Das 3.Kapitel
Das
Erwählte versucht einem Juden der Oberschicht die INNERE
Existenz und deren Bedürfnis und Möglichkeit zu
vermitteln. Der Evglst. schiebt ein weiteres Täuferzeugnis
ein.
1 Es war aber ein Mensch unter
den Pharisäern, mit Namen Nikodemus, ein Oberster
[Ratsherr]
unter den Juden.
(Nagdimon?). Ein Oberster,
Mitglied des jüdischen Hohen Rats (= Oberpriester,
´Ältester´, Schrift-
gelehrte; die Mehrheit des
H.R. stellten die strenggläubigen Sadduzäer, die
Pharisäer waren erst bei
Abfassung des Joh.Evglms
führend) damit ist Nikodemus die jüdische Obrigkeit und
die kleine
Szene soll symbolisch? darstellen deren größtmögliche
Nähe zu einem der vielen Wanderprediger
die kurzfristig
erfolgreich wirken in der römischen Besatzungszeit. Zugleich
wird die unüberbrückbare
Distanz des führenden
Judentums zu Jesu aufgezeigt.
2 Der kam zu Jesu bei der
Nacht und sprach zu ihm: "Rabbi, wir wissen, dass Du bist
ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun,
die du tust, es
sei denn Gott [ist] mit ihm."
Viele erwarteten vom Rabbi
("mein Herr", "mein Meister"), dass er sich
durch ein ´Wunder´ (zusätzlich
zu seiner
Gelehrtheit) beweise. Ab ca. 70 nC galt der NAME ´Rabbi´
nur mehr für hervorragende
Schriftgelehrte. Weitere
Wundertaten sind hier nicht berichtet, da sie offensichtlich
(mündliches)
Allgemeingut waren. Dazu gut passt der
kriecherische Ton des Hohen Herrn (auch wenn er und
seines-
gleichen wissen). Das hier ist reine Schmeichelei,
auch ein sehr weites Vorwagen eines gesetzestreuen
Juden (oder es
ist List des Ratsherrn um den kommenden Volksverführer
bequemer aushorchen zu
können). [Die Pharisäer hielten
im Volk den (davidischen) Messias-Glauben lebendig und sie
erwarteten
diesen aus ihren Reihen, denn sie erfüllten das
Gesetz besonders gewissenhaft. Klar war ihnen, dass
der M. die
Juden nicht aus dem römischen Joch führen
könnte, aber in die ´Gerechtigkeit´.] Vermutlich
hat der Evglst ein Textstück aus "Offenbarungsreden"
hier eingefügt und um dieses eine kleine unvoll-
ständige
Szene (immerhin mit der Obrigkeit!) geschaffen oder der Evglst.
stellt den zur Niederschrift
politisch erwünschten aktuellen
politischen Stand der jüdischen Obrigkeit dar (und es wird
nur noch
schlechter werden...). Es ist Nacht und wohl eine
stürmische. Jesus lässt sich nicht beirren und beginnt
seine ´Amen Amen´- Antworten bevor Nikodemus die
Sinn-Frage stellen kann:
3 Jesus antwortete und sprach
zu ihm: "Amen, Amen, ich sage dir: Es sei denn, dass
jemand
von von neuem [von oben] geboren werde, so kann er das Reich
Gottes [die
Gottesherrschaft, die Herrschaft des einzigen Gottes]
nicht sehen."
[Der Mensch ist, so wie er ist, vom Heil ausgeschlossen... (R.Bultmann)]
4 Nikodemus spricht zu ihm:
"Wie kann ein Mensch [neu] geboren werden, wenn er
alt ist?
Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und [wieder]
geboren
werden?"
Vielleicht kann ein Ratsherrn
so fragen; jedoch hier wird viel zu naiv gefragt. Aber das ist
belehrende
Absicht und soll das Lehrer-Schüler Gespräch
kurzweilig halten und aufzeigen die Wirklichkeit der Welt
gegen
die Wirklichkeit der Vorstellung von der Welt, in der der
Willige durch den Geist des Glaubens
(an eine vollkommenere Welt)
wie neu geboren werden kann.
5 Jesus antwortete: "Amen,
Amen, ich sage dir: Wenn nicht jemand geboren wird aus
Wasser und Geist, so kann er nicht eingehen in das Königtum
Gottes. 6 Was vom Fleisch
geboren wird, das ist [nur] Fleisch,
und was vom Geist [Gottes] geboren wird, das ist
Geist
[Geistgeborenes ist Geist]. 7 Lass dichs nicht wundern [wundere
dich nicht], dass
ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem
[von oben] geboren werden. 8 Der Wind
[Geist] bläset, wo er
will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weisst nicht,
von
woher er kommt und wohin er fähret. Also ist ein
jeglicher [so ist es bei jedem], der
[wie der Wind] aus dem Geist
geboren ist."
Der Wind und der Geist: Der
Messias wird einst (um die ´Schrift´ zu erfüllen)
sein Herkommen aus
verborgenen ORT offenbaren. Und hier
nun der Versuch zu klären, dass erst alles IST und aus dem
es
(dann?) WERDEN kann: Fleisch als das Ursprüngliche,
stehend für Leib und Lebendigkeit auch für
menschliche
Person und doch als Erweiterung die Darstellung des Denkens aus
seiner Existenz heraus
in eine bessere, sittlichere Welt
hinein, die nicht IST, sondern nur WERDENDE Idee der SEIENDEN
sein kann; dh das Vorzustellende von der Welt IST dabei im
WERDENDEN Prozess der Welt untrenn-
bar verstrickt. Sogar Hoffnung
IST nicht, sondern kann nur entstehen durch Raumschaffung
mittels
des radikalen Glaubens. Durch die INNERE Tatsache, dass
es (diesen) Gott gibt und daher einen
Sinn, nämlich
den Weg auf Erden zu gehen, zurück zu ihm.
Theologisch betrachtet ist die Belehrung
klar und logisch, denn
hier wird die Möglichkeit der (geistigen) Wiedergeburt
angedeutet, deren wichtig-
ster weltlicher Schritt die
(Wasser)Taufe und zusätzlich zur Arbeit des Täufers,
die Taufe mit dem
Geist des Glaubens an Gott ist
und zur angestrebten Verähnlichung mit Gott und
vielleicht in seine
Nähe führen soll. Aus seiner
pharisäischen Kultur heraus, der punktgenauen Erfüllung
der ´Gesetze´,
kann Nikodemus nicht wissen, dass es
das Andere, den anderen Weg zum Ziel (zur Akzeptanz von
OBEN)
gibt: Die geistig-geistliche Zurücknahme des eigenen
Lebenswillens und die -wie freiwillige-
Umkehrung des eigenen
Lebensplans (zum Sittlichem der anspruchslosen Liebe und
-in Konsequenz-
zur Feindes-Liebe); daraus soll als Folge,
das Erstehen eines freudig zu bejahenden Sinn des
Lebens,
immer eingebettet im nun geschaffenen Raum, im wahren
(wahrhaften) Glauben, entstehen. Die Lehre
vom Weg dorthin gibt
es bereits, vorgetragen und vorgelebt eben durch den Ersehnten.
[Siehe 15,12:
"Das ist mein Gebot, dass ihr euch
untereinander liebt, wie ich euch liebe."]
Dieses Gebot zu Lieben
ist keine Empfehlung gruppendynamisch
geschmeidiger zu werden, sondern der sensationelle Weg,
sich
versuchen zu befreien aus der Grund-Angst, Grund-Besorgnis um die
eigenen Existenz! Wie ein
ICHverstärkender Treibsatz ersteht
aus der Zumutung sich zuerst friedfertig Öffnen zu
sollen ein neuer
Freiraum; durch diesen Vorschuss an Zivilisation
erwächst (vorerst) eine freudig positive Stimmung,
die den
Anderen, den Nächsten erfassen wird müssen und es wird
nur eine Zeitfrage sein, wo er wieder
zurückgeben wird was
ihm geschenkt wurde... Der Rabbi hier ist durch Wunder und Reden
aufgefallen;
eigentlich zum Ansprechpartner wird Er durch
Seine Furchtlosigkeit und Unabhängigkeit und
geheimnis-
voller, immerwährender, freudiger Zuversicht.
9 Nikodemus antwortete und
sprach zu ihm: "Wie mag solches geschehen?" 10 Jesus
antwortete und sprach zu ihm: "Bist du Israels Lehrer und
weisst das nicht?"
[Nikodemus ist also ein
bekannter Schriftgelehrter. Er wird nun belehrt von einem
Wanderprediger der
recht gut in die ´Endzeitstimmung´
passt und doch anders ist.]
11 Amen, Amen, [Bei Gott! Ja,
bei Gott], ich sage dir: Wovon wir wissen, reden wir, und
was wir
gesehen haben, bezeugen wir, doch ihr nehmt unser Zeugnis nicht
an. 12 Ihr
glaubet nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen
rede, wie würdet ihr dann glauben
[wie könnt ihr
Vertrauen gewinnen], wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen
würde? 13 Und fähret gegen Himmel, als der, der vom
Himmel hernieder gekommen ist,
nämlich der Menschen Sohn
[der im Himmel ist]"
[Menschen Sohn : Siehe Ps 8,5;
Jes 51,12; 56,2; Ijob 25,6. Im AT noch Mensch, Einzelwesen,
jemand.
Siehe bei Dan 7,13 die Gestalt des Menschensohns, hier
wohl das Volk Israel meinend: »Ich sah in
diesem Gesicht in
der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie
eines Menschen
Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde
vor ihn [Gott] gebracht. 14 Und ihm wurde Herrschaft
und Ehre und
Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und
Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft
ist eine ewige Herrschaft,
die nicht vergeht, und sein Königtum [so], dass es nicht
zerstört wird.« Um die
sogenannte Zeitwende Erwartung
der Juden auch konzentriert auf einen heilbringenden
Menschensohn,
der das Letzte Gericht abhalten sollte. Daneben der
politische, davidische Messias sowie der charisma-
tische,
priesterliche Führer. Im NT auch Jesus als der Menschen Sohn
(ein Mensch, ein Sterblicher wie
alle) und mit ´göttlicher
Hoheit´ ausgestatteter ´Sohn´ des ´Vaters´.
Vermutlich sind die meisten Menschen-
sohn-Worte Jesu Seine eigenen
(!) Aussagen.] Damit kann nicht leicht ein Schriftgelehrter, der
auch ein
politisches Amt hat, überzeugt werden. Der
Evangelist versucht hier -ohne weitere Vorbereitung- eher
schwach
den (nun) christologischen Sinn des schon immer OBEN
(=Himmel) anwesenden Menschen-
sohns (als Modell der
Vollkommenheit, der menschliche Mensch) darzulegen und
auch Material zur Ver-
werfung zu geben: gegen die banale
Vorstellung von der in der Zeit üblichen Tradition der
apokalyptischen
und gnostischen ´Himmelsreisen´. Die
Antwort ist gegen den (vermutlichen) Widerstand der Obrigkeit
gerichtet und soll das Gesicherte und Durchgehende seiner Lehre
aufzeigen. Nikodemus antwortet nicht
mehr. Er wird später
für Jesus im Hohen Rat eintreten und Myrrhe und Aloe für
sein Begräbnis stiften
(besser wäre gewesen, wenn er
sich, als einer von der Führung, hätte taufen lassen,
aber wer kann schon
über sein Selbstverständnis
hinaus). Nahtlos der Herrenrede folgt nun eine christologische
Zusammen-
fassung des Evangelisten:
14 "Und wie Moses in der
Wüste eine Schlange erhöhet [gepfählt] hat, also
muss des
Menschen Sohn erhöhet [gepfählt] werden.
[Siehe 4 Mose 21,8,9: Die
eherne (=bronzene) Schlange. Man beachte die Ausdrucksarmut; die
der
´wirklichen´ Welt so verhaftete Anschauung vom
Erhöhen: Hier eine auf einer hochgehaltenen
Stange
genagelte Schlange, die damit in ihrer Wertigkeit erhoben
(signalhaft) dargestellt wird. Der HERR gebot
Mose dies und
praktisch ist die OBEN sichtbare Schlange sichtbare Stütze
und (zwangsläufig) OBEN.
Immer wieder überraschend die
wortwörtliche Nutzung der weltlichen Anschauung der
Wirklichkeit;
davon dann sehr banale Ableitungen. Siehe auch die
grauenhaft armselige ´Erhöhung´ durch den
Märtyrer-Tod am erhöhten Kreuz ! Siehe Jes
52,13: dort wird von erhöhten und hoch
erhabenen Knecht
berichtet. Was wäre, wenn die Kreuze mit
den Gekreuzigten, die zur Abschreckung und Stillhaltung des
Volks
auf erhöhten Punkten errichtet waren, in Senken
vertieft, halb vergraben gewesen wären? Würde
dann das
herzergreifende Mitleiden mit Ihm unterwürfig
unterwerfend hochkommen in uns? Müssen wir
nicht zu Boden sinken, um noch mehr nach OBEN
aufschauen zu können? Wunderschön aber in
Mk 9,2: »Und
nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes
und führte sie auf
einen hohen Berg, nur sie allein.
Und er wurde vor ihnen verklärt; 3 und seine Kleider wurden
hell und
sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß
machen kann ...« Er ist dem Himmel nahe auf dem
hohem
Berge, nicht aber über sie erhöht, denn sie sind
bei Ihm. Der Übertritt Unterwerfung zur Über-
höhung,
UNTEN ins OBEN erfolgt bei Joh. recht drastisch und wird in
Verbindung mit der Erniedrigung
der Kreuzigung diesen (wie neuen)
NAMEN-Schatz für immer erhalten. Siehe die Erhöhungen
bei Lk und Mt.]
15 Damit alle, die an ihn
glauben, nicht verloren werden, sondern das Ewige Leben haben.
16
Also hat Gott die Welt geliebt, dass seinen eingeborenen Sohn
gab, auf dass alle, die an
ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das Ewige Leben haben werden.
[Jedoch: Der eingeborene,
einziggeborene ´Sohn´ in der rabbinischen
Sprache ist Israel... (H.A.Mertens).
Hier aber ein
gefährlicher Übergang vom Bild ins Nichtbild, ins
Wortwörtliche. Aber welche Mittel sonst kann
der Evglst.
einsetzen? Siehe 2.Mose 4,21: Und der HERR sprach zu Mose: »Sieh
zu, wenn du wieder nach
Ägypten kommst, dass du alle die
Wunder tust vor dem Pharao, die ich in deine Hand gegeben habe.
Ich
aber will sein Herz verstocken, dass er das Volk nicht ziehen
lassen wird. 22 Und du sollst zu ihm
sagen: So spricht der HERR:
»Israel ist mein erstgeborener Sohn; 23 und ich gebiete
dir, dass du
meinen Sohn ziehen lässt, dass er mir diene...«
Der Evglst. treibt einen Keil zwischen Israel und ihren
Bundes-Gott: Jesus soll viel mehr Sein als Israel!]
17 Denn Gott hat seinen Sohn
nicht gesandt in die Welt, dass Er die Welt richte,
sondern
dass die Welt durch ihn selig [=gerettet] werde.
18 Wer an ihn glaubet, der wird nicht
gerichtet; wer aber nicht
glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den
Namen [=Wesensart dieses ETWAS] des [hin]eingeborenen Sohnes
Gottes. 19 Das ist
aber das Gericht [das Gerichtetsein], dass das
Licht in die Welt gekommen ist, und die
Menschen [jedoch] liebten
die Finsternis mehr, als das Licht. Denn ihre Werke waren
böse.
20 Wer Arges tut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das
Licht, auf dass
seine Werke nicht [aufgedeckt] und gestraft
werden. 21 Wer aber die Wahrheit
[=Wahrhaftigkeit der Gesetze]
tut, kommt an das Licht, [so] dass seine Werke offenbar
werden,
denn sie sind in Gott getan."
Was sollte der Text damals
bewirken, welche Möglichkeiten boten sich dem Autoren-Team:
Das
Wunder der Auferstehung war erzählt (und diskutiert!)
worden. [Siehe der große Paulus in 1.Kor 15,
11-21: 11 »Es
sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
12 Gegen die Leug-
nung der Auferstehung der Toten. Wenn aber
Christus gepredigt wird, dass er von den Toten aufer-
standen ist,
wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der
Toten? 13 Gibt es
keine Auferstehung der Toten, so ist auch
Christus nicht auferstanden. 14 Ist aber Christus nicht
aufer-
standen, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer
Glaube vergeblich. 15 Wir würden dann auch
als falsche
Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten,
er habe Christus auferweckt,
den er nicht auferweckt hätte,
wenn doch die Toten nicht auferstehen. 16 Denn wenn die Toten
nicht
auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17
Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist
euer Glaube nichtig,
so seid ihr noch in euren Sünden; 18 so sind auch die, die
in Christus entschlafen
sind, verloren. 19 Hoffen wir allein in
diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter
allen
Menschen. 20 Christus ist auferstanden. Nun aber ist Christus
auferstanden von den Toten als
Erstling unter denen, die
entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod
gekommen
ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung
der Toten.« Am Beginn der Christologie
war der
Auferstehungsglaube ein Muss und wohl weiter, wie die Kirche
(noch) immer postuliert: Mit
der ´Auferstehung´ stehe
und falle der Glaube und sie gelte -wie andere Wunder- als
´Heiltatsache´.
So also wird die Wirklichkeit des
Offenbarers auf die wirkliche Wirklichkeit von uns
Menschen-
Kindern eingeengt und beraubt der Hoffnung auf
eine andere Welt, in der wir wohl nicht existieren
werden, die aber unerreichbares (wie sinnloses aber eben doch!
sinnvolles) Ziel sein sollte.]
Der Ersehnte war für
manche unschuldig -jedoch für die Obrigkeit üblich
schuldig- hingerichtet worden.
Die Priesterschaft war gegen Ihn
und letztlich das Volk, dass sich Führung und Wunder von Ihm
erhofft hatte, war abgefallen und duldete, ja akzeptierte, Seinen
Tod für nichts oder weil Er vielleicht
die Gesetze des
Bundes missachtet und auch (den eigenen) Gott gelästert
hatte: Weil Er sich
seinen ´Sohn´ hat rufen lassen
und das ´Gesetz´ kritisierte; und weil Er letztlich
machtlos war und
nichts für die Juden tun
konnte. Und um die vom Kummer gelähmt zurückbleibenden
Schüler,
Jünger, Apostel, bildet sich eine kleine
(getaufte) Gruppe, Gemeinde, die auf die Wiederkehr
des Meisters
wartet und annimmt, dass der Anbruch der Endzeit unmittelbar
bevorstehe. Den
Sinn des offensichtlichen Unrechts das Jesus
angetan worden war, können sie sich nur mit der
Absicht
ihres Gottes erklären, mit diesem Opfer seines Liebsten
(!!), seine große, immer-
währende Liebe und Ergebenheit
dem (jüdischen) Volke zu zeigen, ihm (wieder einmal) zu
verzeihen und es aufzurufen dem vorangegangen Rabbi auf den Weg
zum Licht zu folgen.
Als die ´Endzeit´ ausbleibt und
auch ´der Jünger den Jesus liebte´ stirbt,
beginnen sie zu
ahnen, dass nicht (bald) das Gericht (das
Ausgerichtetwerden in Gott) kommen wird, sondern
dass es
sein soll wie Er gesagt hat: Er werde sie nicht richten
[rechten] sondern selig machen,
wenn sie glauben! Und für
uns heute: der Nichtglaube hat Ihn vor aller Zeit gehen lassen!
Noch in Seinem liebevollen Nebel gehüllt, gründen die
Apostel kleine jüdische Gemeinden;
der spätberufene,
hierher getriebene, Paulus reist in die Diaspora, baut
kleine Gemeinden
auf, auch dort wo kaum Juden die
Messiaserwartung in sich tragen, sondern meist nur
´Griechen´
sind: die Werdung des obersten Menschen, des Menschen Sohn
zum Mittler
(LOGOS) des Bundes-Gottes öffnet den
Jahwe-Kult zur Weltreligion: die Apostel predigen
nicht nur das
Wunder Jesu den Juden, sondern auch Nichtjuden, verschmolzen im
stoischen
Monotheismus, mit der ´Speerspitze´ der
forderungslosen Nächstenliebe! Und in Jerusalem
(nach der
Flucht des Petrus) führt ab 44 der Herrenbruder Jakobus
gesetzesstreng die
Jerusalemer Gemeinde rund 20 Jahre lang.
Daneben tritt die große Gestalt des Paulus
immer mehr ins
Licht der Welt: misstrauisch beobachten die Judenchristen ihren
einstigen
Verfolger und Schlächter: Paulus wird über
alle hinaus wachsen (ohne dass er das will) und
er, der den
Ersehnten nur im INNEN gesehen hat, wird für ihn -wie
besessen- arbeiten bis
zuletzt, bis sich seine Spur verliert.
Jakobus wird um 64 ermordet; der tapfere und tüchtige
(und
sehr menschliche) Petrus erleidet auch den Märtyrertod. [Es
bleibt unklar, ob der Evglst.
und sein Team vom danach folgenden
Aufstand der Juden gegen die Römer und der Zerstörung
des Tempels (durch die Römer) bei der Erstschrift des
Joh.Evglms. wissen konnten. Kurz vor
dem jüdischen Krieg war
die von den nationalistischen Juden (und den Priestern) bedrängte
judenchristlichen Gemeinde geflohen. Vielleicht waren die Autoren
Mitglieder der Gemeinde
und blieben ausserhalb Israels?]
Der Evglst. will nun für die Glaubenden, das sind die
(streng-
gläubigen) Juden, und schon für den Hellenismus
insgesamt, aufdecken das Motiv des zürnend
zärtlich
(alle, nun nicht nur die Juden?) liebenden Gottes. Dabei
stützt er sich auf einen Informations-
stand seiner Leser oder
eher Zuhörer in den Gemeinden, der weit über die
sogenannte Quelle ´Q´
hinausreicht. Eigentlich
verarbeitet er nur bereits bekanntes Material; die Zeit war voll
von Wunder-
geschichten über den Erwählten und der
Apostel, die wie selbstverständlich die Fähigkeiten
ihres
Meisters übernommen hatten. Der Evglst. musste nun
aufzeigen warum man diesem weisen und
humanen Manne Jesus,
der so viel tun wollte für diese Welt, glauben
sollte, dass Er (wie) Gottes
´Sohn´ war. Nicht mehr
allein der Vertrag (der Bund) gilt: Mit dem Erwarteten und durch
Sein Leid
und durch das größte Opfer des Vaters (der
ihn erwählte), kommt für die schändliche Form der
Kreuzigung (das römische Holz!) die gottgewollte? Form der
absichtslosen -wie luxuriösen- Liebe
in die Welt.
Der
armselige, der arme und selige Menschensohn Jesus hat für
nichts den Kreuztod erlitten;
nicht die Auferstehung ist
das Wichtige; wohl ist sie ein Bild das gezeigt werden muss;
eigentlich
bedarf es keiner Wunder mehr. Seine Passion zum
unsinnig ungerechten Tod kann nur vom Allpunkt
der Welt,
vom Sinn der Welt gewünscht worden sein, um
Seines gleichen (die Menschen!!) frei zu
machen für
das wehrhaft wahrhafte NEIN zu sich selbst, welches aufbrechen
wird müssen vielleicht
zum (stillen oder jubelnd) liebenden
JA (mehr oder weniger) für alle Welt! War die Zeit nun reif
für
die Liebe? War nun die Liebe in die Welt gebracht? Oder:
Wie sinnvoll, wie problemlösend ist das
Weiterdenken in die
Liebe? Wie sollte denn diese Liebe sein? Hat denn das Existieren
in der Welt
einen -wider alle Überlebenskunst- Not wendenden
Auftrag, den Weg in die Liebe zu gehen? Ist nicht
die
praktizierte ´Kultur der Liebe´, nämlich von
unten nach OBEN (!!) höchster Luxus oder eher
ausser-
ordentlich unangebracht, lebensfremd und behaftet mit dem
widerlichen Geruch des Sklaven, der
kuscht und die Schläge
des Herrn dankbar annimmt? Ist diese Liebe nicht die weltliche,
freiwillige
Fortsetzung der jüdischen Gehorsams-Religion?
Ist eine Religion der Liebe -eben weil so absurd
fremd- die
richtige Zivilisation, die gelebt werden muss? Oder ist das alles
sinnloses Spiel und
Trost für die, die (irgendwie) Trost
suchen? Also ein Mensch, der (vielleicht) alles vermochte, will
(darf) nichts für sich machen. Aus dem Unglück des
eigenen Volks, geknechtet von ironisch leichter
römischer
Hand, erhebt sich eine Religion des Verzichts ?
(Das Christentum ist mit Abstand die
erfolgreichste
Zivilisationsform, ist das paradox?) Und weil die Zeit zum
Handeln war, wurde dieser,
der einzig freie, Weg begangen? Ist
die Fülle der christlichen Liebe geworden aus der Armut an
Freiheit des Handelns in der Knechtschaft? [Aus dem später
geschaffenen 1.Brief des Johannes:
1Joh 4,7 »Geliebte,
lasst uns einander lieben; denn die Liebe ist von Gott, und jeder
der liebt, der
ist von Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht
liebt, hat Gott nicht erkannt; denn GOTT IST DIE
LIEBE. 9 Darin
ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen
einzigen Sohn gesandt
hat in die Welt, damit wir durch ihn leben.
10 Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt
hätten,
sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Sühne
für unsre Sünden.
11 Ihr Lieben, hat uns Gott so
geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.«
Herzergreifend
und doch: welche Anmassung!!] Oder ist uns
(endlich!) doch das Herz (auf)gebrochen worden für
immer.
Und der Evglst. wird nicht müde werden mit den ´ICH
BIN´ Worten unmissverständlich den
politischen
(herrschaftlichen) Auftrag des Rabbi zu vermitteln. [Die »ICH
BIN = Metapher« Sätze
besitzen ihre einzigen
zeitgenössischen Analogien im griechischsprachigem Ägypten
(K.Berger).
Das weist auf Alexandria (mit seiner großen
jüdischen Minderheit) hin, dort könnte der Evglst.
seine geistige Prägung empfangen haben. Siehe auch 2.Mos 3,5
»Gott sprach: Tritt nicht herzu,
zieh deine Schuhe von
deinen Füssen; denn der Ort, darauf du stehst, ist Heiliges
Land! 6 Und er
sprach weiter: ICH BIN der Gott deines Vaters, der
Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott
Jakobs. Und Mose
verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott
anzuschauen.«] Der Kummer
um Jesus ist zu überwinden,
wohl wird alles noch einmal aufgeführt, der Evglst. weiss
was damit
bezweckt werden soll, und wir -so fürchten wir-
erkennen das Unannehmbare und ahnen alles.
22 Danach kam Jesus und seine
Jünger in das jüdische Land [Judäa], und [lebte
mit] ihnen und taufte.
[Die einzige Stelle im
Joh.Evglm. die von einer Taufarbeit Jesu sprechen. Aber es wird
wenig später
klargemacht, was der Evglst. eigentlich
bezweckt: Johannes der Täufer, hat noch einmal beredt
Zeugnis abzulegen.]
23 Johannes aber taufte auch
noch in Änon, nahe bei Salim, denn es war viel Wasser
daselbst; und sie kamen [dahin] und liessen sich taufen.
[Wieder eine der ´genauen´
ORTsangaben, die wohl richtig sein sollen, aber nicht einer
historischen
Wahrheit entsprechen müssen.]
24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt.
[Von der späteren
Ermordung des Täufers spricht der Evglst. nicht; wie um die
Aussage des
Täufers nicht aufwertend zu färben (wäre
dieser dann zusehr erhöht worden?); hatte der Evglst.
doch sein durchdringendstes Mittel -den Opfertod (des
Offenbarers)- nur einmal zu setzen.]
25 Aber es entstand ein Streit
zwischen den Jüngern Johannis und den Juden
[die mit Jesus
waren] über die Reinigung [Taufe]. 26 Und [sie] kamen zu
Johannes und sprachen zu ihm: "Meister, der bei dir war
jenseits des Jordan,
von dem du zeugetest, siehe, der taufet, und
jedermann kommt zu ihm."
´Volkes´ Stimme
soll sichtbar machen einen Wettstreit, der auf der Hand liegt
(und der
zur Zeit der Abfassung des Evglms. sich immer mehr
verstärkte). Und wäre nicht die
Auferstehung und davor
das freudige Wissen, wer will es verübeln den Treuen um
Johannes,
dass sie zu ihrem Rabbi stehen?
27 Johannes
antwortete und sprach: "Ein Mensch kann nichts nehmen, es
werde ihm denn gegeben vom Himmel.
[W.Jens: »Nichts hat ein Mensch, wenn nicht der Himmel es ihm schenkt.« Wie wahr!]
28 Ihr selbst seid meine
Zeugen, dass ich gesagt habe, ich sei nicht der Messias,
sondern
vor ihm her gesandt [als Vorausgesandter]. 29 Wer die Braut hat,
der ist
der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams
siehet und höret ihm zu und freuet
sich hoch über des
Bräutigams Stimme. Diese meine Freude hat sich nun erfüllt.
30 Jener muss wachsen, ich aber muss abnehmen.
[Siehe das Fest Johannes des
Täufers am 24.Juni, 3 Tage nach der Sommer-Sonnenwende,
Weihnachten am 25.Dezember, 4 Tage nach der Winter-Sonnenwende.
Die ´abnehmende Sonne´
das Symbol des Täufers,
die ´wachsende Sonne´ das Symbol für Christus
(J.Blank).]
31 Der von oben kommt ist über
alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und
redet von
der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über alle. 32 Und
bezeugt was er
gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis
nimmt niemand an. 33 Wer es aber annimmt,
der [hat bestätigt,]
besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. 34 Denn welchen Gott gesandt
hat, der redet Gottes Wort; denn Gott gibt den Geist
[unbeschränkt] ohne Mass. 35 Der
Vater hat den Sohn lieb und
hat ihm alles in seine Hand gegeben. 36 Wer an den Sohn
glaubt,
der hat das Ewige Leben. Wer dem Sohn nicht [glaubt] gehorcht
[hört und
erhört], der wird das [wahrhafte, erhellte]
Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes
bleibt [immer] über
ihm."
Wenn wir unterstellen, dass
der Evglst. aus der Täufer-Sekte gekommen ist, er das (dort)
gehört hat
oder, dass ihm -in der Gruppe um Jesus- von
Getreuen des Täufers dieses Zeugnis berichtet worden
war, so
scheint die Aussage des Täufers schön und in sich
glücklich ruhig stimmig in das Evangelium
eingeflossen.
[Damals war normal, dass wichtige Erzählungen -wie
wortwörtlich- memoriert ins
Gedächtnis genommen und zu
passender Zeit immer wieder vorgetragen wurden (s. besonders die
Lehre des Buddha, auch die sokratischen Gespräche nach
Platon); das schriftlich Niedergelegte war
die Ausnahme. Trotzdem
wurde das ´Wortwörtliche´ -ausgenommen die
´Gesetze´- dem Sinne und
der Stimmung nach verstanden
und oft zu einer ´neuen´ Quelle umgebildet. Daher
auch die weite
Streuung im Stil bei der Übermittlung der
´Herrenreden´. Bei dem Versuch Jesu Wort aus den
Texten
zu destillieren wird nicht immer das wie Ursprüngliche
das Tatsächliche sein: die Selbstbetrachtung
des Erwählten
kann die Zeugen entführt haben aus der Frische der freien
Rede: hier der Evangelist
Johannes, der Theologe, lässt den
Unstreitigen immer von OBEN (nicht von OBEN herab) sprechen,
in
tiefster Abgeklärtheit, schon als unstreitiger Herr.]
Der
Sinn des Täufer-Lebens ist die Begründung der
Umkehr-Taufe und die Zeugenschaft zum
Erwählten. Es gibt
(hier) keine eigentliche Konkurrenz, alles ist wie abgestimmt auf
den Einzigen,
das scheint durchhaltbar. Das Zeugnis des Täufers
muss christologisch passabel sein; nicht zu
bedenken ist die
tatsächliche Tragödie des Propheten, der sehenden Auges
seine Wirksamkeit und
sein Leben verwirkt und (hoffnungsvoll?)
Zeugnis gibt für Den, Der vor ihm Gewesen und immer
Sein
wird. Oder dies ist ein Einschub des Evglstn., der damit die
zu seiner Zeit bestehende Konkurrenzfrage
endgültig abklärt
und durch den Täufer zusammenfassen lässt, was wie
einhämmernd (aber für uns
heute leider nicht logisch
genug) mehrmals gesagt wird. Mit der üblichen Anschauungs-
und Wortarmut:
Die Idee, dass in bedrückter, bitterer und
unfreier Zeit der (wie David) zu salbende Befreier [Davids
´Sohn´] kommen und ins neue Königreich (hier
wohl schon in das des Geistes, der Vorstellung von
der
Wirklichkeit der Welt) führen wird, wird dargestellt in der
nur möglichen männlichen Verwandt-
schaft (mit dem
´Vater´): Vorsehung und Schicksal ist hier
personenbezogen verhaftet; die griechische
Philosophie wird sich
(erkenntnistheoretisch) im Evglm. nie durchsetzen können.
Und auch nicht das
orientalische Familiendenken! Noch ist der
´Sohn´ des ´Vaters´ hier; nach Jesu Tod
wird es Seine
-bislang nicht an Ihn (als Messias) glaubende-
Familie verabsäumen in den Machtkampf um seine
Nachfolge
einzugreifen. Bruder Jakobus übernimmt, als Judenchrist,
erst Jahre danach die Führung
der kleinen Jerusalemer
Gemeinde. Nach Jakobus Steinigung (!) folgt ihm Simon, sein und
Jesu
Bruder nach. Danach verliert sich die Spur der Familie
(nicht zB bei Muhammad und Ali, dessen
´Abkömmlinge´
heute noch führen). [Spätestens hier sei auf den
Unterschied Religion des Geistes
oder der Familien hinzuweisen.
Durch die Übersetzung, Umsetzung des Jesusglaubens
ins christo-
logisch ausgeformte hellenistisch-römische
Bildungsgut, wird es fortan möglich eine Führung teils
familiär teils beamtet zu realisieren...]
Das Loslassen
als christliche Demut wird gröblichst von der neuen Kirche
missverstanden, nicht
jedoch vom Kirchenvolk. Jedoch:
Heute in der Fun- und Ellbogen-Welt als (christlicher)
´Versager´
bestehen zu können, erfordert
permanente Rechtfertigungsarbeit vor der (für den Kampf ums
Dasein
aufbereiteten) Christen-Gruppe. Siehe jedoch Ende des
20.Jhdts das Aufkommen des (den Westwohl-
stand kritisierenden)
Fundamental-Islamismus im Iran und radikale Ableitungen anderswo.
//06.96//02.05//02-2006//04-2008//