wie er zu tun pflegte. 9 Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? 10 Denn er erkannte, dass ihn die Hohen Priester aus Neid überantwortet hatten. 11 Aber die Hohen Priester reizten das Volk auf, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgebe.« Manche Exegeten meinen Barabbas sei ein politischer Anführer gewesen und ironischerweise der Zelotenbewegung zugehörig, gerade die Bewegung die im Krieg gegen Rom (66-74) zum Untergang des Tempels und des jüdischen Staates beigetragen haben (U.Schnelle). Der Statthalter hat sich eingelassen mit den Priestern; ihr Problem ist ihm nur politisch verständlich und so will er eine politische Entscheidung treffen durch Rückverweisung in die streitenden Parteien: er ist bereit sein Problem durch Neutralisierung zu lösen. Die Priester gehen darauf nicht ein: sie haben vor, den Konkurrenten sich vom Halse zu schaffen; Barabbas, was immer er denen ist, er ist nicht wichtig und ist nur Figur im Spiel. Das Spiel wird Ernst und die Priester schaffen sich mit ihrer vermeintlichen Lösung den tödlichen Gegner, das Christentum! 07-1996//01-2009// |