Das 5.Kapitel

Er heilt und beginnt dem Volk von Sich zu erzählen. Er versucht das Unmögliche: Für Sich zu zeugen, zwar mit dem Täufer,
aber konkret ohne zweiten Zeugen.

[Diese Wundergeschichte entspricht in manchen den Heilungsgeschichten der Synoptiker. Jedoch wird
hier nicht (nur) Heilung demonstriert, sondern Heilung am Sabbat! Zur Textfolge: Gewichtige Gründe gibt
es, Kapitel 6 dem Kapitel 4 folgen zu lassen, während Kapitel 5 auf Kapitel 6 folgen könne, ein Teil von
Kapitel 7 müsste davor eingebaut werden. Uns soll es jedoch, so wie es kanonisch vorliegt, recht sein,
weil alles Bemühen die Textschichten ´sinnvoller´ zu machen letztlich vor der vorliegenden ´Ordnung´ aus
vielen Gründen kapitulieren muss, denn das heillose Durcheinander kann in sich ungeordnet neu Über-
greifendes bergen...]

1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf gegen Jerusalem. 2 Es ist aber zu
Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, das hebräisch heisst Bethzathá (= Haus der Gnade)
das fünf Hallen hat, 3 in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte (Ausge-
zehrte)*

* In einer späteren Überlieferung wurden die Verse 3b, 4 als Erklärung für Vers 7 eingefügt:

3b Sie warteten, wann sich das Wasser bewegte, 4 denn ein Engel des Herrn fuhr herab
von Zeit zu Zeit in den Teich und brachte ihn in Wallung. Wer nun zuerst nach der Wallung
ins Wasser stieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war.

[Die Bewegung des Wasser kann von einer intermittierenden Quelle verursacht sein (zB wie im Siloah-
teich. Engel: Wohl werden hier die ursprünglich im alten Parsismus beheimateten, geschlechtslosen und
immerlebenden Boten des vorexilischen AT gemeint, vielleicht auch schon die aus dem ´himmlischen
Hofstaat´. Tatsächlich geht es um die Darstellung eines Zustands, den der Kranke für sich nicht nützen
kann. Siehe W.Jens: ´Wer aber den Engel am nächsten kam, der wurde gesund, einerlei, an welcher
Krankheit er litt.´]

5 Es war aber ein Mensch dort, der war achtunddreissig Jahre in seiner Krankheit. 6 Den
sah
Jesus wie er da lag, und vernahm, dass er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm:
"Willst du gesund werden?"

Jesus muss auf alle zugehen und sich einmischen. Es ist nicht normaltriefendes Mitgefühl sondern kühles
Fragen ob jener WERDEN will nach Seiner Ordnung (die Er noch nicht erfüllen durfte; auch in dreister
Übertragung: Der Kranke hat seine Möglichkeiten noch nicht ausschöpfen können/dürfen). Der Evglst.
führt in diese traditionelle Geschichte hinein. Dann wird demonstriert was der Erwartete mit dem
´Gesetz´ macht, wenn Er meint eingreifen zu müssen. Manche Liebhaber und Exegeten des Joh.Evglms.
reden vom Versuch des ´Vatermords´ den Jesus unternimmt. Sie erkennen mit der (großartigen)
Mechanik der Psychoanalyse das rückbezügliche Verhalten (´Anliegen´) des Sohns als Widerstand
gegen den ´Vater´ wieder. Das muss, wenn es so ist, Seine Arbeit nicht entwerten; aber es kann auch
gewesen sein, dass Er aus übervollem Verstand, mit glühender Seele, meinte, das lehren zu müssen,
was Er (naiv?) verstand von Seinem VaterGott. Wusste sich Eins mit Seinem ´Vater´ und doch dabei in
die Menschen-Zivilisation entweichend, der Menschen Sohn werdend und zum Mensch der Menschen
geworden. Und hatte sie nie verlassen können die Welt Seines Volks; das Eindeutige war Ihm nicht
wirklich wichtig bedenkbar, denn die ungebrochene Frische Seines Wissens von Seiner Aufgabe
schützte Ihn vorm wie zweifachen Existieren: Er galt nur für Sich durch den ´Vater´ und so war Er frei und
unwiderlegbar. Damit war Er nicht nur mit der Obrigkeit überworfen, in Seinem Aufbruchhandeln zerbrach
Er schuldig schuldlos Sein Herkommen und musste (auch) dafür bezahlen. Jedoch: Viele meinen
höheres (wie sorgenfreies) Kalkül darin zu erkennen... In ihrem sklavischen Streben nach Ausgleich und
Existenzkomfort
konstruieren sie um das strategische Hiersein des Erwählten einen Grund ansich und
so ist das schrecklich aussichtslose Geschehen in der Menschen ´Ordnung´ wieder einfügbar. Trotzdem
bleibt Seine schillernde, zielarme, masslose und nonverbale Unruhe in der Welt zurück als das Unbe-
greifliche, das Unendliche, das nach dem klärenden, schichtenden, beschwörenden Wort in die Tat
Aufbrechende!

7 Der Kranke antwortete ihm: "Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich legt,
wenn das Wasser sich bewegt, und wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir
hinein." 8 Jesus spricht zu ihm: "Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin!" 9 Und alsbald
ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.

Sein Wort: Er muss nicht mehr berühren, und schon ist alles anders; nun muss Er nur mehr hinführen
mittels Wort und ist so ins Licht Seines ´Vaters´ getreten, Er WIRD wie der ´Vater´. Und die Menschen,
die durch Sein Wort aufgenommen wurden, werden Ihm angehörig und müssen dann nur mehr mit eigener
Kraft übertreten, eintreten in Seine Offenbarung. Wenn sie die Schwelle ihrer eigenen Hoffnungslosigkeit
überschritten haben, sind sie in Seiner Welt, die voll Bewegung und Hoffnung ist. Und den Erwählten wird
treffen der geballte, angstvolle Hass der nichthörenden, unbeweglichen, ´gesetzestreuen´ Juden; sahen
sie doch den Lahmen sein Bett tragen durch die Gruppe der Juden zum Teich.

Es war aber desselben Tages der Sabbat. 10 Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten:
"Es ist Sabbat, du darfst nicht das Bett zu tragen."

"Wenn es irgendeine ´christliche´ Urkunde des Judenhasses im Abendland gibt, so liegt sie in Gestalt des
Joh.Evglms. vor, das wie kein anderes sonst die ´Liebe´ zu einem ´neuen Gebot´ erhebt." (E.Drewermann)
Drewermanns Versuch, den Juden NAMEN wie ´Gottesbesitzer´ zuzuordnen und sie nicht als verab-
scheuend ´normale´ Bevölkerung gelten zu lassen, hilft leider nicht. Überall schimmert auch da, trotz aller
Versuche der Übersetzung, die ´christliche´ Verachtung des Evglstn. durch, oder genauer: seine not-
wendig judenhassende Romfreundlichkeit, da zZ des Textens die Juden sich aus dem römischen Joch
entwinden suchten, dies aber verbergen mussten. Eine später aufgekommene, besonders abscheuliche
Haltung der ´christlichen´ Kirchen, durch fortwährendes Schüren gegen die Juden (Christusmörder!) , die ´
christliche´ Bevölkerung mit dem Gift des Judenhasses aufzuladen und zu legitimieren, rundet die
Praktizierung der ´Religion der Liebe´ ab und deutet zynisch die Jahrhunderte währende bestialische
Sektiererei der Kirche(n) bis zum Höhepunkt: den Schulterschluss mit einem ´Freidenker´, der sich nur
der ´Vorsehung´ verpflichtet fand, die Kirchen verachtete, jedoch ihnen in seinem Machtbereich ein
sicheres Einkommen (Kirchensteuer!!) verschaffte...

11 Er antwortete ihnen: "Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf
und geh hin." 12 Da fragten sie ihn: "Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett
auf und geh hin?" 13 Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus hatte sich
entfernt [war gewichen], weil eine Volksmenge an dem Ort war.

Das ist keine Bescheidenheit: Er muss weg, wird Sich immer schützen müssen. Bis zuletzt.

14 Danach findet Jesus ihn im Tempel, und Er sprach zu ihm: "Da! Du bist gesund gewor-
den. Sündige nicht mehr, dass dir nichts Schlimmeres wird!"

Die nachsorgende Ermahnung noch in der Tradition des jüdischen Vergeltungsglaubens der Krankheit
auf Sünde zurückführt (R.Bultmann). Und: An diesen Tag war Sabbat. Und das ist der Ruhetag für Mensch
und Vieh. Und auch der Schöpfer (so erzählen es seine Kinder) ruhte sich am siebenten Tag aus. Die
Beschneidung und die Sabbatruhe, das ist Gesetzestreue. Jede Verletzung ruft die Fundamentalisten auf
den Plan. Hier reine Provokation den Sabbat zu verletzen? Jedoch in Mt 12,8: »Der Menschen Sohn ist
ein Herr über den Sabbat«. Das wird breit entwickelt. Der Evglst. zeigt ab nun, dass Er sich nicht um das
Gesetz kümmern muss, denn Er ist in der Lage es neu zu schaffen. Gelassen, in der sich zuspitzenden
Situation mahnt Er den nun nicht mehr armen Kranken zum gottgefälligen Leben.

15 Der Mensch ging hin und verkündete es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund
gemacht habe. 16 Und darum verfolgten die Juden Jesus [und suchten ihn zu töten], weil
Er solches getan hatte am Sabbat. 17 Er aber antwortete ihnen: "Mein Vater wirket bis heute
[ohne den Sabbat achten (zu müssen)], und ich wirke auch." 18 Deshalb suchten die Juden
noch mehr, ihn zu töten, weil Er nicht allein den Sabbat auflöste, sondern auch Gott seinen
eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte.

Hat der vormals Kranke nun Jesus, ohne es zu wollen, denunziert? Und bleibt wohl bei seinen netten
Leuten (die ihm nicht an den Teich geholfen hatten, weil er verabscheuungswürdig gebrestig war?). Es
ist seine Heimat und um unversehrt in ihr leben zu können, zeigt er heiter auf seinen Retter. Er antwortet,
offensichtlich schon umringt, bedrängt? von der Menge, der nichts recht sein kann, ausgenommen das,
was sie von der Welt wissen (was die Welt ihr zukommen hat lassen..). Und die Juden schliessen aus
dem ´Mein Vater´ nicht die Beziehung des Sohns zum Vater, sondern naiv richtig das Ketzerische wie
Gott sein zu wollen (Gottes Erwählter, Gottes Liebling sein müssen). Und was auch immer der Ersehnte
weiss von Seiner Welt: unser Wissen kann es nur werden, wenn wir durch Ihn hineingelebt werden in
Seine Welt. Das ist aber so einfach nicht möglich und alles was der Evglst. hier meint ist aussichtslos:
Die Offenbarung des Einzigen hilft nicht zur Legitimation: die Menge um Ihn schüttelt sich vor Hass, der
genährt wird aus fatal infantiler Deckerinnerung und ängstlich armseligen Wunsch nach Verstehen, Über-
sicht, Ordnung. Sie hassen Ihn, weil sie bei Ihm die unterwerfend ´gottgefällige Frömmigkeit´ (wie die
Priester sie von ihnen verlangen) vermissen; sie werden nicht wissend werden können über Seine
Wahrheit von Sich; sie werden immer den grausigen Part der unerleuchteten, unaufgeklärten Menschen
spielen müssen. Und das ist nun die Frage, ob die -sagen wir mal- Schuldigen (=die Juden) auch
unschuldig
Schuld auf sich laden können, und nur durch ihr Hiersein in der Welt, zuerst Kinder der
Finsternis sind und auch bleiben müssen (wenn das Wunder ausbleibt!)! Der Ersehnte tritt herein in
diese Welt und kann nicht jedem Schuldigen Sein Wort geben, weil sie es nicht aufnehmen können. Er
lehrt:

19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: "Amen, Amen, ich sage euch: Der Sohn kann
nichts von sich [aus] selbst tun, ausser was er den Vater tun sieht; denn was [immer] der
tut, das tut ebenso auch der Sohn. 20 Denn der Vater hat den Sohn lieb [denn der Vater
ist dem Sohn Freund] und zeigt ihm alles, was er selbst tut. Ja, noch größere Werke als
diese wird er ihm zeigen, damit ihr euch wundert! 21 Denn wie der Vater die Toten aufer-
weckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. 22 Denn der
Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben [W.Jens: ´Sei du
in allem der Richter.´], 23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. [Und darum
gilt:] Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat."

Die logische Klammer in der Offenbarung: der ´Sohn´ wird eingerichtet in die unantastbare Mächtigkeit
des ´Vaters´. Wer dem widerspricht, widerspricht dem Höchsten... Gericht: Das wachsende Bewusstsein,
dass Jahwe nicht immer im Leben Gericht üben werde und auch im Totenreich Macht habe und dort die
Gerechten von den Ungerechten aus ihren dämmernden Todesschlaf erwecken würde, erweitert die bis-
herige Lebensplanung. Mit der zunehmenden Hoffnung auf ein (wenn auch Gestalt gewandeltes) Leben
nach dem Tode verändert sich (für Einige) die Vorstellung vom leistungsorientierten Glauben (Befolgen
der ´Gesetze´, Kulte) zum (wie automatisch, schon durch das Hiersein!) Gott gefälligen Leben, glücklich
bedankt und gesichert durch Taten aus Fürsorglichkeit (sozialer Nächstenliebe, die Jesus unbedingt
fordert). Mit dem Versuch der Öffnung des Jahwe-Kults zum (auch hellenistisch) erweckten Bewusstsein
des Glaubens an das Höchste, höchst Geordnete und Organisierte, soll der (wie frei und neu) Glaubende
 die Schwelle einer Art unterstellten Kindchen-Haltung, mit Hilfe des Gesandten, überschreiten und sich
einordnen ins neue Rechte (=richtige) Leben. Wie weit Angst vor göttlicher Bestrafung oder der innige
Wunsch nach transzendentem Denken und daraus WERDENDER Harmonie mit dem Ersehnten, den
Einzelnen führen wird, ist nicht wirklich wichtig zu wissen, da alles folgende ´Gericht´ (für uns heute) kein
allgemein weltlicher Prozess sein kann, sondern TEIL des Gewissens und ausserhalb von ZEIT und ORT.
Gewissen, die (erlernte wie aufgezwungene) Vorstellung von einer (ethischen?) Ordnung der Welt (der
Ordnung). Die sich entwickelnde Erweiterung vom (jüdischen) VaterGott zum (dessen liebevollen Willen)
interpretierenden ´Sohn´, der auf die Ordnung und Barmherzigkeit des ´Vaters´ wie erneuernd verweist,
wird verfremdet und belastet durch den politischen Zwang der Geistlichkeit, sich zur neuen (Gebots
schwächeren) Doktrin zu bekennen oder sie zu verwerfen. Die (nur im Rückblick! hineindenkbare) Ab-
bruchkante des Christentums vom Judentum scheint dort zu sein, wo allein der Glaube an die Sendung
des ´Sohns´ genügt die Gottgewissheit (die Gewissheit in Gott geborgen zu sein) für sich zu erzeugen
und wo die alleinige Herrlichkeit des Gottes (aller Götter) plötzlich geTEILT wird durch einen interpre-
tierenden
´Sohn´. Hinzu kommt die straflose Aufweichung der ´gesetzlichen´ Unterscheidungskriterien
die im Selbstverständnis der Juden eine entscheidende Rolle spielen (Howard C.Kee).
[Weder die Gebote der Beschneidung noch die Speisevorschriften werden im neuen Gottesvolk in Kraft
sein. Analog modifizierte der große Paulus (Jahrzehnte vor den Evgln.!) die alte Idee des Kults zur rechten
Zuarbeitung (Hinlebung zum ´Vater´) derart, dass zum ´Sohne´ hingelebt werden müsse. 2.Kor 5,9:
»Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohl-
gefallen. 10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder empfange,
nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. 11 Weil wir nun wissen, dass der
Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen; aber vor Gott sind wir offenbar [geöffnet und durch-
schaubar]« Paulus verweist auf die Mensch-Gefälligkeit. Lehrt er doch, dass nur Seine Gnade und nicht
Menschen-Tat allein erlösen kann. Keine Rede mehr ist vom Zuarbeiten zum ´Vater´.]
Der ´Sohn´spricht vom ´Vater´ und dessen gütiger Kontrolle über das Rechte in der Welt und davon, dass
an Ihn delegiert wurde (eigentlich wird eine Göttergeschichte erzählt). Er will in Frieden ordnen und ermun-
tern; soll also das Kriegerische des davidischen Messias endgültig aus der Erwartung des Volks verlernt
werden? Der Messias wird also nicht mit klingenden Spiel in die Hauptstadt einmarschieren und Israel
von den Römern (und deren Göttern) befreien? Daran ist nicht (mehr) zu denken, Er, der ´Sohn´! verhindert
jedes Denken daran! Aktuell bei Abfassung des Textes hat der Evglst. jedoch einen den Scherbenhaufen
vor sich: keine Hoffnung auf den Rückzug Roms: im Gegenteil, es ist alles (nach Titus) noch schlimmer
geworden. Also, der (noch zu salbende) König (oder eher der priesterliche ´Gerechte´?) kann nur von einer
Welt im INNEN sprechen; wohl wird der Evglst. nicht aufgeben den Versuch, durch den Menschen Jesus
auf auf das Verheissende zu weisen, wenn auch delikat verschleiert, entsprechend der politischen Lage
(nur getragen durch die blutigrote Auferstehung...). Leicht kann der sich daran wie schutzsuchend erbau-
ende Leser vergessen das zwiespältige Wissen des Autors (und auch der judenchristlichen Gemeinde!):
Hier die Quellenlage für den Evglstn. und die Tatsache von der aktuell hoffnungslos gewordenen Situation.
Wie soll das endzeitliche Erwarten der Wiederkunft Christi im dauernd sich fortschreibenden zeitgeist-
lichen Bewusstsein der Gemeinde am Leben erhalten werden? Wie fromm und hoffnungsvoll soll die
Gemeinde gehalten werden? Oder hat schon gereicht das Wunder der Auferstehung? (Hier in diesem
Evglm. das einen ´Fremden´ beschreibt, der mit dem Gärtner verwechselt, der am See nicht sofort er-
kannt wird...) Kann der alles durchdringende Gedanke der Hoffnung Halt machen vor der jämmerlichen
Lage und die Gemeinde befreiend eröffnen? Ist nicht dieses Evglm. schon ausserhalb der bedrängten
jüdischen und jeder anderen Welt? Sind nicht die letzten Dinge nicht nur nicht geschehen, sondern sowieso
auch völlig unwichtig, anbetracht des mächtigen Umfelds, was sollte da der exklusive Gott des Kleinstaats
Israel schon veranlassen können? Musste nicht zwangsläufig aus Israel herausgedacht werden in die (allgemeingültige, verallgemeinernde) Fremde, in ein Weltgottsystem hinein? Ist das hier so angelegt worden? In das GANZE in Ihm, Er der LOGOS, der Vermittler und zugleich wie der ´Vater´? Den Übertritt in alle Welt vorbereitend? Der
Ersehnte, nun Sich direkter meinend:

24 "Amen, Amen, ich sage euch: Wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich [aus]ge-
sandt hat, [der] hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern hinübergeschritten
ist er vom Tod ins Leben.

...nach dem Tod des Leibes nun als Seele ins immerwährende Leben in Gott... Hier (noch) nicht die
hellenistische -vom Leib unabhängige- ´Seele´, sondern noch die Bedeutung im AT als ausgeströmte
Lebenskraft (meine Seele) des Verstorbenen und Er, der Helfer, der den Erhellten das Leben verheisst...

25 Amen, Amen, ich sage euch, dass die Stunde kommt und jetzt ist sie, da die Toten hören
werden die Stimme des Gottessohns, und zum Hören gekommen, werden sie leben. 26
Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu
haben in sich selbst. 27 Auch hat er ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er [der]
Menschen Sohn ist. 28 Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle,
die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 29 und hervorkommen werden: die das Gute
getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Schlechtes verübt, zur Auferstehung
des Gerichts.

Dan 12,2: »Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem
Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu.« Der Prophet Daniel ist sehr wichtig für das NT,
greift er doch sehr weit vor ins aktuelle Geschehen, eigentlich formt sich das NT zu ihm zurück. Hier werden
nicht (nur) die im Alten Orient üblichen seelenlosen mehrschichtigen Lebenszeiten, wartend in der Unter-
welt, als Schatten-Dasein im Tod gemeint; eben wird begonnen zu Überwinden das bislang gerichtslose
Verbleiben des Verstorbenen, ob gerecht oder nicht. Man hatte auf den ´Tag Jahwes´ vergebens gewartet.
Jetzt aber war sie da, die Erweiterung des Daseins durch Ihn, den Menschensohn, Der das Gericht am
Jüngsten Tag Sein wird und mit Ihm ist auch schon die glorreiche Zeit angebrochen und der jenseitige
(erhöhte Himmel-) ORT gefunden. Wie um das Karma zu verbessern, wird den Menschen (wieder einmal)
gegeben die Wahl, sich gerecht zu halten. Aber: Es zählt nicht (nur) mehr das fromme Verhalten, sondern
(auch) die gute Tat aus (tugendhafter) Nächstenliebe. Siehe den weiterführenden, herrlichen Text in
Mt 25,31-46!

30 Ich kann von mir nichts selber tun! Wie ich [vom Vater] höre so richte ich, und mein
Gericht ist gerecht, denn nicht suche ich meinen eigenen Willen, sondern den Willen
dessen, der mich gesandt hat."

Und weiter: Er will Sein Recht (ein sensationell ungeheurer Anspruch als Mensch!) Sich den Juden zu
offenbaren, darzulegen:

31 "Wenn [nur] ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. 32 Ein anderer
ist es, der von mir zeugt, und ich weiss, dass das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt.
33 Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit [Wahrhaftigkeit] Zeugnis gegeben."

Wieder muss der Chef der Täufer-Sekte herhalten und er gibt das wahre wirkliche Zeugnis (des in der
Welt Gottes Lebenden), weil er sich weggibt. Nun wird rückbezüglich verifiziert: dieses Zeugnis soll be-
zeugen. Aber der Evglst. verliert die Geduld: [sein] Jesus muss noch mehr aus Sich heraus: Nun soll alles
gesagt werden: Er ist der Beweis selbst. Und so soll es ab jetzt immer sein, Er wird später, wie selbst-
verständlich (aber nur hier, nicht bei den Synoptikern), Sich wie selbstverständlich bezeugen! So schmerz-
lich es ist, immer wieder muss auf die Quellenlage verwiesen werden: der Erhoffte hat das Wenige das
Er gesagt hat, nur nah dem ETWAS (der uns zugängigen Wahrheit der Welt) gesagt: verformt in trunkener
Erinnerung hat der Evglst. und sein Team, Sein Wort hier nun, erleuchtet ausgeführt...

34 "Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen an [ich brauche das nicht], sondern
dies sage ich [nur], damit ihr errettet [und selig] werdet. 35 Jener war die brennende und
scheinende Lampe; ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Licht fröhlich sein. 36 Ich aber
habe das Zeugnis [die Bürgschaft], das größer ist als das [Bekenntnis] des Johannes; denn
die Werke, die der Vater mir gegeben hat, dass ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich
tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat."

Dieser Mensch spricht von Sich als lebte Er in der Wirklichkeit der Welt Seines VaterGottes; Er bedarf
keines Zeugnis eines Menschen. War auch das Zeugnis des Johannes nur soviel wert als er selbst ernst-
haft von den Juden akzeptiert worden war, also recht wenig. Alle beehrende Ehre der Menschen kann den
Offenbarer nicht interessieren. Wohl lässt Er sich lehrend mit Menschen auf das Reden über das Zeugnis
ein, Er scheint jedoch sehr fern und Er spricht nur der Verständigung willen, des Hörens -nicht des
Erhörens- der Zuhörer. Ist das leerer Wahn des Wanderpredigers oder das -nicht nur von der ungeduldigen
Redaktion- hineingearbeitete Wort einer Existenz die in der höchsten Wahrheit (wie in Gott) lebt? Und wie
spielerisch verbittert spricht Er weiter, fast trotzig:

37 "Und der Vater, der mich gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt
weder jemals seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, 38 und sein Wort habt ihr
nicht bleibend in euch; denn dem, den er gesandt hat, dem glaubt ihr nicht.

Siehe in Mt 3,16, da sprudelt eine synoptische Quelle...

39 Ihr erforscht [durchforscht] die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben,
und [jedoch] sie sind es, die von mir zeugen; 40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr
Leben habt. 41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen [Verherrlichung von Menschen nehme
ich nicht an]; 42 sondern ich kenne euch, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt. 43
ICH BIN in meines Vaters Namen [in seiner Wesensart] gekommen, und ihr nehmet mich
nicht an. Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.

Siehe Mt 24,4: »Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: "Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.
5 Denn es werden viele kommen unter Meinem Namen und sagen: ICH BIN der Christus, und sie werden
viele verführen."« Die Zeit war voll von Wanderpredigern die die Messias-Erwartung des Volks der Juden
für sich nutzten. Bis letztendlich die Zeloten wieder die nationale Frage aufgriffen, nicht auf einen
(priesterlichen) König warten wollten, sondern die Freiheit von Rom anstrebten. Darauf antwortete ver-
nichtend Titus und als dann -noch später- der ´Sternensohn´ Simon Bar-Kochba zum Volk kam und
handelte, zerstörte Hadrian Jerusalem, zerstreute die Juden in alle Welt und erbaute anschliessend die
neue Stadt Colonia Aelia Capitolina.

44 Wie könnt ihr glauben, die ihr [nur] Ehre voneinander nehmt [euch untereinander verehrt]
und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? 45 Meint nicht, dass ich euch
bei dem Vater verklagen werde; [aber] da ist [einer], der euch verklagt, Moses, auf den ihr
eure Hoffnung gesetzt habt. 46 Denn wenn ihr Moses glaubtet [vertrauet], so würdet ihr mir
glauben [vertrauen], denn er hat von mir geschrieben.

Siehe 5.Mose 18,15: "Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus dir und
aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen." Dazu weiter noch einige Hinweise über die Qualität der
Arbeit des Propheten...

47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?"

Sie sträuben sich gegen den Luxus Seiner Liebe und Seiner Freundschaft, die ein Öffnen ihrer erstarrten
Seelen erzwingen soll. Auch ist er kein Studierter und kann die Schrift nicht (für sich) auslegen. Und:
geliebt werden, ohne dass sie dafür eine gottgefällige Leistung erbracht hatten, das durfte und konnte es
nicht mehr (wie in Kindertagen und in der Frühzeit des Bundes) geben. Heute gab es nur die harte und
gerechte Liebe des EINZIGEN Gottes. Der Mann da, der Sich ´Sohn´ des ´Vaters´ nannte, ein unbe-
kannter Wanderprediger aus Galiläa(!), Er war nichts und was Er verkündete war grotesk, absurd, frech
und nicht möglich. Er war nicht vertrauenswürdig. Und der eingearbeitete Verweis auf Moses zeigt (noch)
auf die Bemühung der (judenchristlichen) Redaktion, das Christentum (die Arbeit Jesu!) direkt vom Juden-
tum herleiten zu können. So sind die großen Reden des Erwählten wohl im Kern in Seinem Sinne. Da
dieses Evglm. eher für die ´Griechen´ und für fortschrittliche Gläubige geschaffen wurde (die Wunder-
welten nicht mehr brauchten), ist die hier ausgewogene, gedankenreiche -wie philosophische- Theologie
zusätzlich vom Team des Evglstn. eingearbeitet worden. Gut möglich ist eine erwünschte Gesamtaussage
für Juden und Nichtjuden (also über die Synoptiker hinaus).

03-1996//07-2005//02-2006//07-2008//