Das 4.Kapitel
Der
Erwählte nimmt das verfemte Volk der Samaritaner an, wertet
die Frau insgesamt auf und gibt Sich ihr zu erkennen. Und
Er
heilt nur mit dem Wort, weil ein Mensch zum Glauben
gefunden hat.
1 Als nun [der Herr] Jesus
erkannte, dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war, dass
Er
mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes, 2 obwohl
Jesus nicht selber taufte,
sondern seine Jünger, 3 verliess
Er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa.
Jesus wird bis zuletzt auf der
Flucht sein; die oft konkrete Bedrohung der Steinigung wird Ihn
weiter
wandern lassen; unvorstellbare Niedertracht, gemischt mit
dumpfer Torheit wird Ihm das Lehren fast
unmöglich machen.
Aber das scheint die Aufgabe zu sein: Sein Licht leuchtet in
die Finsternis.
4 Er musste aber durch
Samarien reisen. 5 Da kam Er in eine Stadt Samariens, die heisst
Sychar [Sichem], nahe bei dem Feld [Dörflein], das Jakob
seinem Sohn Josef gab. 6 Es
war aber dort Jakobs Brunnen. Da nun
Jesus müde war von der Reise, setzte Er sich am
Brunnen
nieder; es war um die sechste Stunde.
[Übergenaue Ortsangabe:
den Brunnen gibt es und die Ortschaften. Der (angeblich) von
Erzvater Jakob
gegrabene Brunnen wurde später als
heilkräftig eingeschätzt. Siehe 1. Mose 48,22; Jos
24,32.]
Die sechste Stunde, das ist Mittag, die Zeit in der
Jesus gekreuzigt werden wird. Er sitzt allein in der Sonne
in
einer Landschaft, von der es heisst, dass sie von einem kultisch
unreinem Volk bewohnt wird. [Die Sama-
ritaner wurden -nach
dem Fall Samarias (722/21 vC) durch Sargon II.- mit den
assyrischen Ansiedlern
vermischt. Daher liessen die Juden
sie nicht mehr zum Gebet in den Tempel in Jerusalem hinein, so
bauten
die Samaritaner sich einen eigenen Tempel auf dem Berg
Garizim, den der Makkabäer Johannes Hyrkanus
107 vC
zerstörte. Sie beteten weiter auf dem Berge. Ihr Gesetz
bestand nur aus dem Pentateuch; ihre
Messiaserwartung beschränkte
sich auf einen ´Propheten wie Moses´. Die Juden
verabscheuten sie und
mieden jeden Kontakt mit ihnen. Bei Mt wird
Ihm in den Mund gelegt Seine Schüler sollen die S. meiden;
bei Lk meiden die S. Ihn. Hier bei Johannes: Der Erwählte
ist für alle Menschen!]
7 Da kommt eine Frau aus
Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: "Gib
mir
zu trinken!" 8 Denn seine Jünger waren in die Stadt
gegangen, um Essen zu kaufen. 9 Da
spricht die samaritanische
Frau zu ihm: "Wie, du bittest von mir zu trinken, der du ein
Jude bist
und ich eine samaritanische Frau? Denn die Juden haben
keine Gemeinschaft mit den
Samaritanern."
Der Evglst. konstruiert eine
hoffnungslose Situation: eine Frau die nichts zu sagen hat (wie
alle Frauen),
zusätzlich aus einem verfemtem Volk. Und die
mit unbekannten Männern nicht sprechen sollte, speziell
nicht
mit Rabbinen. Sie soll Ihm das lebensspendende Nass geben;
einem Fremden, den sie (sofort?) als Juden
erkennt und ihm
(kokett) gegenredet.
10 Jesus antwortete und sprach
zu ihr: "Wenn du erkenntest [du wüsstest um] die Gabe
Gottes
und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du
bätest ihn um Wasser, und Er gäbe dir
lebendiges
Wasser." 11 Spricht zu ihm die Frau: "Herr, hast du
doch nichts, womit du schöpfen
könntest, und der
Brunnen ist tief [und unten das lebendige Wasser]; woher hast du
dann leben-
diges Wasser? 12 Bist du mehr als unser Vater Jakob
[unser Vorfahr], der uns diesen Brunnen
gegeben hat? Und er hat
daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh?"
Wieder dieses wortwörtliche
Missverstehen. Die Frau ist erstaunt, Er soll mehr sein als der
Stammvater
Jakob? Jedoch: Der Erwählte ist mehr als Jakob
und mehr als Abraham, Er ist das GANZE. Die Frau kann
nicht
eingehen auf Seine Bilder: Er spricht vom lebenden, belebten
Wasser. Er meint nicht [nur] die fliessende
Quelle sondern den
kostbaren Urstoff der zusätzlich belebt ist durch die
TEILhabe an der Welt, durch die
Funktion des LOGOS. Das Muss des
Lebens und der -in ihm verborgen- erhöhte, erhöhende
Grund.
13 Jesus antwortete und sprach
zu ihr: "Wer dieses Wasser trinkt, den wird wieder dürsten;
14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, der
wird ewiglich nicht [mehr]
dürsten, sondern das Wasser, das
ich ihm geben werde, das wird in ihm zu einem Brunnen
des Wassers
werden, das in das ewige Leben quillet." 15 Spricht die Frau
zu ihm: "Herr, gib
mir dasselbige Wasser, damit mich nicht
dürstet und ich nicht [Tag für Tag] herkommen muss,
um
zu schöpfen!"
Wie (konstruiert) nieder
praktisch die Antwort der Frau! Sie spricht tapfer lustig listig
mit dem fremden Juden.
Und tiefer Kontrast seine Rede vom -das
Erdenwallen ins Gute zusammenfassende- Wasser des rechten,
richtigen Glaubens. Und das im Altertum noch wichtigere Wasser,
als den versorgenden Urstoff des Lebens.
Und das Bild der Quelle,
als unbekanntes Herkommen, als Weg zum Glauben an das -die Welt
überhöhende
und sinngebende- Reich, das aufzeigen
-speziell hier dem verfemten Volke- Seine ganze Sendung hier ist.
16 Jesus spricht zu ihr: "Geh
hin, ruf deinen Mann und komm wieder her!" 17 Die Frau
antwor-
tete und sprach zu ihm: "Ich habe keinen Mann."
Jesus spricht zu ihr: "Du hast recht geantwortet:
´Ich
habe keinen Mann.´ 18 Fünf Männer hast du gehabt,
und den du jetzt hast, ist nicht dein
Mann; das hast du recht
gesagt." 19 Die Frau spricht zu ihm: "Herr, ich sehe,
dass du ein
Prophet bist. 20 Unsere Väter haben [Gott oben]
auf diesem Berge angebetet, und ihr [Juden]
sagt, in Jerusalem
sei die Stätte, wo man [ihn] anbeten soll."
[Der Text in dem Er sagt ´in
Jerusalem anbeten´ fehlt, aber es war der bestehende
Vorwurf der ´rechtgläubigen´
Juden. Aber nun
muss abgehandelt werden der -ausserhalb des heiligen Orts
Jerusalem- bestehende samarita-
nische Tempel.]
Aber es kommt
noch schlimmer: Er verwirft alle Tempel und auch warum
bisher angebetet wurde! Er zeigt seine
Allwissensheit. Nun wird
Er von der Frau akzeptiert. Dahinter ist die soziologische
Unmöglichkeit, dass eine
Frau mit fünf Männern
gelebt hatte und von ihnen getrennt wurde. Maximal drei
Scheidungen waren erlaubt.
Diese wurden -wie konnte es anders
sein- vom Mann und vom Vater der Frau geregelt per
Scheidebrief. [Nur
der Mann konnte die Scheidung verlangen, wobei
mancher Mann seine Frau loswerden konnte, indem er ihr
befahl
am Sabbat zu arbeiten und dann nach den Scheidebrief rief, weil
es ihm unzumutbar geworden war mit
dieser Frau, die den
Sabbat nicht heilig hielt, zu leben. Wobei, um die Perfidie auf
die Spitze zu treiben, das
nicht der Schrift gemässe
Verhalten der Frau entscheidend war, sondern nur das Zumutbare
des Mannes (die
Frauen waren so unwichtig, dass niemand
Wert auf ihre Gesetzestreue legte).]
Die fünf Männer
könnten auch ein Hinweis auf die fünf verschiedenen
Volksschaften sein, die Sargon II. hier
angesiedelt hatte. Oder
es war so wie die Frau sagte, sie möglicherweise eine
Prostituierte ist und Jesus
kümmert sich dadurch mehr um
sie. Oder der Evglst. weist hier auf das Neue zur Ehe hin,
deutlich ausgeführt
in Mk 10,5-9 zu den Pharisäern: [Mk
10,5: »Jesus aber sprach zu ihnen: ´Um eures Herzens
Härte willen hat er
euch dieses Gebot geschrieben; 6 aber
von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann
und
Frau. 7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter
verlassen und wird an seiner Frau hängen, 8 und
die zwei
werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern
ein Fleisch. 9 Was nun Gott zu-
sammengefügt hat, soll der
Mensch nicht scheiden.´« Analoges liegt in den
Qumram-Texten vor: CD 4,20-5,2,
die aber extremer die
Einmaligkeit der Ehe deuteten: Auch Verwitwete durften nicht noch
einmal heiraten, davon
sagt Jesus nichts (K.Berger). Die
Unauflöslichkeit der Ehe wird heute kirchlich bigott
beengend missverstanden
(durch den Zwang zur Erbittung des
kirchlichen Segens begann sich die Kirche ab dem 4.Jh der bisher
zivilen
Ehe anzunehmen). Jedoch Jesus wollte (hier in Mk),
offensichtlich als einziger Denker seiner Zeit, die Frau
vor
der Willkür des Mannes schützen (Bei
den Juden ab 11.Jh Scheidung nur mehr mit Zustimmung der
Frau).]
21 Jesus spricht zu ihr:
"Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, da werdet ihr weder
auf diesem
Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten. 22 Ihr
wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber,
was wir anbeten;
denn das Heil kommt [nur] von den Juden [weil der Vater sich
ihnen zu erkennen
gab].
[Von den Juden kommt das Heil?
Nach R.Bultmann eine redaktionelle Glosse, die gestrichen werden
kann. Oder
soll das den Religionskonflikt vertiefen, die
Samaritaner hätten nicht den ´richtigen´
(jüdischen) Glauben, weil sie
u.a. nicht den richtigen
KultORT haben.] Der Satz hier soll aufzeigen, dass entgegen der
sonstigen antijudaisti-
schen ´Stimmung´ des Evglstn.,
die Juden diesmal die ´Guten´ sind und aus ihrer
Mitte in Jerusalem das richtige
(gottgerechte) Gebet
erschallen wird (s. Lk 24,47)? Oder ist das ein späterer
Einschub? Der weitere Text ver-
weist auf die scharfsinnige These
von K.Berger, dass mit diesem Wort um den richtigen ORT fast
bewiesen ist,
dass der Evglst. von der Zerstörung des
Tempels (noch) nicht gewusst hat (anders die Synoptiker, siehe
Mk
13,2; Mt 22,7. 23,36-38 und Lk 21,20-24); und nach K.Berger die
Urschrift dieses Evglms. sehr wohl vor 70
entstanden sein könnte!
Es ist kaum anzunehmen, dass der Evglst. sich ohne Seitenbezug
Tempelzerstörung
so undramatisch mit dieser Geschichte
zufrieden gegeben hat. Oder soll es schon die trotzhafte
Überwindung
der Tempelzerstörung sein? Bete überall!
Oder will Er zum ZEITlosen das -neu!- ORTlose zeigen? Dass nicht
der Tempel (und auch nicht die Synagoge) die Stätte des
wahrhaften Gebets sein kann [muss]? Der Evglst.
bringt
oder zeigt auf den Sprengstoff in Seiner Rede:
23 "Aber es kommt die
Zeit und ist schon jetzt!, in der die wahrhaften Anbeter den
Vater anbeten
werden im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater
will auch haben die ihn also anbeten.
24 Gott ist Geist,
und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der
Wahrheit [im wahr-
haften Wissen vom EINZIGEN Gott] anbeten."
Der Evglst. fasst zusammen und
führt -wie immer im Nachhinein- im Text aus, was durch
diesen Rabbi zusätzlich
zu Seiner Hoheit kommen wird:
die tiefste Einsicht in eine wahrhaftige Ordnung, die gerade in
ihrer wehrlosesten
Form helfen wird, sich aus der entsetzlichen
Welt des Stofflichen zu retten in den Geist der Hoffnung,
in das
(wohl) Gesegnete. Und das setzt auf die fromm fürchtige
Form: Nicht das Anbeten ist recht, nur der lebenslos
geisterfüllte Glaube an das insgesamt Umfassende -im Wissen
um Seine Liebe- kann das Rechte sein. Was
Er auflösen und
neu fügen will hat nicht eine Kirche als Antwort und
Ziel, sondern Bewusstwerdung des Glaubens
(der zum Kult
verkümmern droht!).
25 Spricht die Frau zu ihm:
"Ich weiss: Der Messias wird kommen (der da Christus
heisst); wenn
Er unter uns sein wird, wird Er uns alles
verkündigen." 26 Jesus spricht zu ihr: "ICH BIN
[der
Messias, Ich der Jude]! Der mit dir redet!"
Die Frau spricht vom kommenden
Messias der alles abklären wird. Vom Evglstn. -wider ihres
armseligen
Frauenlebens- der Frau in den Mund gelegt worden. Aber
nun soll ja durch das Überwissen des Wanderers
das (der
´jüdischen´ Religion so fern gewordene) Volk der
Samaritaner von der Sendung überzeugt werden.
Und der
Evglst. zeigt ein Herrenwort auf: Nur Er, der Frau tief und wohl
gesonnen, zeugt ihr von Sich: Er IST
(es) für Sich und so
hoffen wir, auch für andere. [Nur im Joh.Evglm. bezeugt
Jesus seine Sendung: Er spricht
von sich wahrhaftig und die
Empfänger seiner Sendung können für sich nehmen
was sie ihnen ermöglicht. So
öffnet sich hier eine
Türe, die Eintritt in die Gottesvorstellung Jesu anbietet.
Wohl für Agnostiker unerträglich
größenwahnsinnig
bis lächerlich langweilig. Anderseits: Wenn im Brusttone der
Überzeugung Er von Sich
spricht, als mit einmaliger Aufgabe
(von Seinem VaterGott) vorgesehen und betraut, so ist das mehr
als akzep-
tabel und muss so mutig hoffnungsvoll wahr sein
wie alle Welt! Und fast wie unabhängig von der Wirklichkeit
seines ´Vaters´.] Und die Jünger kehren zurück,
vermehren die Zeugenschaft. Wie so oft, sorgt der Evglst., dass
sie nur das Wortwörtliche verstehen; wie immer befremdlich
isoliert steht der Offenbarer inmitten einer Haufe
von begeistert
naivtreuen Kindsköpfen.
27 Unterdessen kamen seine
Jünger, und sie wunderten sich, dass Er mit einer Frau
redete;
doch sagte niemand: ´Was fragst du?´ oder:
´Was redest du mit ihr?´
[Überflüssig der
Hinweis auf das Schweigen der Jünger: Er, der Einzige, war
alles was in der Welt war. Und
nur Er öffnete sich der
(minderen) Frau, denn Er war in ihr wie in jedermann.]
28 Da liess die Frau den Krug
stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: 29
"Kommt,
seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was
ich getan habe, ob Er nicht der Messias sei!"
[Pikant: die Frau gibt Zeugnis
ab von einem Offenbarer am Brunnen, obwohl im Altertum das
Zeugnis der Frauen
weniger als nichts galt und ihre Religiösität,
analog ihrer Wertigkeit in der Männerwelt, bedeutungslos
war.]
30 Da gingen sie aus der Stadt
und kamen zu ihm. 31 Inzwischen mahnten ihn die Jünger und
sprachen. "Rabbi, iss!" 32 Er aber sprach zu ihnen:
"Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr
nicht wisst."
33 Da sprachen die Jünger untereinander. "Hat ihm
jemand zu essen gebracht?"
34 Jesus spricht zu ihnen: "Meine
Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich
gesandt
hat, und vollende sein Werk."
In Würde zeigt Er ihnen
das Sichtbare Seines Wegs: Er IST in dieser Welt nicht für
Sich Selbst, Er IST wegen
Seiner Sendung in der Welt, beauftragt
von dem, den Er ´Vater´ nennt und den Er nur so
verstehen kann. Und
weiter deutet Er ihr Hiersein, wie kann es
anders sein, als nicht etwas Freies und Eigenes, sondern verweist
sie
in den Zusammenhang ihrer Aufgabe, die sie nach Seinem
Weggehen zu erledigen zu haben:
35 "Sagt ihr nicht
selber: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe,
ich sage
euch: Hebt eure Augen auf und seht in das Feld, denn es
ist schon reif zur Ernte. 36 Wer da
erntet, empfängt schon
[heute] seinen Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit
sich
miteinander freuen, der da sät und der da erntet. 37
Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser sät,
der andere
erntet. 38 Ich habe euch [aus]gesandt, zu ernten, was ihr nicht
gearbeitet habt; andere
haben gearbeitet, und ihr seid in ihre
Arbeit [euch zugute] gekommen."
Und Seine Jünger werden
wohl die Köpfe gesenkt haben. Schwer ist es, als
Erwachsener, in die Schul zu gehen;
jedoch Er macht es ihnen leicht: denn sie wollen und müssen Ihn immer lieben. Später, nachdem sie den Auftrag
erhalten haben und ausführen müssen,
werden sie sich heldenhaft und so gut sie können, einsetzen
für Seine
neue Welt, Sein neues Reich, und sie werden
selbstverständlich nur Erntearbeit verrichten können
und nie neue
Saat ausbringen für die Zukunft. Und was sie
verstanden haben (von den Früchten), war Seine Aufforderung
zur Liebe.
39 Es glaubten
aber an ihn viele der Samaritaner aus der Stadt um der Rede der
Frau willen,
die bezeugte: ´Er hat mir alles gesagt, was
ich getan habe.´ 40 Als nun die Samaritaner zu ihm
kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und Er blieb zwei Tage da.
[Wanderprediger sollen sich nur zwei Tage in einer Gemeinde aufhalten.]
41 Und viele mehr glaubten um
seines Wortes willen 42 und sprachen zu der Frau: "Von nun
an glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben
selber gehört und erkannt:
Dieser ist wahrlich Christus, der
Welt Heiland [Retter der Welt]."
Die Frau durfte durch seinen
Willen Zeugin werden. [Der Evglst. wird weiters durch andere
Frauen das Unsag-
bare bezeugen lassen! Ein Seitenhieb gegen die
orientalischen Männergesellschaft? Ist das vorstellbar, dass
man begonnen hat, sich der Frauen anzunehmen, oder war das nur
Marketing? Woher plötzlich Einsicht in
schreiendes Unrecht
(das bis heute gilt)? Siehe: Diakonissen (damals) in den
Urgemeinden und heute die
sogenannte Amtsfähigkeit
der Frau in der Katholischen Kirche, die nach wie vor nicht
besteht. Analog die
(religiöse?) Frauenstellung bei den
Juden und Muslimen heute.] Und die Leute kamen, waren bezaubert
vom
ernsten Liebreiz des Erwählten und baten Ihn zu sich.
Noch ist Er das Wunder von Sich und öffnet das feste
Gefüge: So wie die (jüdische an EINEN Gott
glaubende) Welt jetzt war, sollte sie nicht weiter sein. Das Ende
der Welt, die Erneuerung (auch Befreiung aus politischem Joch)
war nahe, war schon hier -nur durch Ihn.
Später müssen
Seine Jünger -in furchtbarer Einsamkeit- von Ihm zeugen und
predigen und versuchen aus
Worten (NAMEN) das was Er war (das
unTEILbare ETWAS) zu erzeigen (Nachdem der Erwählte
wegge-
gangen war, wird der Diakon Philippus hier in Samaria von
Ihm predigen und die Leute werden begeistert
sein und sie werden
sich taufen lassen).
43 Nach den zwei [guten] Tagen
aber zog Er von dort weg nach Galiläa. 44 Denn Er selber,
Jesus, bezeugte, dass ein Prophet daheim nichts gilt. 45 Als Er
nun nach Galiläa kam, nahmen
die Galiläer ihn auf, da
sie gesehen hatten alles, was Er zu Jerusalem auf dem Fest [im
Tempel]
getan hatte; denn sie waren auch zum Fest gekommen. 46
Und Jesus kam abermals nach Kana
in Galiläa, da Er das
Wasser hatte zu Wein gemacht. Und es war ein Königlicher
(Beamter),
dessen Sohn lag krank zu Kapharnaum.
Siehe Lk 4,14; 13,33, Mk
6,1-6. Durch sorgloses Kopieren Verschieben der Verse sehr wohl
möglich, sodass
die vordergründig sinnlose Bemerkung
Jesu an andere Stelle einzufügen ist. An a.O.: Der Prophet
und seine
Wunder gelten nur dort wo ein gläubiges
Verhältnis besteht (und zB. nicht in der eigenen Familie
oder unmittel-
baren Heimat, weil sie nicht glauben können,
da der Glaube die erregende Nähe der unüberbrückbaren
Distanz
haben muss). Tatsächlich kann der Prophet nur
Wunder vollbringen wenn an ihn geglaubt wird (das Wunder
WIRD mit der gläubigen Erwartungshaltung). s. auch Mt
8,5-13, Lk 7,1-10. Das vorliegende Traditionsstück
festgemacht auf den ORT Kapharnaum.
Hier der Beamte des Königs
Herodes Antipas (4 vC-39 nC), in der Regel keine gläubigen
Juden, also ein
Heide (ein ´Grieche´)! Der nun in
seiner Verzweiflung das größte Wunder erwartet.
Eigentlich unerklärlich und
hier beginnt das wahre Wunder
das zum Glauben führen soll oder das Wunder des Glaubens aus
nichts heraus,
dass das Wunder macht.
47 Dieser hörte, dass
Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging zu ihm und
bat ihn, dass
Er hinab käme und hülfe [seinetwegen]
seinem Sohn; denn er war todkrank. 48 Und Jesus
sprach zu ihm:
"Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr
nicht."
Noch wird auf das Dingliche
des Neuen, Seiner Lehre, wie missmutig hingewiesen. Alles was ist
in der Welt,
muss angesehen und angefasst werden können; das
Unvorstellbare muss Wirklichkeit sein; das Nichtbildhafte
jedoch
(das ist der eigentliche Fortschritt) soll alles Bild von der
Welt bergen: Und wer glaubt an das zu
Liebende, dem ist der erste
Schritt getan (ermöglicht) worden. Wobei hier der Beamte
bittet um seinetwillen,
er bittet, denn wer tut um
des Beamten Willen, wenn er nicht muss! [Der Evglst. will mit
Wunder- Glauben und
Forderung aufräumen. Die Juden (und die
Heiden) sollen das ETWAS was wie in der Welt ist, erkennen
nur
durch NAMEN. Ist das zielführend, auch später ohne
Ihn? Offensichtlich. Es weist schon auf die spätere
Stell-
vertretung durch das Wort (LOGOS) hin. Aber noch zuerst das
Wunder, dann der Glaube. ´Für die urchristliche
Glaubenskatechese indessen war das Wunder wichtig. Man konnte im
Konkurrenzkampf der Religionen auf sie
nicht gut verzichten.´
(J.Blank)]
49 Der Königliche spricht
zu ihm: "Herr, komm herab, ehe denn mein Kind stirbt!"
50 Jesus
spricht zu ihm: "Gehe hin, dein Sohn lebt."
Der Mensch glaubte [vertraute] dem Wort, das Jesus
zu ihm
sagte, und ging hin.
Jesus muss das Wunder tun,
jedoch indirekt, nun schon über das Wort. Der
verängstigte und doch irgendwie
getröstete Vater eilt
nun auf gut Glück allein zu seinem Kinde. Hat er keine Wahl
mehr und ist schon wahnsinnig
vor Sorge und nimmt alles an?
Versprochen hat er nichts, gedroht hat er nicht, jedoch: der
Fremde, dem
Wunder nachgesagt werden, Er hat ihm gesagt, sein
Kind lebe und dabei hat Er ihn wie durchdrungen. Und ist
der
Beamte bereits offen für das Neue und nimmt das Wort
für die Tat? Nun muss er glauben nur durch das in
majestätischer Ruhe hingeworfene Wort! Fast einen
ganzen Tagesmarsch (26 km), muss er sich vertrauensvoll
dem
Prediger überlassen. Aber das Glück ist nah: er trifft
seine Diener und die bezeugen.
51 Und indem er hinab ging,
kamen ihm seine Knechte entgegen und verkündigten ihm: "Dein
Kind lebt!" 52 Da erforschte er von ihnen die Stunde, in
welcher es besser mit ihm geworden sei;
und sie sagten zu ihm:
"Gestern zur siebenden Stunde verliess ihn das Fieber."
53 Da merkte
(erkannte) der Vater, dass es die Stunde war,
in der Jesus zu ihm gesagt hatte: ´Dein Sohn lebt.
´
Und [nun] glaubte er [an Ihn, folgte Ihm nach}, mit seinem ganzen
Hause. 54 Das ist nun das
andere Zeichen das Jesus tat, als Er
aus Judäa nach Galiläa [heim]kam.
[Erst die ´wunderbare´
Weinvermehrung, das andere Zeichen fordert den Glauben
vorher vor dem Wunder.]
Hier beginnt der Weg zum ´Christ´
werden? Warum ab nun geglaubt werden soll ist nicht sofort aus
den Text-
fortschritt ersichtlich, ein Drängendes,
Fortschreitendes wird angezeigt. Wenn das andere Wunder den Boden
so aufbereitet hatte, dass ein königlicher Beamter (der
nicht an den EINEN Gott glaubt) plötzlich glauben
musste,
wessen Glauben hat er übernommen? Kein strategisches Wort
ist gefallen: Der Beamte glaubt nicht
mit einem neuen
Verhaltenskodex, kein Gesetz ist da, nichts liegt vorerst auf der
Hand: der Mensch glaubt
einfach hingebungsvoll vertrauensvoll
geborgen, hat zu glauben begonnen, gedrückt durch die
Situation in
einer verzweifelten aber hoffnungsvollen
Kindchenhaltung. Aus dem Wunder heraus oder auch aus nichts
heraus in ein -plötzlich- glückhaftes Eingebettetsein
zu kommen? Ist das möglich / erwünscht? Er startet vom
Heiden (mit beliebig vielen Göttern) in die (königlich
oder priesterlich) messianische (Gottes)Welt, die ihm
nichts
bedeuten kann. Nein! Er begibt sich in Jesu Welt, in die, von
Liebesschwaden, von sinnlicher Sehnsucht
volle, nach liebevoller
Aufnahme irisierende, glühend glosende Welt des Offenbarers!
Was immer an Nach-
denkbaren in dieser Religion enthalten
ist, es ist nicht das Antreibende! Was Jesus zeigt ist nicht
zuerst
bedenkenswert sondern einleuchtend, erleuchtend und wie
gesetzlich: Er weist auf den Urstoff der Existenz:
Auf die am
Kampf ums Dasein nicht beteiligte, immer unbefriedigte Sehnsucht
nach liebevoller Aufnahme
und hoffnungsvoller Hingabe. Er ist
das Nest, Er ist die (menschgewordene) Möglichkeit.
Und für den Beamten,
den das ´Gesetz´ der Juden
egal ist, bietet sich (in aller Vorsicht) der einzige Weg: sich
ins Schicksal zu finden
und glauben dass alles sein gutes, sein
wahrhaftes Ende finden werde... Und später werde man
wert sein,
Seiner Liebe zu genügen (obwohl Er alle liebt
-nur für ihr Hiersein). Und wieweit ist das vom Evglstn.
noch
kalkulierbar? Erzählt er von einem Wanderprediger der
ergreifender ist als der ´Vater´? Weil Er
begreifbar
anfassbar IST? Dem es gegeben IST und immer
sein WIRD, die (gottlos lieblose) Finsternis der Menschen
zu
erhellen?
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