Das 2.Kapitel
Der
Erwählte greift ein in die Welt und beginnt durch Seinen
herrschaftlichen Anspruch das sensationswillige Volk
um Sich zu
sammeln.
1 Und am dritten Tage ward
eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu
war
da. 2 Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die
Hochzeit geladen.
Der ´dritte´ Tag,
eine auf hintergründige Genauigkeit abzielende Durchzählung,
die genaue Angabe
eines Orts (der damals und heute dort
existiert), eine Hoffnung für uns Spätere auf
Wirklichkeit?
[Siehe die Ziffer 3 als (auch christologische)
Intensivzahl (H.A.Mertens) in Gen 1,26,27 (dreifach:
Erschaffen
zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes und: Er erschafft Mann und
Weib); Jes 6,3: drei-
maliges ´heilig, heilig, heilig´;
rituell: 1Kön 17,21; vorschriftlich: Ex 23,14; Dtn 17,6;
erscheinend:
Gen 18,2; göttlich-dinglich: Num 6,24;
dreimaliges Ankündigen Jesu Leiden und Auferstehen bei
den
Synoptikern; dreimal wird Er versucht; ferner dreifach
geschichtet der heilige Bezirk des
Tempels; die Auferstehung am
dritten Tag. Der dritte Tag der Schöpfung (das
Erschaffen des
Biotops).]
Sie kann auch märchenhaft exakt
sein, die erste Wundergeschichte, sicher aus heidnischer Quelle,
ein Erzählgut von einer Hochzeit auf der dann die e r s t e
Tat erfolgt. Die Mutter ist auch dabei, ihr
Name wird nicht
genannt, ihr Mann wird nicht erwähnt. [Joseph war (nur?)
Marias weltlicher
Beschützer gewesen. Einige Exegeten gehen
davon aus, dass Jesus erst nach dem Tod des
Vaters sich der
Täufersekte angeschlossen habe, sie später aber, weil
als zu überragende Persön-
lichkeit, verlassen musste.]
Die Mutter war offensichtlich unabhängig von ihrem Sohn, als
eigene
Rechtsperson, auf diesem Fest. [Zur Zeit der Niederschrift
des Evglms. war die Herrenmutter bereits
christologisch verklärt,
siehe auch Lk 1,45: siehe Apg 1,14. Älteste Erwähnung
der Mutter Jesu in
Gal 4,4. Ihre sogenannte ´Jungfräulichkeit´
ist bekanntlich bei Joh. und Mk kein Thema. Auch wird
ohne
Aufhebens von Seinen natürlichen Geschwistern erzählt,
was Seine Gottessohnschaft in selt-
sames, aber das Verstehen
förderndes, Licht taucht. Die Marien-Mystik gilt als der
große Treibsatz
der Christenreligion um die Welt -mit
feiner, ferner, verschleierter Erotik- kindhaft gefühlvoll
aber
sublim körperfeindlich bewohnbar zu machen. Trotzdem
wird hier gleich ihre Grenze aufgezeigt, in
einer Art Befreiung
von der (lastenden) Mutterschaft.]
Wie zufällig ist Jesus
mit seinen (allen zwölf?) Jüngern -vielleicht von
Nathaniel aus Kana- eingeladen
[Seltsamerweise hat der Evglst.
die ´Zwölf´ namentlich nicht bekannt gemacht,
bis auf Petrus, Thomas
und der ´Jünger den Jesus
liebte´ kommen sie nicht wirklich in den Vordergrund. Siehe
jedoch die Liste
bei Mk 3,18. Mit der ´Zwölf´
wird auf die Zahl der Stämme des Hauses Jakob hingewiesen.
Immerhin
wird in allen Evgln. damit Jesu Bedeutung für die
Stämme Israel unterstrichen, was Seine friedliche
Reduzierung auf den nur priesterlichen Führer etwas
zweifelhaft macht.]
3 Und da es an Wein gebrach
[als der Wein ausging] spricht die Mutter Jesu zu ihm:
"Sie
haben nicht [genug] Wein." 4 Jesus spricht zu ihr: "Weib
was habe ich mit dir zu
schaffen [was gehst du mich an, was mir,
was dir, Frau]? Meine Stunde ist noch nicht
gekommen."
Viel
klarer beim grandiosen W.Jens: Er zur Mutter: "Du und ich-
was haben wir miteinander gemein?
Du denkst nur ans Heute, aber
meine Stunde ist noch nicht gekommen." Die Frau, wenn auch
seine
Mutter, spricht zu Ihm wie zu einem Zauberer (oder
Manager): Er soll einfach das Problem lösen.
Damit wird
vorerst Seine Sendung banalisiert; wohl war Wein herbei schaffen
aus nichts mehr als
Wasser, fantastisch und richtig für das
Fest: Jedoch die Frau wird abgekanzelt, schlimmer noch, als
es
der schlechten Frauenstellung damals entsprach; wie grundlos
herabwürdigend, beleidigend. Oder
doch nicht? Nur zeigen
wollen, dass Er unabhängig ist (´nicht aussengesteuert
sondern innengesteuert´
J.Blank). Auch wenn wohl allzu sehr
Mensch, aber in Sich Seine Mission strikt in Ordnung haltend.
[Bei
Mk offen und radikal: 3,31 »Und es kommen seine Mutter
und seine Brüder; und sie standen draußen,
sandten zu
ihm und riefen ihn. 32 Und eine Volksmenge saß um ihn her;
sie sagten aber zu Ihm: ´Siehe,
deine Mutter und deine
Brüder und deine Schwestern draussen suchen dich´ 33
Und Er antwortete ihnen
und spricht: ´Wer sind meine Mutter
und meine Brüder?´ 34 Und Er blickte umher auf die um
Ihn im Kreise
Sitzenden und spricht: ´Siehe, meine Mutter
und meine Brüder! 35 Wer den Willen Gottes tut, der ist mir
Bruder und Schwester und Mutter.´«] Nun, die Mutter
geht nicht auf Sein rüdes Wort ein, sie sorgt dafür,
dass was von Ihm kommen wird, sofort ausgeführt werden kann.
Sie spricht im fremden Haus zum Personal:
5 Seine Mutter spricht zu den
Dienern: "Was Er euch saget das tut."
Unbeeindruckt,
wie nicht (vom eigenen Kind) zu beleidigen, weist sie die Diener
an. Wie blind und völlig
überzeugt. [Die Mutter war
immer überzeugt von der Rechtschaffenheit ihres Sohns (wie
eben Mütter von
ihren Kindern); seine Schwestern und Brüder
nicht zu seinen Lebzeiten. Jakobus, der ´Herrenbruder´
wird
nach dem Auferstehungserlebnis zum Judenchristen werden und
konservativer Widerpart des Paulus sein.]
Trotz des harschen
Verweises veranlasst Er das Nötige.
6 Es waren aber allda sechs
steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen
Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Mass. 7 Jesus
spricht zu ihnen: "Füllet die
Wasserkrüge mit
Wasser." Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und Er
spricht zu ihnen:
"Schöpfet nun und bringet´s dem
Speisemeister." Und sie brachtens. 9 Als aber der
Speise-
meister kostete den Wein der Wasser gewesen war und wusste
nicht woher er kam (die
Diener aber wussten es, die das Wasser
geschöpft hatten), rufet der Speisemeister den
Bräutigam
10 und spricht zu ihm: "Jedermann gibt zuerst guten Wein,
und wenn sie trunken
worden sind, alsdann den geringeren; du hast
den guten Wein bisher behalten."
Zwei, drei Mass: zusammen ca.
600 Liter. Es soll eine Unmenge angezeigt werden, jenseits aller
vernünf-
tigen Vorsorge für eine Hochzeit; tatsächlich
waren die (leeren) Krüge für Handwaschung etc.
bestimmt.
Nun der Höhepunkt der kleinen Wundererzählung:
der Speisemeister (damals ein Sklave, immerhin er hat
eine
Bemerkung zu machen des Wunders wegen) ist verwundert; die Diener
schweigen vom Wasser. Es
ist ja nicht wichtig. Hier wird erzählt
vom herrlichen Umgang mit dem Alltag und in der Öffentlichkeit.
Und
Wein, das Zeichen der Freude, auch der Freude mit den
Gesalbten -mit Christus- ist gemeint. [Manche
Exegeten meinen das
Weinwunder sei nur eine Allegorie auf das festliche Zusammensein
mit Jesu, der
das Wasser des Lebens zu freudvollem Wein glückhaft
heiter erweitere (die Quelle des Wunders dürfte
aus
heidnischen Dionysios-Kulten kommen). Bedenkenswerte,
interessante Unterstellung: 6 Jhdte später
das Weinverbot
bei den Muslimen als notwendige, radikalisierende Abgrenzung zu
den zwei bereits besteh-
enden monotheistischen Religionen?]
11 Das ist das erste Zeichen,
das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa und offenbarte
seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 12
Danach ging Jesus hinab gegen
Kapharnaum, Er, seine Mutter, seine
Brüder und seine Jünger, und sie blieben nicht lange
daselbst.
Da geht Einer hinein in sein
Schicksal. Mit Wein fängt es an, wie sinnlos wird es
weitergehen. Er wird
zeigen und predigen bis zum lächerlich
ungerechten Tod am Kreuz. [Es ist schwer, sich diesen Skandal
der
Kreuzigung zu vergegenwärtigen: Für Juden war sie ein
Fluch. Für Griechen eine obszöne Enttäuschung
Die
Römer kreuzigten nur Verbrecher der Unterschichten und keine
römischen Bürger. Jesus war Unter-
schicht. Nicht nur
Jude, sondern ein Jude aus der Provinz. (P. de Rosa)] Danach
werden die Jünger versu-
chen zu erklären, was auf Erden
unerklärbar ist, weil gegen den notwendigen Pragmatismus des
Menschen-
lebens gerichtet. Und einer -der sich nur mehr Paulus
nennt- wird bedeuten und Denkbares ermöglichen:
Nicht (nur)
das leere Grab (das Paulus nicht erwähnt) ist der erhabene
Sinn Seines Erdenlebens. Sondern
auch Sein
vorgelebtes Leben! Und Sein hoheitliches Abscheiden, das
rückwirkend das knechtische
Verlieren aufhebt und Ihn zum
Herrn macht! Und für uns heute ist das was Er lehrte und
gebot, den freudig,
aus tiefster Einsicht in die Welt
gewollten (nicht erzwungenen!) Verzicht auf Sich Selbst, der
weiterführende,
hochgewandte Sinn Seiner Arbeit!
[Das
leere Grab ist sicher historisch, denn kein Prediger in Seinem
Namen konnte Seine Auferstehung
verkünden ohne den ´Beweis´
des leeren Grabs. Das Auferstehen und Wiederkommen des Erlösers
ist
Glaubenserfahrung, jede Beweisführung bleibt innerhalb
der Grenze der eigenen Anschauung von der Welt
das sogenannte
AUSSEN wird durch das INNEN des Beschauers Welt der sogenannten
Wirklichkeit.]
13 Und der Juden Ostern
[Passahfest] war nahe und Jesus zog hinauf gegen Jerusalem,
14
und fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben feil
hatten, und die
Wechsler. 15 Und Er machte eine Geissel
[Peitsche] aus Stricken, und trieb sie alle zum
Tempel hinaus,
samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern
das Geld
und stiess die Tische um.
[Der Evangelist wusste sehr
wohl, dass im Tempel keine Waffen (wie Stöcke etc.) getragen
werden durften;
Er nahm auf die liegengelassenen Leitstricke der
großen Opfertiere.]
16 Und sprach zu denen die die
Tauben feil hatten: "Traget das von dannen und machet
nicht
meines Vaters Haus zum Kaufhause." 17 Seine Jünger aber
gedachten daran dass
geschrieben steht: »Der Eifer um Dein
Haus [frisst mich auf] hat mich gefressen.«
[So soll die ´Schrift´
bezeugen das Aktuelle: Psalm 69,10 »...denn der Eifer um
dein Haus hat mich
gefressen (verzehrt mich) und die
Schmähungen derer die dich schmähen, sind auf mich
gefallen.« Es ist
dieser Eifer, der Jesus den Tod bringen
wird (J.Blank).] Früher als bei den Synoptikern wird die
Tempel-
reinigung benutzt, den allgewaltigen Herrschaftsanspruch
des Gesandten zu demonstrieren: Was die Römer
meist
vermieden, die religiösen Gefühle der Juden und deren
Priester zu verletzen, in dem sie die gewach-
senen Bräuche
nach Möglichkeit ignorierten, kümmert den Führer
der ´Zwölf´ nicht. Er tritt wie der Hausherr
auf
(K.Berger). Die Jünger gedenken panisch irgendwelcher -ihnen
im Moment (und eigentlich immer) nicht
-greifbarer-
Hinweise in der ´Schrift´, und verbergen ihren
Schrecken. Immerhin wendet sich Jesu auch
gegen die
Geistlichkeit, die den ´Markt´ duldet.
[Tatsächlich
war es Praxis im religiösen Betrieb: Die Opfertiere
waren bereits innerhalb des Tempels
(daher ´gereinigt´
und jederzeit verkäuflich), die Geldwechsler regelten den
Zahlungsverkehr (wechseln
der kaiserlichen Münze in bildlose
Tempelwährung) für die Käufern der Opfertiere, Öle
und Trankopferweine
(Monopole!)] Jesus war nicht nur gegen den
Trubel im Tempel, Er war generell gegen diese Art des reli-
giösen
Betriebs! Stattdessen sollte dieser Vorhof (der Heiden) für
die Möglichkeit des Gebets der Heiden-
völker zum Gott
Israels (!) geöffnet werden, denn die letzte Zeit war
nahe und Er wollte letztlich den Neuen
Bund bringen, mit
Ihm gemeinsam als Tempel, als Neues Haus!
Der Evglst. hat mit der Hereinnahme der Tempelgeschichte -wie
die Synoptiker- keinen Weg in ein ´reineres´
Gottesverständnis aufgezeigt, da unpraktikabel: Wo
sollte Ihm die Ehre und Liebe erwiesen werden, wenn
Er die Welt
verlassen hatte? Oder sollten die frühen Judenchristen schon
sich zusammenfinden irgendwo,
und in sich den Tempel (des Geists)
abbilden, mit Jesu inmitten? Das weist auf die Zeit nach der
Tempelzer-
störung hin! [Pikanterweise erstand nach der
Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Judentum eine
reine
Religion des Worts; die Opferreligion wurde
ersatzlos aufgegeben. Wie überweit die (katholischen)
Christen
im Schmücken ihrer Kirchen über das zum
Gedenken notwendige Mass hinausgehen, zeugt nicht unbedingt
wahrhaftig vom eigentlichen Glauben des Neuen Bunds. Siehe
die Franziskaner einst und ihr ´aufblühender´
Orden nach dem Tod des Franz...]
Die Priester haben Sein
Vorgehen gesehen und erkannt, und Er hat damit Sein Leben
verwirkt. Und die
(anderen) Juden sind verärgert und
verwundert, weil sie meinen, wie bisher, nah des
´Allerheiligsten´, die not-
wendigen Geschäfte und
Treffen jederzeit machen zu können. [Siehe auch Mk 11,15
»Und sie kamen nach
Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel
und fing an, trieb aus die Verkäufer und Käufer im
Tempel; und
die Tische der Geldwechsler und die Stände der
Taubenkrämer stieß Er um 16 und ließ nicht zu,
dass
jemand etwas durch den Tempel trage. 17 Und Er lehrte und
sprach zu ihnen: "Steht nicht geschrieben
(Jesaja 56,7):
»Mein Haus soll sein ein Bethaus allen Völkern«?
Ihr aber habt eine Räuberhöhle [Mördergrube]
daraus gemacht." 18 Und es [Sein Tun] kam vor die Hohen
Priester und Schriftgelehrten, und sie trachteten
[danach], wie
sie Ihn umbrächten. Sie fürchteten sich vor Ihm; denn
alles Volk verwunderte sich über Seine
Lehre.« Das ist
kurz und bündig! Siehe auch Mt 21,12-16 und Lk 19,45.] Und
die Priester und das Volk, sie
sind schon zurück geblieben,
feindlich gesonnen; heraus kommt aus inneren Verwerfung ihre, den
Erwählten
verabscheuende, Sicht: Plötzlich soll das
gesicherte Brauchtum nicht mehr gelten. Und nun sollte mindestens
ein Wunder kommen, um Jesu Hoheit zu sichern und den Skandal zu
relativieren. Aber da kommt nichts.
18 Da antworteten nun die
Juden und sprachen zu ihm: "Was zeigst du uns für ein
Zeichen,
das du solches tun mögst [darfst]?" 19 Jesus
antwortete und sprach zu ihnen: "Brechet diesen
Tempel [ab]
und am dritten Tage will ich ihn aufrichten."
[In Mk 14,58, nur dort, die
erweiterte Erklärung zum Wiederaufbau: Zeugen berichten,
dabei vermeintlich Ihm
Schaden zufügend: »Wir haben
gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit
Händen gemacht
ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern
bauen, der nicht mit Händen gemacht ist.«]
20 Da sprachen die Juden:
"Dieser Tempel ist in sechs und vierzig Jahren erbaut und du
willst
ihn in drei Tagen aufrichten?"
[20 vC begann Herodes d.Gr.
mit den Um- und Neubau des Tempels, 10 Jahre später
eingeweiht und 64 nC
fertig gestellt, 70 nC wurde er zerstört.
Aus der Angabe der ´Bauzeit´ lässt sich aus
verschiedenen Gründen,
zB Zeiten-Wende, nicht eine
tatsächliche Zeit (zB wie 26-27 nC) errechnen.]
21 (Er aber redete vom Tempel
seines Leibes. 22 Da Er nun auferstanden war von den Toten,
gedachten seine Jünger daran, dass Er dies gesagt hatte, und
glaubten [vertrauten nun] der
Schrift und der Rede, die Jesus
gesagt hatte.)
[Eher hölzerne Einfügung
der Redaktoren die ausgelegt werden muss.] Sie (die pharisäisch
beeinflussten
Juden) wollen nun wissen -da Er kein Gelehrter war-
ob Er ein Prophet sei (und die beweisen sich, mindes-
tens mit
einem Zeichen). Jesus spricht von Seiner, Ihm Eigenen
Möglichkeit: Er selbst IST aller Ort der Welt.
So wie die
Juden Ihn zum (politischen) König machen wollen über
ihr (besetztes) Land, so missverstehen sie
dreist Seine
Vorstellung von der Welt im Glauben: so mitbenützen sie den
Tempel (eben auch) als Treffpunkt
für geschäftliche
Kontakte (abseits des Jahwe-Kults); und er kann nur abgerissen
und aufgebaut werden; sie
sehen nicht (mehr) das Haus, das über
das eigene Leben hinauszeigen hilft. [Bei Mk 13,1-2 steht eine
dunkel
drohende Passage über den Verfall des Tempel: »1Und
als Er aus dem Tempel ging, sprach zu Ihm einer
Seiner Jünger:
´Meister, siehe, was für Steine und was für
Bauten!´ 2 Und Jesus sprach zu ihm: ´Siehst du
diese
großen Bauten? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben,
der nicht zerbrochen werde.´« Danach
sitzen sie ohne
Volk, allein mit Ihm, auf dem Ölberg, gegenüber des
Tempels und Er erzählt ihnen von ihrer Welt,
die sich
auflösen, die in sich zerstört werden muss, durch das
Neue. Und Er wird ihnen ihr Schicksal andeuten,
aber nur soviel
wie sie ertragen können...] Und nun bringt der Evglst.
vorweg christologisch ein, was im Nach-
hinein sinnerhellend wirken
soll: Er treibt -wie ungeduldig- das unglaubliche Wunder voran,
leitet ab, weil bekannt.
Wer nun schon sich auf das Denken über
dieses Opfer am Kreuz einlässt, ist er auch bereit dessen
Sinn in
sein Leben zu nehmen? Oder es gibt keinen Trost
vor der Niedertracht die hier herrscht? Durchschimmernd
erkennt
man das Gewöhnliche, das Aussichtslose der Situation: nicht
die Juden, niemand wird verstehen,
dass der Tempel auch
der ORT in uns ist, an den wir unseren Gott treffen, auch
alle Kirche ist wie ein ORT,
jedoch: Egal was der
Erwartete machen wird, der Finsternis der Welt war nicht zu
leuchten (und es ist nicht
tröstlich, sondern falsch!, dies
als Plan des ´Vaters´ einzuschätzen).
23 Als Er aber zu Jerusalem
war am Osterfest, glaubten viele an seinen Namen, da sie die
Zeichen sahen, die Er tat.
[Dem Evglstn. ist nicht wert
zu berichten was Jesus getan hatte im Vorfeld des Passahfestes.
Ihm war unstreitig,
dass der Erleuchtete wunderwirkend und nur so
zu verstehen war. Wohl auch ein Hinweis auf damals bekannte
und
benutzte (nichtschriftlichen) Quellen über ´Wunder´
Jesu. Siehe die ´Wunder-Geschichten´ der
Großevan-
gelisten Lukas und Matthäus.]
24 Aber Jesus vertraute sich
ihnen nicht [an], denn Er kannte sie alle, 25 und bedurfte nicht,
dass jemand Zeugnis gäbe von einem Menschen [dass ihm jemand
die Menschen erkläre], denn
Er wusste wohl was im Menschen
war.
Wie kann weiter geführt
werden, wie kann Hoffnung gegeben werden, wenn Alle nur aus
Wunder eine neufeurige
Frömmigkeit schöpfen (können)?
Geradlinigkeit, sie ist nicht möglich? Im unauflöslichen
Widerspruch, die Juden
für das Neue, Erweiternde (aus dem
damals wie vulgär knechtischen Gottesgehorsam Führende)
zu gewinnen,
leidet Er unter der Methode (des Verkaufenmüssens):
Er, der Beispielgebende, sieht mit Seinem allwissenden
Überwissen
in die herrlich vordergründig strahlenden Gemüter: Er
sieht ihre auf das Heute und Jetzt gerichtete
(die persönliche
Not wendende) Gier: Sie werden Seine Kinder bleiben, und Er wird
sie nicht verlassen dürfen,
obwohl Er ihnen andeuten muss,
dass das kommende Ende am Jüngsten Tag sie und alle Welt
vollenden wird,
verstehen sie nichts und wenige werden zurück
bleiben und auf Seine große Wiederkehr warten. [Die
Sinnkrise
der neuen kleinen Gemeinden ist bei der Niederschrift
des Evglms. noch nicht dominierend: Noch ist vorstell-
bar, dass Er
herab kommen wird, um sie zu Sich zu holen. Jedoch: Am Ende des
Evglms. klingt eine kleine
Verzweiflung durch, wenn versucht wird
das vergebliche Warten und den inzwischen eingetretenen Tod des
´Lieblingsjüngers´ zu erklären.]
20.11.03//01.2005//02.2006//01-2008//