Das 6.Kapitel

Der Erwählte bietet Sich den Glaubenden sinnhaft als Speise dar. Er beschützt die Seinen und als die Gelangweilten und Zaudernden Ihn verlassen wollen lässt Er sie ziehen.

[Siehe Mt 14,13-21 und Mt 15,32-39; Mk 6,30-44 und Mk 8,1-10; Lk 9,10-17. Siehe die Speisewunder im AT: Ex 15,22-25, Ex 16,1-36; 1Kön 17,8-16; 2Kön 2,19-22, 2Kön 4,1-7, 2Kön 4,38-41, 2Kön 4,42-44; etc. Der Evglst. hat ein Traditionsstück aufgenommen, das auch ausserhalb der Bibel in den Mythen verankert ist. Hier ist nicht das Wunder (und dessen Erklärung?) die Hauptsache, sondern die Auseinandersetzung Jesu mit den begeisterten Massen. Auch eine kleine Unordnung der Kapitel ist zu beachten, s letzter ORT im 5.Kapitel]

1 Danach ging Jesus weg, ans andere Ufer des Sees von Tiberias [in Galiläa]. 2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die Er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.

Das Volk verfolgt ihn. Sie wollen weitere Wunder sehen. Sie meinen nun den Messias gefunden zu haben, und das zum Passahfest! [Passah: Jüdisches Hauptfest. Ursprünglich wohl ein nomadischer, Unheil abwehrender, Blutritus. Nach der ´Landnahme´ Verbindung mit dem bäuerlichen Frühlingsfest der ´Ungesäuerten Brote´. In der Zeit Jesu (auch) Dankfeier gegenüber dem Bundes-Gott für die Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft. Das Blut (des Opferlamms) soll nun die ´Kinder des Volkes´ schützen. Luther: ´Passah, der Juden Ostern´.] Er, der Messias, soll ihnen die Wunder zeigen und soll sie königlich aus dem Elend hier führen und Er soll sie bedenken, soll sie nähren. Der Erwartete weiss vom dinglichen Wunsch der Fünftausend. Er geht auf einen Berg und obwohl Er weiss dass sie nur das Mögliche fordern, wird Er sich um das Unmögliche kümmern und sie mit Leben versorgen.

4 Es war aber nahe Ostern, der Juden Fest. 5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: „Wo kaufen wir Brot, dass diese essen?“ 6 (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wusste wohl, was er tun wollte.) 7 Philippus antwortete ihm: „Für zweihundert Groschen Brot ist nicht genug für sie, dass ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme [bekäme].

Details. Natürlich wissen wir und der Evglst. dass hier um dieses Geld nur 1500 Fladenbrote gekauft werden können, dass keine Fünftausend versorgt werden können. Aber es geht um mehr. Er weiss, dass Er die Menschen versorgen wird und Er wird sie in ihrer kopflosen Freude an die verheissende Zeit glauben lassen von der geschrieben steht: ´Siehe, ich will auf euch Brot vom Himmel regnen lassen´. Seine Jünger glauben nicht an ein Wunder und erörtern ernsthaft das Problem.

8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 „Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?“ 10 Jesus aber sprach: „Schaffet, dass sich das Volk lagert.“ Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich die fünftausend Menschen. 11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten.

[Lk und Mt übernahmen von Markus die Speisung der 5000. Bei Markus ist das so: Mk 6,35 »Als nun der Tag fast vorüber war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Es ist öde hier, und der Tag ist fast vorüber; 36 lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen, denn sie haben nichts zu essen. 37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben? 38 Er aber sprach zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Geht hin und seht! Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische. 39 Und er gebot ihnen, dass sie sich alle lagerten, wie an Tischen, auf das grüne Gras. 40 Und sie setzten sich, in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. 41 Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf gegen Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. 42 Und sie aßen alle und wurden satt. 43 Und sie sammelten die Brocken ein, zwölf Körbe voll, und von den Fischen. 44 Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Mann.«]
Der Offenbarer lässt sie lagern, entsprechend der Verheissung: »Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen: Er lässt mich lagern [weiden] auf grünen Auen...«. Der Messias
dankt (segnet) und teilt die (kleinen, dürftigen) Fische und das (einfache, bescheidene) Brot. Er gibt das Brot seinen Jüngern und da ist das Indirekte der Speisung (=der spätere Auftrag) versteckt: Er dankt und organisiert das Weitere. Er kümmert sich als Verursacher; Er ist der Beginn aller Welt, das Folgende ergibt sich durch die Beschenkten. Wenn Er IST, ist gesorgt für alle. Es bedarf keines Wunders. Durch Ihn und Seinem Wunsch sie zu sättigen, WERDEN sie satt und froh im Glauben. Seine Zuwendung, die weit über das jüdische Gebot, Obsorgen den Armen, geht, erfüllt sie mit dem Nötigen. Und: ´Die Gaben der Erde werden zum Zeichen Christi´ (G.Ravasi). Selbstverständlich haben die recht die sagen, dass es nicht möglich ist, mit fünf Broten und zwei Fischen, 5000 Männer mit ihre Familien zu sättigen. Jesus steht nicht für das Mögliche ein; Sein Wirken ist aus der Welt weisend.

12 Als sie aber satt waren, sprach Er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.“ 13 Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken, die übrig blieben denen, die gespeist worden waren.

Dass es 12 Körbe sind ist kein Zufall. Damit sind die zwölf Stämme Israels gemeint, die sich unter dem Erwarteten metaphorisch vereinen. Siehe auch die Zahl der Apostel. Das, durch die Danksagung an die Schöpfung alles Lebens, vermehrte Brot muss gesammelt werden. Auch entspricht es der jüdischen Tischsitte. Dass am Schluss mehr Nahrung ist als am Anfang, das soll das erweiterte Wunder aufzeigen; das Unmögliche WIRD wenn der Ersehnte es will und wenn Glaube und Hoffnung (geworden) IST in den Menschen.

14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ 15 Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen [haschen], um (ihm) zum König zu machen, entwich Er abermals auf den Berg, Er selbst allein.

Der Evglst. hatte (wie alle anderen Evglstn.) -durch Jesu Ermordung- [Mord bleibt Mord und kann nie durch einstiges oder heutiges ´Recht´ legalisiert werden!] keine Möglichkeit (für Seine Lichtgestalt!) die Erwartungshaltung der Juden, dess mit Feuer und Schwert kommenden Messias und Königs der Juden, zu befriedigen. Die aktuelle Lage der Urkirche war nicht so, dass sie auf eine (übliche) heroisch volkstümliche Ausschmückung ihres Herkommens verzichten konnte, jedoch die Tatsachen waren erdrückend: das als Offenbarungsgut seit Jahrhunderten in Schriftform (siehe Jesaja und andere Propheten) vorliegende Ziel der Mahnung, Befreiung und Erlösung der Juden, hatte der Offenbarer nicht erreicht, sondern Er war im Vorfeld jedes Handelns bereits gescheitert. Er war nicht der kampfbereite, zu salbende und unantastbare König gewesen; durch Sein Versagen verkümmerte im Volke die ´davidische´ Messiaserwartung nicht [sie warten weiter bis heute]. Er wurde durch Pfingstrede des Petrus und Interpretation des großen Paulus zum priesterlichen Erlöser. Das große Geheimnis und Wunder Jesu aber entstand mit dem wachsenden Aufkommen Seiner charismatischen Gestalt im kollektiven Gedächtnis glaubensbereiter Menschen, deren Denken -gerade wegen Seiner Ohnmacht vor dem Tode- frei wurde für die Vorstellung von einem wahrhaften Reich das nicht in dieser Welt war. Und was Er den Armen und Machtlosen predigte, hatte Ihn wohl für die Obrigkeit eher nützlich als gefährlich gemacht. Wenn Er sich trotz kopfschüttelnden Widerstands Seiner Familie und ohne weiterführende Ausbildung zum Gelehrten, Sich eingelassen hatte auf eine gefährliche theologische Auseinandersetzung mit den Pharisäern (aktuell damals mit den Sadduzäern); ihnen entgegengehalten hat das Bild von der Welt in der nur der Wille zum Guten gilt und der Glaube an den Geist der ´Gesetze´ den Bund mit Gott bereits schafft, und Er Sprecher [Wort] Seines ´Vaters´ sei, so hatte Er damit Sein Schicksal besiegelt. War sich (der historische) Jesus der Erwartung des Volks über die Aufgabe des Messias bewusst? Widersprach Er ihr (aus Furcht?) vom Anfang an, indem Er sich als der ´priesterliche´ Menschensohn zeigte, der statt Kampf (nur!) Nächstenliebe, Feindesliebe und Befreiung von den erstarrenden ´Gesetzen´ predigte? Wurde die Menge zuerst von seinen Wundern eingefangen und dann schmerzlich aufgeklärt, dass Er nicht einmal im Traume daran denken konnte, sie aus der Römerunfreiheit zu führen? Konnte für Sich (der historische) Jesus wissend Sein, dass Seine Existenz das Wunder der menschgewordenen Gottesherrschaft in die Welt bringen könnte, eben durch Seine (dargestellte, gelebte) Vermittlung durch Seine Tat, durch Sich, Seinem LOGOS? Nein.
Aber Sein (speziell bei den Synoptikern dargestelltes) Leiden weist auf eine Lücke zwischen Sein Menschsein und Seine Gottessohnschaft: Er war im WERDEN zum Messias von den judenkirchlichen Kräften abgefangen worden und Sein Verdecken und Seine zeitweilige Verborgenheit (eher Geborgenheit) spielt nicht nur auf den verborgenen Menschensohn an, sondern war auch Notwendigkeit. Und was logisch für den Menschen ist, verwirrt den (ins Licht) Sehenden. War (dem historischen) Jesus bemerkbar sein Zudriften ins Machtgefüge der Priester und Schriftgelehrten, aus dem Er nicht mehr entlassen werden, Sich nicht mehr befreien konnte? Aller Text hier kann kaum nur theologisches Zusammenfassen des Evangelisten sein und Jesus nur die Figur in einem Spiel, das nur im Nachhinein sinnvoll und auflösend neuschaffend werden konnte. Wobei sich die zwingend aufdrängt, wieso gerade Er wie riesenhaft eingefügt wurde in die Kulturgeschichte; was musste an Ihm gewesen sein, dass sich Zeugen an Seinen Erdenleben entflammten und Es weiter gaben an die vielen trostbedürftigen und hoffnungslosen Mitmenschen! Eigentlich benahm Er sich nicht auffällig, eher zurückhaltend; nur wenn Er wie dreist angesprochen wurde, brach es aus Ihm heraus: Er erklärte die Ordnung der Welt (der Ordnung)! Und so ist hier Sein Zurückziehen das Normalste und authentisch für einen Menschen, der Sich auch um Sich sorgen muss: Hier im Speisungs-Wunder, und Der, der von Sich sagt Seines Gottes Willen zu erfüllen wie der Sohn den des Vaters: Er flieht in Seinem Überwissen vom Rausch des Volks zurück hinauf allein in den Berg. Der Erwählte (wie der im Unbekannten lebende Menschensohn) nimmt Abstand von der Menge. Ob Er nun meditiert oder nur wartet? Der Tag vergeht, die Menge hat sich verlaufen und: [nun folgt das auch bei den Synoptikern vorliegende Stück, s. Mt 14,22-33; Mk 6,45-52. Mit einer wesentlichen Änderung (man übersehe die unklare Örtlichkeit): der Evglst. hier, berichtet fast glaubwürdig]

16 Am Abend aber gingen seine Jünger hinab an den See, 17 stiegen in ein Boot und fuhren über den See nach Kafarnaum [Kapernaum]. Und es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen. 18 Und der See erhob sich [wurde aufgewühlt] von einem starken Wind. 19 Als sie nun etwa eine Stunde gerudert [gesegelt] hatten (etwa 2 bis 3 Meilen), sahen sie Jesus auf dem See dahergehen und nahe zum Schiff Boot kommen; und sie fürchteten sich. 20 Er aber sprach zu ihnen: „ICH BIN; fürchtet euch nicht!“ 21 Da wollten sie ihn in das Boot nehmen; und sogleich war das Boot am Lande, auf das sie zuhielten.

Ein großer See, ca. 9-10 km breit, Sturm, sie in der Mitte des Sees. Angst vor dem Unwetter kommt wohl bei Fischern nicht auf. Eine stürmische Überfahrt ohne den Meister. Plötzlich sehen sie ihn [wie] auf dem Wasser gehen; Er ist ganz nah und sie ducken sich ängstlich unterwürfig (wie Israel vor seinen Bundes-Gott) und Furcht vor Seiner herrschaftlichen Herrlichkeit ergreift sie. Und der Ersehnte sagt, dass Er immerwährend hier IST bei ihnen; immerdar IST, schon vor Abraham. Dass Er ausserhalb aller Existenz IST, dass Er in Sich Selbst EWIG SEIEND IST und Wirkstoff aller Welt IST (wie der Vater). Er IST der Sinn der Welt. Und sie sollen sich nicht vor Seiner Herrlichkeit fürchten. Und die Liebe der Jünger kommt hoch, sie vergessen ihre Angst, sie wollen Ihn zu sich nehmen. Er jedoch sorgt für sie und bringt sie wie im Traum ans Ziel. [siehe das Seewunder bei Mk 6,45-52 und von Mt 14,22-33 übernommen, aber verbreitet und flacher]

22 Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Sees stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. 23 Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen hatten nach dem Dankgebet des Herrn. 24 Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht hier war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und fuhren nach Kafarnaum auf der Suche nach Jesus.

Umständlicher Text, fast nicht gut genug zum Vortragen in der Gemeinde; eigentlich nur aufwändige Wunderbeschreibung und Beglaubigung durch das unwissende Volk. Und gleich danach wieder knochiger Ernst (und die wahre Tragödie):

25 Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Sees, fragten sie ihn: "Rabbi, wann bist du hierher gekommen?" 26 Jesus antwortete ihnen und sprach: "Amen, Amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid."

Der Offenbarer antwortet gleich mit dem Vorwurf über die nicht aus der Welt zu schaffenden Gier nach Wunder und speziellem Wunder in dem man sich satt essen konnte. Er will in den täglichen Kampf um den Tag die stete Schau auf den -jeden Menschen privateigenen- (guten) Sinn des Lebens erwecken, eben auch weil Er sie gesättigt hat. Ist nicht diese Reflexion und das dann nach vorn (positiv) Gedachte, Zeugnis reicher Leute, die sich um das Heute nicht kümmern müssen? Hat nicht nur der, der alles hat, auch Musse über das Seine zu reflektieren? Oder hat der der nichts hat auch elende Musse sich über das Existieren (hadernd und angstvoll?) zu bedenken? Oder ist er nur taub und erschöpft? Was will Er, der Offenbarer, der aufgeräumten Menge sagen? Besinne dich!! Wie denn! Besännen sie sich, würden sie Ihm nicht folgen (können). Begeisterte Er sie, so wären sie weit weg von der täglichen Not und suchten besinnungslos Seine Nähe: War nicht die Gegenwart Jesu immer köstlichstes Wunder reinster Spiritualität? Und alles erschliesst sich aus der Rückschau des ergriffenen Evglstn. und seines Teams? Und nun, der Erwählte spricht und nach der Brotvermehrung und dem Wandeln auf dem See gibt Er alle Zurückhaltung auf (und der Evglst. wird tief, auch theologisch, für die Gemeinde):

27 "Schafft [Erwirkt] euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschen Sohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters."

Nun ist es wieder heraus. Einer spricht als wäre Er der Ersehnte (und hier auch der sattmachende Erwünschte?). Oder nur der machtlose Mensch der glüht voller Liebe und voll von Ideen IST für Seine Mitmenschen und wie wahlverwandt IST Seinem ´Vater´. Und Sein Hinweisen auf die geistige Speise, die ´Tora´.

28 Da fragten sie ihn: "Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken [Gottgefälliges tun]?" 29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: "Das ist das Werk [Absicht] Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat."

[Die Verse sind hier offensichtlich durcheinander gekommen. So wie manche Exegeten Kapitel 6 vor 5 reihen, so auch hier die vielartigen Schichten des Evglms. Wenn wir die aktuelle Behauptung, in Qumran gäbe es Texte aus dem Markus-Evglm. die vor 68 geschrieben wurden (da danach Q. röm. Militärstation war) nicht berücksichtigen, so ist das Joh.Evglm., obwohl als das jüngste geltend, derzeit mit dem ältesten Textzeugnis aller Evgln. einen Textschnipsel aus ca 125 belegt (was Spekulationen über die Lesarten ermöglicht). Daher sollte uns die innere Unordnung der Joh.-Abschriften eher gleichgültig lassen: vielleicht ist alles wesentlich älter und unabhängiger als angenommen und durch Verluste noch lückenhafter.] Und hier: W.Jens wie immer brillant: "Wie aber können wir Werke tun", riefen die Menschen, "die Gott von uns fordert? Zeig uns den Weg!" (Er:) "Das Werk Gottes tun heisst: an den Einen zu glauben, den EINZIGEN, den er gesandt hat." Herrenworte. Es ist nicht nur die ´Gute Tat´, das fromme und das auch brave asketische Leben: Es soll sein, dass Der welcher spricht das sagt was für uns alle zu sagen ist. Und man muss Ihm glauben (ohne Wunder), denn Er ist der Geisterfüllte. Der Offenbarer fordert, dass (einfach an Ihn) geglaubt werden muss (dass man vertrauensvoll zu Ihm kommen soll), einfach so, weil Er es sagt (und weil Er, -nachösterlich- Objekt des Glaubens IST [man beachte: Jesus WAR und IST aufgrund Seiner Vollmacht!]). Und wenn LOGOS auch das ist, was zwischen den TEILEN ist, und auch LOGOS das ist, was jedes Bild von der Welt ist, so ist Er, aller Menschen Sohn und der Erwartete. Und Er IST Alles was WIRD und das was immer schon IST. Und wie "Gottes Werke wirken" ist gleich der Tat, die sich annähern sucht, in die Nähe kommt, dem Werke (dem Sein) des Allerhöchsten; nicht also das in angsterfüllter Seele vorgestellte Gottgefällige, sondern (im unermesslichen Rahmen) das Richtige (er)wirken (werken) -nach unseren Wissen- vom EINZIGEN Gott! Jedoch: Des ´Sohnes´ Zeugnis wirkt nicht (kann nicht wirksam sein) in den unschuldigen, von Finsternis und Angst erfüllten Köpfen der Menschen. Sie fragen also unverdrossen vordergründig wortwörtlich weiter (so gestaltet es der Evglst. für die Gemeinde und so war es wohl, sonst hätten sie Ihn nicht an die Römer entlassen):

30 Da sprachen sie zu ihm: "Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? 31 Unsere Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht: »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen«"

[Siehe Psalm 78,24 als Höhepunkt. Danach bestraft der HERR das ungläubige Israel. Ferner in 2.Mose 16,4 »Da sprach der HERR zu Mose: "Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich's prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht."« 2.Mose 16,14 »Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. 2.Mose 16,15 Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: "Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat."«]

32 Da sprach Jesus zu ihnen: "Amen, Amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist Der, welcher vom Himmel kommt und der Welt das Leben gibt."

W.Jens: „Das wahre Brot gibt euch mein Vater: Gottes Brot kommt vom Himmel herab und schenkt der Welt Leben.“ Sind sie zu überzeugen? Wollen sie nun die lebenserhaltende (göttlich immanent funktionelle) Wunderspeise -als Tatsache des (überlegenen) Überlebens im Sinn- oder (noch immer) richtiges Brot? Können sie (satt wie sie sind, nun) verstehen was Er sagt?

34 Da sprachen sie zu ihm: "Herr, gib uns allezeit solches Brot."

Sie scheinen auf den Weg aus dem Wunder zum Erkennen zu sein. Der Evglst. treibt die Erzählung voran. Nicht mit Geschichten aus denen das Volk sich seinen Reim machen kann: der Erhoffte selbst redet aus Sich heraus vom Sinn der Welt der Menschen.

35 Jesus aber sprach zu ihnen: "ICH BIN das Brot des Lebens [das vom Himmel ist]. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt [mir vertraut], den wird nie wieder dürsten."

Die neue Welt des Sinns soll sich auftun. Baut nun der Evglst. auf ein schon bestehendes Gedankenwerk auf oder sollen die gläubigen Juden vom lärmend zürnenden, eifersüchtigen Gott weg und hingeführt werden zu Jenem der heute hier in dieser Welt (wie stellvertretend schöpferisch) spricht: ICH BIN. Und das ohne (Welt-Schöpfungs) Grund, nur durch einige Wunder und einer Erwartung die in einen (gesalbten) Führer mündet? [Siehe Qumran-Hinweis] Oder war diese Welt bereit sich zu entwickeln, einen tiefen, nachdenklichen Blick zu wagen: IST es nicht so, dass alles was die Welt zusammenhält uns ein Bindendes, Sinnvolles ist, dass die Vorstellung, sich (SELBST) in dieser Welt zu befinden, gegeben wird von aller Welt selbst? Und das kann heissen, dass alles Wissen VON uns IN uns entspringt, als wie glückhafte, selbstschützende Determinierung? Und das alles ist geschenkt und wir müssen nichts dafür tun, sondern nur es (wissend wie Kinder!) annehmen und uns einfinden hier bei Ihm und sich darin, weil geschützt durch Ihn, wohlbefinden? Und das ist erst der Anfang! Und nicht nur das Wissen von sich in der Welt und von der Welt ist einzubringen im Dialog mit dem Ersehnten, auch geschlossen werden muss der Raum aller Welt mit Seiner Hilfe: denn durch Sein bleibendes Innesein in dieser Welt gibt Er allen, die Vertrauen haben, lebensfrohen! und familiären! Sinn!

36 "Aber ich habe euch gesagt: [Wohl] habt Ihr mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen [in die Finsternis]. 38 Denn ICH BIN vom Himmel niedergestiegen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich's auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, jeder der den Sohn sieht und an ihn glaubt [ihm vertraut], das Ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage."

Ist der Ort gut gewählt? An einem See, unter freiem Himmel (später in einer Synagoge ist das besser?); eine eher gereizt neugierig scharrende Menge um einen Zimmermann, der Seinen Beruf nicht ausübt, um einen nicht mehr so jungen Mann, der von Seinen (wohl verängstigten) Jüngern umringt wird: Er zeugt von Sich, dass Er von OBEN (!) niedergestiegen, von seinem ´Vater´ (!) gesandt sei (sind wir nicht alle aus einem fertigen Ideenraum herabgestiegen)? Aus der Unwirklichkeit der Tatsache in die Wirklichkeit der Welt entbunden und gesendet? Und hier: dass der das Ewige Leben habe, der an Ihn glaube. Und Er sie alle am Jüngsten (=letzten)Tage erwecken werde zum Tag des (liebevollen) Gerichts. Der freie Himmel wird manches Wort verwehen: Ein Führer (einer von vielen herumwandernden Habenichtsen), der sich nicht durch Zeugen beweisen kann, im Gegenteil! Sich in die Nähe des ´Vaters´ bringen will!, predigt von einer, Unterwerfung und Aufschiebung fordernden Zeit, die nicht sehr viel Freude machen wird: als Belohnung gibt es ein ETWAS, das nicht viel mehr ist als nichts.

41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: ICH BIN das Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist, 42 und sprachen: "Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: ICH BIN vom Himmel gekommen?"

[Der (frühere) Markus in Mk 6,3: »´Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns?´ Und sie (die Juden) ärgerten sich an ihm.« Interessant der Hinweis auf die Menschlichkeit des Erwählten. Ist das Joh.Evglm. zeitlich doch näher bei Markus? Jedoch Mt 13,53-58, Lk 4,16-30, das gemeinsame Traditionsgut (und deutlicher Hinweis auf einen historischen Jesus).] Das Volk sieht nur das Notwendige des AUSSEN. Und das ist richtig so! Weil sie den Offenbarer kennen, erkennen sie nicht das Erweiterte. Sie wissen nicht bis zuletzt, dass die Zeit gekommen ist, über den guten Sinn des Lebens zu reden. Sie wissen nur vom guten Leben. Der Evglst. baut sie kontrapunktisch ein, getrost lässt er sie die Lächerlichkeit der Situation aufzeigen: alles an Aussage ist am Zusammenbrechen: Die Juden schütteln den Kopf über den Sohn des Josef; aber um des Erwählten Stimme heller erklingen zu lassen wird unbeirrt das Nächste vorgetragen (insofern das Evglm. in der Gemeinde vorgelesen, wird es seine Wirkung haben; als Text, allein einsam gelesen, gibt es frei bittere Assoziation):

43 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: "Murrt nicht untereinander. 44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe [zu sich] der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten: »Sie werden alle von Gott belehrt sein.«

[Jes 54,13; Jer 31,33,34. Dieses Zitat steht so nicht bei den Propheten..]

"Wer dies vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. 46 Nicht dass jemand den Vater gesehen hätte ausser dem [einzig gottgeborene Sohn], dessen Dasein von Gott ist; der hat den Vater gesehen. 47 Amen, Amen, ich sage euch [und das ist wahr]: Wer glaubt [vertraut], der hat das Ewige Leben."

Er will nicht aufgeben, Er wird immer verlangen dass sie glauben, hingebungsvoll vertrauen, einfach so. Akzeptieren, dass aller Glaube von Seinem ´Vater´ kommt und auch der, der ungläubig ist, IST von Seinen ´Vater´ so belassen, wie der ´Vater´ es will. Jedoch, sich (er)öffnen können: nur das (zu er)strahlende Auge kann das Strahlende sehen. Aber sie werden seine Wort (noch) nicht hören wollen! [Siehe beim Propheten Amos 8,11: »Einst wird man vergeblich nach Gottes Wort verlangen. Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der HERR, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören; 12 dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen und doch nicht finden werden. 13 Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst...«] Und der Erwählte spricht weiter, mit Nachdruck:

48 "ICH BIN das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das [andere] Brot, das vom Himmel herabsteigt, wer davon isst, stirbt nicht. 51 ICH BIN das Lebensbrot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Heil der Welt."

Wortwörtlich ist das unverständlich, unmöglich. Aber die NAMEN, die Worte, haben sich weiter entwickelt, sie stehen bereit und es ist gemeint, aus dem nur Leben erhalten haben, übertreten in das Wissen vom Sinn des Lebens, in das Heil, mit Seiner Hilfe. Und (an)erkennen Ihn als Mittler, als ´Sohn´ des Vaters, als der Abkömmling vom Geist (eigentlich wie wir alle), einfach glauben (vertrauen) und versichert sein der Tiefe der weiteren Existenz, dass Er gibt für immer, weil Er die wahre gute Möglichkeit für die Welt IST. Alles was Sein ´Vater´ für Ihn vorgesehen hat, was in der Funktion Zivilisierung möglich ist, dient den Menschen, die Augen über Seine Absicht zu öffnen: Es wird für uns bedacht sein, so lange wir Seiner Gabe gedenken.

52 Da stritten die Juden [noch mehr] untereinander und sagten: "Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?" 53 Jesus sprach zu ihnen: "Amen, Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch [selbst]. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das Ewige Leben, und ich werde ihn am Letzten Tage auferwecken.

[Siehe Mt 26,26: »Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: "Nehmet, esset; das ist mein Leib." 27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: "Trinket alle daraus; 28 das ist mein Blut des [Neuen] Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden."« Die theologische Fortschreibung einer Selbstaufgabe...]

55 "Denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm."

O Blut!, die Seele des Fleisches, Träger des Lebens, das im Opfer gespendet werden muss. Strengstes Verbot des Blutgenusses und nicht blutleeren Fleisches, sonst Ausschluss aus der Gemeinde! Abscheulicher Blutgenuss! Blut das nur in einem von Gott geheissenem Krieg vergossen werden darf und plötzlich hier die wie schmutziggeile Blut-Ankündigung, wie aus einem grauenhaft hoffnungslosen Menschheits-Beginn, in infam brutaler Wortarmut! Und fatal klingt es wie nach Zerbrechen des ´Gesetzes´! Die Menge verstummt, sie ist entsetzt versetzt verdrängt aus ihrer Vorstellung (nicht weil Er Sein armselig Körperliches anbietet -das ist egal in dieser blutrünstigen Zeit- aber Er will ein ETWAS Sein, an das Niemand denken darf und möchte: grauenvoll, der Fremde, der Habenichts bietet sich als weltliche Gottesspeise an!). Die Menge, sie ist entschwindend; sie hat nie an Ihn, den Prediger, geglaubt und sie verurteilt Ihn durch ihren Abscheu: das ist ihre Teilhabe an Ihm! Und der Evglst. lässt die grauenvolle Herrenrede fortfahren:

57 "Wie mich der [in Ewigkeit] lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch jener, wer mich [in meinem Geiste isst und] aufnimmt, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst [aufnimmt], der wird leben in Ewigkeit." 59 Das sprach Er in der Synagoge, als Er in Kafarnaum lehrte.

Wie um diese -das Judentum furchtbar treffende- Aussage ins seriöse Licht zu rücken, ist Er plötzlich lehrend in der Synagoge. Und wie üblich im hellenistisch dominierten Altertum, wird jedes Denken über das Notwendige des Überlebens hinaus, zugleich auch zum Feind des eigenen Körpers: als würde der Denkende, als würde sein Fleisch, schmaler werden, jede Reflexion seine Körperlichkeit mindern: als Ausgleich, als Bezahlung, als Strafe, als (frohes) Ergebnis, muss das unreine Haus des Körpers nach und nach verlassen (oder abgetragen) werden, damit ´frei´ und erfüllt mit ´Geist´ gelebt werden kann: das Heilige und Weltabgewandte und folgende Zurücknahme: dafür dann ein ´Ewiges´ Leben (das wohl eher das Richtige Leben JETZT! sein soll). Nun soll mit dieser Rede der Weg zum Ewigen Leben gezeigt werden, der verabscheute unreine Körper soll wortwörtliche Wegzehrung sein? Oder ist es nicht so und nur späte (theologische) Redaktion der Autoren?
[Alles sei vorerst wortwörtlich gemeint, daraus entwickeln sich neue NAMEN für vorhandene Metaphern (=NAMEN von NAMEN-Knoten), je nach Bedarf (der Besetzung). Typischer Einsatz des Worts, siehe der Prolog des LOGOS und nur hier in diesem Evglm. das wortbefrachtete Wirken des Erwählten, das man nach Umsetzung, Übersetzung verlassen muss!]
Wozu wäre der historische Jesus in der Lage gewesen? Ist es vorstellbar, dass ein Mensch mit einem nicht (unbedingt) sehr angesehenen Beruf [Siehe Mt 13,55; Mk 6,3-6.], den Er nicht ausübte, Selbst in der Heimat in Frage gestellt, obwohl besonnen und wohl sendungsbewusst, den Bruch mit dem Gesetz des Bundes wagt, nur um es -als gläubiger Jude- moderner und Seinem Sinn entsprechender umzuformen? Und mit diesen Mitteln? Wie stark muss der Mensch Jesus Sich Seiner SELBST sicher gewesen sein, um Sich als Mittler zu geben? Ist hier das Geheimnis Seiner ausserordentlichen (wie für Sich autistischen aber für andere hypnotischen) Wirkung verborgen? Nun, der Evglst. bringt hier diese grausige Herrenrede: ist das die erste Stufe, sich aus dem Wollen heraus vereinnahmend ´essend´ in das Denken über das eigene ISTSEIN lernend zu entwickeln? Oder ist da warme dampfende Körperlichkeit einer gemeinsamen Mahlzeit im Zelt, draussen ein -als gerufene Verdichtung- furchtbarer Wind? Oder gar ein wie wegwerfendes Opfer, wie sich als Frucht einbringen und alles nicht ohne einer gewissen flirrenden Erotik: Iss (Nimm) mich und durch mich wirst du stark und im Geiste WERDEND werden?
[Fast unmöglich scheint ein Aufruf zum Brechen des Bundes zu sein. Eher ist hier ein Stück (nachträglich) eingearbeiteter Gruppenvereinbarung angedeutet: durch die Absonderung vom Gesetz des Bundes (Vertrags) wird der Neue Bund mit dem ´Hohepriester´ Jesus möglich: um die judenchristliche Gruppe (Kirche) zu stabilisieren, musste radikal mit dem Alten gebrochen werden. Im Nachhinein WARD das Abendmahl! Und nie schöner als hier, beginnt zu leuchten die christologische Morgenröte.]

60 Viele nun seiner Jünger [= Anhängern], die das hörten, sprachen: "Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören?" 61 Da Jesus aber bei sich selbst wusste, dass seine Jünger darüber murrten, sprach Er zu ihnen: "Ärgert euch das? [Ist es das was euch zu Fall bringen könnte?] 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, wo Er zuvor war? 63 Der Geist ist's, der lebendig macht [das Lebendig- Machende]; das Fleisch [das Leben] ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht." Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die ungläubig blieben und wer ihn verraten würde. 65 Und Er sprach: "Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gewährt wird." 66 Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.

Der Evglst trägt das Schismaproblem aus seiner Zeit zurück in die Zeit der Lehre des Erwählten und bringt Hilfe ein in die bedrängte Zeit der judenchristlichen Gemeinde. Das ist ideal zum Vortrag in der Gemeinde geeignet. Wie um aufkommendes Bedenken zu zerstreuen, wird die angstvolle Abscheu (=Ärgernis) der ´Jünger´ vorgestellt. Es muss auch eine Entlastung geben gegen die (nur verbale?) Ungeheuerlichkeit das unreine Fleisch und Blut als Mittler zu sehen. Sinngemäss hat der Text die Aufgabe, einen Teil der Gruppe durch Abspaltung zu verlieren, um den Rest widerstandsfähiger zu machen (dass der Text nachträglich eine Erklärung für einen unerklärlichen Abfall der begeisterten Menge in Galiläa sein könnte, ist fast ausschliessbar). Ein Drittes, mit dieser Rede neue ´Jünger´ zu finden, scheint kaum möglich, da mit der Person Jesu nicht archaisches Bildmaterial anstossgebend verknüpfbar sein kann: Er IST und bleibt im kollektiven Gedächtnis als der vom Leben im Fleisch befreite Sohn (=Kind) aller Menschen; Er ist das Modell für die ins Höchste gesteigerte Sittsamkeit, die Hochzivilisation. Und für die Juden stellt sich nicht die Glaubensfrage, aus der zwingend bestehende ´Gesetze´ wegentwickelt (wie verwerfend!) werden müssten, um sie, wenn auch nur -spielerisch im Bedenken- zu brechen und sich daher Ihm, dem Freien, anschliessen zu können, das ist nicht die Frage, denn Er verlangte nicht die Abwendung vom Alten Bund; sondern es ist die Begeisterung und Liebe für Ihn und der brennende Wunsch sich unter Seinen Schutz zu bergen, was sie Seine Nähe suchen lässt: Er ist göttliches Fleisch, Er ist wie Gott wandelnd auf Menschenerden. Die, die Ihn nicht mehr liebhaben können (und sich angeekelt und wie ertappt ernüchtert schütteln), sie gehen weg und die anderen bleiben unter fortwährender, glückseliger Missachtung des Tags, des Fleisches (=Lebens), denn das wahrhaftig Lebendigmachende ist nur der LOGOS, die sinngetränkte, sinngebende Reflexion des Lebens im ETWAS wie Gott.
[Die ´Brotrede´ gilt den gläubigen Juden. Nur sie wissen was der ´Neue Bund´ bedeuten soll: der griechischen (ungläubigen) Welt wird nicht ein Neuer Bund sondern der Bund mit Jesus ansich -als Start- vorgestellt. Jesu Gewicht dafür, ergibt sich nachträglich aus (Opfer)Tod und Auferstehung und einst kommender ´Wiederkunft´. Fazit: Diese Rede wäre aktuell nicht brauchbar gewesen und Er wird sie auch nie so gehalten haben. Christologisch wird später aus dem ´Liebesmahl´ um 200 nC das ´Abendmahl´; vorher in einzelnen Gemeinden bereits als Danksagung (eucharistia) liturgische Feier mit gemeinsamen Mahl (Brotbrechen).]

67 Da fragte Jesus die Zwölf: "Wollt ihr auch weggehen?" 68 Da antwortete ihm Simon Petrus: "Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69 und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist [der Einzige] der Sohn des lebendigen Gottes, der Heilige Gottes."

[Wenn je Zweifel bestehen über die einst tatsächliche Wirklichkeit des Evglms., hier werden sie ausgeräumt! Diese hoffnungslos, hoffnungsvolle Antwort des Simon Petrus ist die einzig mögliche! Und sie ist ganz nah, ganz wirklich: hier spricht ein armer Mensch im angstvollen Glück der Nähe Jesu. Und siehe bei Mk 1,21 »Und sie gingen hinein nach Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. 22 Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte mit Vollmacht (= göttlichen Beruf) und nicht wie die Schriftgelehrten. 23 Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie: 24 Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! 25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: "Verstumme und fahre aus von ihm!" 26 Und der unreine Geist riss den Menschen hin und her und schrie laut und fuhr aus von ihm.« Von Lukas entnommen in Lk 4,34.]

70 Jesus antwortete ihnen: "Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel."

[Die Verkörperung des Bösen, der Feind, der im Widersinn zu Gottes Heilsplan steht; der Fürst dieser Welt, der Ankläger, der Fürst der Finsternis, der Mörder, der Lügner. Der Messias wird ihn überwinden -nur der Messias!- mit sich als Beispiel. Das gibt der christlichen Gemeinde Mut, wenn auch nicht weiterführendes Verständnis für Gut und Böse.]

71 Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war [doch] einer der Zwölf.

Bei Mt 26,1-16 hat Judas den Glauben an Jesus als den Messias verloren. (Denn wenn Er sich mit teurem Öl huldigen lässt, von seinem kommenden Verrat mit Milde spricht; Er konnte nicht der Sohn Davids sein! Da war nichts Königliches zu erwarten.) Er wird ihn für Geld verraten. Hier aber ist er für immer die böse Figur. Der Erwählte muss das wissen und erwarten. Anderseits: dadurch kann nicht verziehen (gerichtet) werden, lag doch das Böse und die Schuld von Anfang an ausweglos offen vor. So war das: Es sollte aus dem engsten Kreis einer sich bereit halten -kalten Herzens- Verrat zu üben und nicht ein Eiferer der die ´Gesetze´ hoch hielt war es, sondern Judas, der in diesem Stück nicht glauben durfte und auserwählt war, den Offenbarer aus der Lebenswelt der Menschen entfernen zu lassen.

03-1996//08-2005//02-2006//