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Das 19.Kapitel Der Erwählte wird schandvoll zu Tode gebracht. 1 Da nahm Pilatus Jesus und liess ihn geisseln. 2 Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an 3 und dann gingen sie auf ihm los und sagten: "Gott Grüße Dich, König der Juden!" und schlugen ihm ins Gesicht. Bei Markus verspotten sie Ihn auch noch pantomimisch: Erst schlagen sie Ihn mit einem Rohrstab auf den Kopf, spucken Ihn an und dann fallen sie vor Ihm auf die Knie, um Ihn hohnlachend zu huldigen. Die Soldaten, die sich auf den Aufrührer und Mörder Barabbas eingestellt hatten, waren nun besonders gemein und niederträchtig gegen Diesen eben! Wehrlosen gestimmt. Alles was sie in sich fürchteten kehrten sie nach AUSSEN: Sie waren nicht verhetzt oder eifernd, sie taten ihre Arbeit und nur Grauen erfüllte sie vor Seiner unschuldigen Ohnmacht und gab ihnen Kraft, das Gefallene, Verlorene, das was uns im Einschlafen überrascht und ängstigt, wie abscheulicher Kehricht, schnellst aus der Welt zu schaffen! Der Prokurator hat das wohl nebenbei zur Kenntnis genommen. Ihm ist gleich was mit den Juden Jesus geschieht. Eher ärgerlich ist für ihn, dass die Juden eigenständig einen Verbrecher bestimmt und ihm vorgeführt haben und ihn zwingen zu handeln. 4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: "Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde." 5 Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: "Da [auch nur] ein Mensch!" R.Bultmann: "...das ist der Mensch! Da seht die Jammergestalt!" Auch wenn es schwer fällt vom geformten Bild der Amtskirche abzuweichen: R.Bultmann ist leider sehr plausibel... 6 Als ihn die Hohen Priester und die Diener sahen, schrieen sie: "Ans Kreuz! Ans Kreuz!" Pilatus spricht zu ihnen: "Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn [selbst], denn ich finde keine Schuld an ihm." 7 Die Juden antworteten ihm: "Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht." Vers 4: Der Evglst. lässt den ´guten´ Pilatus sich rechtfertigen vor den ´bösen´ aber von Rom unterdrückten Juden... Vers 5: Wohlbekannt ist das feierliche ´Ecce homo! ´. Aber so ist das nicht gemeint. Der ´noble´ Pilatus meint das abfällig und will sich von der jüdischen Angelegenheit befreien, indem er Jesus weggibt. Vers 7: Siehe 3.Mose 24,16 »Wer des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben. « Also ist Sein Reden für die Juden Lästerung, da sie Seine Sohnesschaft nicht anerkennen können. Wenn der ´Gentleman´ Pilatus sich nun fürchten wird, dann wohl weniger vor der versteckten Hoheit des Offenbarers (die er nicht erkennen kann). Eher Sorge kommt auf durch den wachsenden Druck Roms, dass alle Unterworfenen den römischen Kaiser als Herrn und Gott zu verehren hatten. Und nun entsteht der furchtbare Schlussstein zum Antijudaismus: Pilatus wird Jesus den Juden übergeben, ihn ausliefern und obwohl die Juden -wie betont wird- keine Vollstreckungsvollmacht haben, werden sie den Erwählten in den Tod stossen, sodass die Römer Sein Schicksal erfüllen (müssen?). 8 Als Pilatus dies Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr 9 und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesus: "Woher bist du?" Aber Jesus gab ihm keine Antwort. 10 Da sprach Pilatus zu ihm: "Redest du nicht mit mir? Weisst du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht habe, dich zu kreuzigen?" 11 Jesus antwortete: "Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben her gegeben wäre. Darum: der mich dir überantwortet hat, der hat größere Sünde." Selbstverständlich ist hier nicht der Weltenlenker gemeint der den ´Sohn´ in diese Prüfung geschickt hat, denn das Schicksal soll ja nur von den Menschen bestimmt sein: Also Judas Iskariot, die ´Juden´ und der Priester Kaiphas und letztlich der ´Staat´, der sich in der Kolonie der Römer gebildet hatte; vielleicht auch noch der Satan. Nicht verschwiegen soll werden, dass es moderne Exegeten gibt, die -wie paradox- meinen, dass Sein ´Vater´ nicht nur alles veranlasst hat, sondern letztlich für alle Handlung aller Menschen -also auch des Pilatus- Grund (oder launige Ursache) ist, sie als Absolutum aber nicht verantworten muss. Anderseits wird hinein gearbeitet das plötzliche Verstehen des Pilatus. Pilatus als Teil der (göttlichen) Autorität als Staatsführer muss -egal welchen Entscheid- jeden mitverantworten. Jedoch die Evglstn, die unter römischer Herrschaft stehend ihre Berichte verfassen, entwickeln aus gutem Grund das Zurückzucken und Zaudern, als das Gerechte(!) des Statthalters. Zu gerne möchte man sein Erschrecken vor des Offenbarers Hoheit annehmen... 12 Von nun an suchte Pilatus ihn freizulassen. Die Juden aber schrieen: "Lässt du diesen frei, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum König macht, der ist gegen den Kaiser." 13 Als Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heisst Hochpflaster, auf hebräisch Gabbata. 14 Es war aber am Rüsttag für das Passahfest [Ostern] um die sechste Stunde (12 Uhr). Und er spricht zu den Juden: "Sehet das ist euer König!" 15 Sie schrieen aber: "Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn!" Spricht Pilatus zu ihnen: "Soll ich euren König kreuzigen?" Die Hohen Priester antworteten: "Wir haben keinen König nur den Kaiser." Die Juden geben den messianischen Anspruch im Moment auf, nur um den armseligen Wanderer ans Schandholz der Römer zu bringen. Pilatus scheint beeindruckt von der Freiheit des Offenbarers und will Ihn freilassen. Glauben wir das? Das Volk schreit frech zum Statthalter. Und es ist Freitag um 12 Uhr mittags. Der Statthalter wird nun das zögerliche Schauspiel beenden; er hatte sich recht lange mit dem zeitgeistlichen Furor der Juden beschäftigt. Nun, das Volk und die Priester werden ihn nicht mehr stören. Er greift der Juden respektlose Worte auf und gibt ihnen (nur) ironisch ihre Argumentation zurück. Sollen sie doch ihren König umbringen; er wird für das Rechtliche sorgen und die Hinrichtung veranlassen. 16 Da lieferte er ihnen Jesus aus, dass er gekreuzigt würde. Die Soldaten nahmen ihn, 17 und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heisst Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm [noch] zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus liess einen Schuldtitel schreiben und setzte ihn auf das Kreuz; und drauf war geschrieben: »Jesus von Nazareth, der Juden König«. 20 Diesen Schuldtitel lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, römischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohen Priester der Juden zu Pilatus: "Schreib nicht: Der Juden König, sondern, er hat gesagt: ICH BIN der König der Juden." 22 Geantwortet hat Pilatus: "Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben." Schon hat Pilatus sich abgewandt. Die Priester sind uninteressant. Wenn sie meinen, der Jude Jesus sei wie ein König der Juden, nicht König, so ist das alles von ihm in Ordnung gebracht worden. Das wars. 23 Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, jedem Soldaten einen Teil, dazu auch das Unterkleid. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt [gestrickt] in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: "Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll." So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen. « Das taten die Soldaten. [So sollt die Schrift erfüllt werden, hier Psalm 22, der Leidenspsalm, Vers 19 (Psalm: Sammlung von 150 Liedern, Gebeten, Gedichten, abgeschlossen 200 vC)] Das in einem Stück gewebte Unterkleid, ein Hinweis auf die in einem Stück gewebten (Ober)Kleider der Priester? Des Erwählten kleines Eigentum, seine Kleidung, liefert Material für die Bereicherung der Soldaten. Das Profane ist überall und die Hoheit der Unschuld am Kreuz vergeht wirkungslos. Wie als würde die aussichtslose Situation gesteigert werden durch das Vorführen niedrigster Umstände. Der Mensch ist wie schlecht weil (schuldlos) unerleuchtet! 25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria die Frau aus Magdala. Bei Markus ist notiert: Mk 15,40 »Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses und Salome, 41 die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.« Nur Frauen in der Not? Wo waren die Männer, die Jünger? War das die Prüfung zur Reife für die Nachfolge? Kann man nur nachfolgen, nachdem man sich verdrückt hatte? Nur Unwertes kann wertvoll werden? *26 Da nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: "Frau, da, [das ist von nun an] dein Sohn!" 27 Danach spricht er zu dem Jünger: "Dort, deine Mutter!" Und von der Stunde an nahm sie der Jünger [als seine Mutter] zu sich [in sein Haus], 28 Danach, obwohl Jesus wusste, dass schon alles am Ziel war, spricht er, damit die Schrift ans Ziel komme, sagt er: "Mich dürstet." 29 Da stand ein Gefäss voll Essig[wein]. Sie [die Soldaten] füllten einen Schwamm mit Essig[wein] und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig[wein] genommen hatte, sprach er: "Es ist vollbracht [es ist am Ziel]!" und neigte den Kopf und übergab den Geist. * Deutsch von E.Drewermann. [Zu Vers 28 wird Psalm 69,22 und Psalm 22,16 gemeint] Weil alles vollbracht ist nach Seinem Plan, neigt Er zuvor Kopf und stirbt dann: Er also noch einmal die Demut signalisiert, die Seinem Erdensein anhaftete. Er ordnet Sich planvoll ein in die große Unternehmung, das Unerhellte, das Normale, das Schlechte, aufzubringen und anzugehen durch Sein Existieren und folgendes Eingreifen als Erleuchteter. 31 Da es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über -denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag-, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Durch das Beinbrechen fielen die Gekreuzigten in die (meist gebundenen nicht genagelten) Arme und erstickten innerhalb kurzer Zeit qualvoll. 32 Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; 34 sondern einer der Soldaten stiess mit dem Speer in seine Seite, und heraus floss sogleich Blut und Wasser. 35 Und der das gesehen hat, der bezeugt es hiermit, und wahr ist sein Zeugnis, und er weiss, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. Das bezeugt hier der Lieblingsjünger, nicht der Evglst. (als Redaktor) der das notiert. 36 Denn solches ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. « 37 Und wiederum sagt die Schrift an anderer Stelle: »Hinsehen werden sie auf den, den sie durchbohrt haben. « 38 Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, [je]doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu herab. 39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte ein Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.* 40 Da nahmen sie den Körper Jesu und banden ihn in leinene Tücher mitsamt den Aromastoffen, wie es Brauch ist bei Juden zur Beisetzung. 41 Es war aber nahe der Stelle, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in welches nie jemand gelegt worden war. 42 Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war. * Eine ungeheure Menge, ca. 33kg im Wert von 30000 Denaren, eine Königsbestattung (U.Schnelle). Dieser Josef von Arimathäa kommt auch bei den Synoptikern vor (!). W.Jens: »...ein Mann der sich zu Jesus bekannte, aber nur heimlich, denn er hatte Angst vor den Juden und fürchtete sich, dass sie ihn aus der Gemeinde der Rechtgläubigen ausschliessen könnten...« Eindeutig der Hinweis auf die Messiaserwartung der (strenggläubigen) Juden, die mit Jesus nicht erfüllt werden konnte. Sie müssen Ihn ins nächste Grab bringen, so ist es Vorschrift am Tag vor dem Sabbat und auch der Brauch der Juden ihre Toten mit Aromastoffen in Tücher zu binden wird beschrieben, wohl für die ´Griechen´? Und es trifft sich, dass nah der Schandstätte ein neues Grab vorgefunden wird. Dort kommt Er hinein, für immer? 06-1997//03-2006//12-2008// |