Das 8.Kapitel

Er dringt immer mehr ein in das Selbstverständnis der Juden. Er zeigt ihnen Seinen Platz in ihrem Schicksal, aber sie sehen an Ihm vorbei in ihre martialische Zukunft.

[In den ältesten Abschriften sind die Verse 7,53-8,11 nicht enthalten. Wie schon angeführt: die Absicht des Evglstn. ist wichtig, nicht das Wortwörtliche (siehe die Verwendung der NAMEN Ölberg und Schriftgelehrte, die sonst nicht vorkommen). Möglich ist, dass in ganz früher Fassung dieser ´Sünderin´-Text vorhanden war und später, aus wachsender Rigidität (´...ein auf Askese ausgerichtetes Elite-Evglm.´ G.Keil.), entfernt und -noch später- wieder angefügt wurde. Die Verse hier, könnten einer nichtkanonischen Quelle entstammen, die auch Lukas benutzte.]

1 Jesus aber ging [hinauf] zum Ölberg [und blieb dort, allein, in der Nacht]. 2 Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. 3 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, im Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4 und sprachen zu ihm: "Meister [Lehrer], diese Frau ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch. 5 Moses aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagst du?" 6 Das sprachen sie aber, ihn zu versuchen [zu überführen], damit sie ihn verklagen könnten.

[Der Ehebruch im Alten Orient verletzte nicht nur das Besitzverhältnis sondern auch die klare (männliche) Rechtsordnung der Ehe. Auch war er eine Sünde (siehe 2.Mose 20,17) und wurde mit dem Tode durch Steinigen oder Verbrennen bestraft. Ehebruch begeht der verheiratete Mann nur dann, wenn er in den Bund eines Anderen (=Mannes) einbricht (!); die verheiratete Frau begeht immer (!) Ehebruch wenn sie sich mit einem Anderen (ob verheiratet oder nicht) einlässt. Im AT galt die Ehe als normale Lebensform (mit ab 18 Jahren Ehebeginn). Keine Nachkommen zu erzeugen galt als Schande (für die Frau!). Männer, die keine Ehe eingingen, handelten ´schöpfungswidrig´. Akzeptierte Ausnahme war Ehelosigkeit (Jungfräulichkeit der Propheten) aus religiös-asketischen Gründen.]
Also: Was wollten die buchstabengetreuen Pharisäer und die im (kleinen) Rat organisierten Schriftgelehrten Jesu prüfen? Seine Gesetzestreue? Galt er etwa als gesetzlos, weil er den Sabbat nicht über alles hielt? Sie selbst hatten hier nichts zu sagen. Dem Hohen Rat der Juden war das Blutrecht schon unter (den Nichtjuden) Herodes d.Gr. genommen. Selbstverständlich auch unter den H. nachfolgenden Tetrachen. So mussten sie jedes Todesurteil dem römischen Prokurator, hier: Pilatus, zur Bestätigung vorlegen. Trotzdem wurden Hinrichtungen durchgeführt, mglw. mit stillschweigender Duldung der Römer. Für den (in Ehefragen eher liberalen) Römer hätte die Frau ihr Leben nicht unbedingt verwirkt. Dass später beim Schuldspruch und der eher gleichgültigen Haltung des Pilatus (» ..Pontius Pilatus im viertem Evangelium ein Gentleman..« so Peter de Rosa) den Juden die Kreuzigung angelastet wird (obwohl nur die Römer kreuzigten), zeugt von der Politik der Autoren (aller Evangelien) und auch ihr Selbstverständnis ändernde Angst vor den Römern: Wenn sie je Juden waren, so befreiten sie sich mit den nebulösen ´Juden´, die Anklage, Urteil und Vollstreckung zu verantworten hatten, von ihrem Herkommen und legten die Saat der (bei den Juden nicht üblichen) Kollektivschuld...
Die Frau war offensichtlich von (notwendig mehreren) Zeugen beim Ehebruch ertappt und aufgegriffen worden und bereits vom Rat verurteilt; die Juden tun als spielten sie Sein Spiel: sie tun als akzeptierten sie SEINEN Anspruch als Lehrer und Offenbarer: Er solle nun zum Gesetz was sagen. Tatsächlich ist das ein Lehrstück das nicht immer akzeptabel sein kann: Er kann nichts zum Urteil sagen, denn Er als der LOGOS, kann diese ´Ordnung´ nur so lassen oder von sich weisen, denn Er begründet, durchdringt, das Gesetz augenblicklich immerwährend neu. Jedoch kann Er etwas zur Vollstreckung des Urteils sagen, und damit stellt Er das ´Gesetz´ auf den Kopf oder nicht. Fast scheint Er überwältigt und sprachlos vom Eifer der ´gerechten´ Juden. Er schreibt, für Sich sichtbar, als wollte Er die torhafte Heuchelei in Schriftzeichen fassen.

Aber Jesus beugte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: "Wer unter euch ohne Sünde ist [ein Ehemann ohne Fehl], der werfe den ersten Stein auf sie."

Siehe der große Paulus der gegen die ausgleichende nicht sühnende Strafe der Juden vorgeht in Röm 2,1: »Darum, O Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen [von Schuld befreien], wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du eben dasselbe tust, was du richtest.« Und hier die Vollstreckung: die (zwei) Zeugen (Ankläger) müssten bei der Steinigung den ersten Stein werfen! Werden sie des falschen Zeugnisses überführt, werden sie selbst gesteinigt!

8 Und wieder beugte er sich nieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber das hörten, gingen sie weg [aus dem Tempel hinaus] von ihrem Gewissen überführt, einer nach dem andern, von den Ältesten an bis zu den Geringsten; und Jesus blieb zurück allein mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Jesus aber richtete sich auf und da er niemand sah als die Frau, sprach er zu ihr: "Wo sind sie, Frau deine Verkläger? Hat dich niemand verdammt?" 11 Sie aber sprach : "Niemand, Herr." Und Jesus sprach: "So verdamme [verurteile] ich dich auch nicht [du bist frei]; geh hin und sündige hinfort nicht mehr."

Das ist zu schön um wahr zu sein! Wie können diese verhärteten gesetzestreuen Karrieristen sich plötzlich leisten alternativ zu werden und Jesu (unerfüllbares) Wort annehmen und -wider der Gesetzeslage- die Frau (wenn sie schuldig ist, wo sind die Zeugen geblieben?) frei zu geben! So, als würde die Gerichtsbarkeit ab nun offen und einsichtig geworden sein. Das kann nicht gemeint sein! Dann zerbräche die (scheinbare) Möglichkeit der Bereinigung, dh: die Strafe stellt das Gleichgewicht wieder her (s.´Auge um Auge´, usf.). Oder alles ist ein Paradoxon: Die Zeugen die zur Verurteilung führten, müssten auch das Urteil vollstrecken, das aber in der Zeit Jesu nicht durch sie vollstreckbar war. Sie werfen den Stein nicht, weil sie als Juden das Urteil nicht vollstrecken dürfen oder weil sie an die Unschuld der Frau (bedingt durch die geringere Mitschuld ihres Handelns) glauben. Sie tun nichts! Und weiter: Er hat sich nicht zum radikalen, kriegerischen, Messias provozieren lassen und die Juden ermuntert sie zu steinigen, auch wenn sie das nicht durften; auch das Andere, die Knechtschaft der Juden unter den Römern, interessiert Ihn nicht. Denn, Er will ihnen das Innere des ´Gesetzes´ zeigen, nicht nur die Begierde im INNEN die zur Sünde ins AUSSEN durchbricht, Er will sie hinweisen auf die insgesamt im Verhältnis zu Gott innewohnende Verpflichtung zu versuchen für die Sünden beim ´Vater´ einzustehen. Dieser wird die Versöhnung gewähren wenn er will: der Schuldige der um Verzeihung gebeten hat, ist dann nicht befreit von seiner Schuld, wohl aber von der Sünde. [Generelle Ersatz-Leistung wie Geldstrafe oder Freiheitsentzug war in der Rechtsauffassung der Juden (zZ Jesu noch) nicht vorgesehen.]
Der Erwählte jedoch gebietet zum Nachdenken über Schuld und Sühne, weit über das Regelwerk der Menschen hinaus: die ordnende Versöhnung mit dem sündigen Menschen gewährt nur der liebevolle ´Vater´, der ´Vater´ der über die sündenbehafteten Menschenkinder wacht und die Autorität der menschlichen Gerichtsbarkeit ist nichts: demütiges Eingestehen der eigenen Sündhaftigkeit vor dem Allerhöchsten (die Weisung des ´Vaters´ gilt mehr als das Gesetz). Und: was schreibt Er auf den Boden? Vielleicht eine Auslegung der ´Gesetze´: die Einbettung des Schuldigen in das Ganze und das zerstörte, verlorene Gleichgewicht in der Gesellschaft kann nicht mit ausgleichender Bestrafung wiedergeschaffen werden, sondern nur der verpflichtende Gehorsam zählt. Und: alles ist wie ein Spiel, es geht um nichts (mehr)! Und Er zeugt vom höher organisierten Wissen, ist bereit das Spiel zu spielen und löst auf das Gesetz mit flüchtigem Finger im Sand... Oder diese Geschichte ist befremdlich streng gegen die Gesetzes-Welt der Männer gerichtet: Er hebt das Urteil auf, nicht nur durch Verweis auf die Nichterfüllbarkeit der Strafe, sondern der Erwählte nimmt in Seinen Schutz die Frau, das nichtig unwerte Menschenkind! Glauben wir das?
Wie schon früher: dieser Text ist nicht folgerichtig. Man könnte den Text in Kapitel 7,30 hineinlesen. Aber hören wir was der Ersehnte zu sagen hat (was man ihn sagen lässt).

12 Und dann sprach Jesus zum Volk: "ICH BIN das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben."

[Siehe Jesaja, der berichtet was der HERR zu ihm spricht: 49,6 »Er spricht: "Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an die Enden der Erde."«, ferner, hier Zion (Jerusalem und seine Bewohner) näher meinend in Jes 60,20: »"Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der HERR wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben."«]
Das ist nicht Licht gegen Finsternis. [Der sogenannte Dualismus, der alles Seiende in zwei grundlegend verschiedene, gegensätzliche, Typen teilt, ist hier angedeutet. Dieses Modell der Durchordnung der Welt ist verführerisch und befriedigend, muss letztlich aber vor der (unterstellten) Allmacht (eines) Gottes versagen, die monistisch schöpferbestimmt alles in einer Hand hält. Im AT wird der D. nicht akzeptiert, in der Briefliteratur -speziell der paulinischen- wird das Modell immer stärker entwickelt, bis es im Neuplatonismus (3.Jh nC) der wachsenden Kirche Aussage und Programm (Gegensatz Leib-Seele etc.) wurde. Im Weltmodell der sogenannten ETWAS findet das duale Prinzip keine Entsprechung, da die Funktion des TEILS zum TEIL sich wie entropisch verhält und wegen des ORT/ ZEIT- Verhältnisses das Gegensätzliche, wenn auch sprachlich begründbar trotzdem -mangels verifizierbarer Tatsächlichkeit- unlogisch und unmöglich ist.]
Sondern das Licht hat die Möglichkeit die Finsternis (des Nichtglaubens an die Wirklichkeit Gottes) zu erhellen mit der Wirklichkeit des Erhellten: nicht nur Sein Werden ist das Licht (in der Dunkelheit), auch nur getrost glauben erleuchtet den Tag des (nach der Wahrheit in Gott) Dürstenden. Das Wunder ist schon da: wenn Er von Sich spricht so spricht Er stellvertretend für alle die erleuchtet durch Ihn werden. Das lichterfüllte Auge dem Lichte zuwenden!

13 Da sprachen die Pharisäer zu ihm: "Du zeugest von dir selbst; dein Zeugnis [als einziges allein] ist nicht wahr." 14 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: "Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis doch wahr; denn ich weiss, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe. 15 Ihr beurteilt rein irdisch nach dem Fleisch [der ´Wirklichkeit´ des Menschen. Fleisch kennt nur Fleisch!]. Ich beurteile [richte] niemand.

Und was Er meint mit Fleisch, das ist das (wie gegensätzlich) nur Körperliche, die leibliche Existenz, das TEILhafte in der Welt, auch als pragmatische Problem-Lösung. Während das Nichtwirkliche (und Nichtwirkende?) die mögliche Welt des Erlösers ist: der von Ihm enthüllte Sinn dieser Welt, nämlich in das richtig hingeordnete Leben zum Ideal des Einzigen Gottes, ist das einzig Sinnvolle. (Jedoch: Wohlbegründetes, anständiges Leben und hohe Ethik ist auch möglich ohne Hinwendung zum VaterGott, denn was ihm versprochen, ist bereits als Ordnung, Tugend in der Welt...) Er gibt Zeugnis, natürlich und sehr irdisch, und Seine Wirklichkeit ist wahrhaftig, aber wie unwahr, denn die Pharisäer wissen nicht (mehr) von Seinem Gott, sie wissen nur (noch) von dem was in ihrem Gesetz steht, was angestrengt gelernt werden kann und die prophetischen Schriften beziehen sie -in ihrer masslos bigotten Verblendung- auf sich: wer wie sie fromm und buchstabengetreu (und doch etwas umformend) den ´Gesetzen´ folgt, dem wird (eines Tages!) der Messias entspringen, so glauben sie. Aber die höhere wirkliche Wahrheit ist in Seiner Rede, sie können sie nicht (er)greifen, begreifen, sie ist eigentlich unbegreiflich und nur naiv nachösterlich akzeptabel, wenn der Befreiungswunsch zerbrochen worden ist und nur zerknirschte Demut aus vielerlei schuldbeladener Tiefe -wie schon vermodernd- hochkommt! Jedoch, der Erwählte berichtet weiter von Sich:

16 "So ich aber richte, so ist mein Gericht [ge]recht; denn ICH BIN nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. 17 Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei.

[Siehe 5.Mose 19,15: »Es soll kein einzelner Zeuge gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Missetat oder Sünde, was für eine Sünde es auch sei, die man tun kann, sondern durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll eine Sache gültig sein.«]

18 ICH BIN es, der ICH von mir selbst zeuge; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir." 19 Da sprachen sie zu ihm: "Wo ist dein Vater?" Jesus antwortete: "Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater." 20 Diese Worte redete Jesus an dem Gotteskasten, da er lehrte im Tempel; und niemand ergriff ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

[Der Gotteskasten: damit sind die dreizehn Opferstöcke gemeint (nicht die Schatzkammer), sie hatten Aufschriften wie ´Geflügelopfer´, ´Holz´, ´Weihrauch´ usf, in die Opfergeld eingeworfen (und auch die Tempelsteuer gelegt) wurde. Dreimal jährlich wurde deren Inhalt in die Tempelschatz-Kammer(n) entleert. Die Gotteskasten standen im Vorhof der Frauen (Zugang für alle Israeliten und auch Frauen); dh Jesus hat nicht nur vor Männer gelehrt.]
Wie sicher muss Er von Sich wissen! Wäre sonst solch Rede möglich? Müsste man nicht sonst in den Boden versinken vor der eigenen, blind unanständigen Masslosigkeit? Er stellt die Beweisführung auf den Kopf: erst zeugte Er indirekt von sich durch Seinen ´Vater´, den keiner (mehr) kennt; nun reicht es schon Ihn, den Erwählten, zu kennen um Alles zu kennen. Damit nicht genug: der Evglst. betont immer wieder: Seine Stunde sei noch nicht gekommen, jedoch: nicht Sein Tod und das Folgende ist wichtig: Seine, des Messias, Arbeit hier in der Welt ist das was Seine Mission, Sendung, Auftrag ausmacht! Nicht das danach!, nein das hier und heute ist der Inhalt dieser Geschichte, die eine Predigt ist. Und wenn endlich Seine Stunde gekommen ist, WIRD Er hinweg gehen und Sein Beispiel von Sinn hier erfüllt haben.

21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: "Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich [vergebens] suchen und in euer Sünde sterben. Wo ich hin gehe, da könnt ihr nicht hin kommen." 22 Da sprachen die Juden: "Will er sich denn selbst töten, dass er sagt: Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkommen?" 23 Und er sprach zu ihnen: "Ihr seid von untenher, ICH BIN aber von obenher; ihr seid von dieser Welt, ICH BIN nicht von dieser Welt.

[Viele Exegeten sehen hier den dualen Gegensatz. Aber OBEN zeigt nur den zurücklegbaren Weg denen die von unten aufsteigen wollen. Tatsächlich ist Jesus auch als Geistwesen zu verstehen.]

24 Darum habe ich euch gesagt, dass ihr sterben werdet in euren Sünden; denn so ihr nicht glaubt, dass ICH BIN [der ICH BIN], so werdet ihr sterben in euren Sünden." 25 Da sprachen sie zu ihm: "Wer bist du denn?"

[Die hebr. Wörter (NAMEN) für das philosophische ETWAS Sünde bedeuten ´Schuld´ als auch ´Strafe´, sowie ´Abirren´, ´Auflehnen´ (gegen das wahrhafte Gebot Gottes). Zum Sündenbegriff des AT gehört immer das religiöse Verhältnis zu Gott. Ohne Gott kein Abirren vom richtigen Weg. Im AT ist die Sünde auch eine Art Krankheitsstoff des Verhaltens, der auch ohne Absicht übertragen werden kann oder von dem man berührt werden kann (wie schlechtes Beispiel). Sündhaft kann nur der Mensch sein und er verletzt damit sein verpflichtend wahrhaftes Verhältnis zu Gott. Eingebettet ist die Sünde in der Vorstellung vom ´gerechten´ Gott, der persönliche Strafen ausspricht: zB hat der Blindgeborene bereits im Mutterleib ´gesündigt´ (oder seine Mutter, usw.). Die Synoptiker haben (noch) großteils den Sündenbegriff des AT. Hier im Joh.Evglm. ist der Sünder auch der, der (quasi unschuldig) in der Finsternis lebt und eigentlich nicht immer vom Licht erhellt werden kann, auch wenn er es wollte (weil er erfahren hatte vom Licht). Was immer den tatsächlichen Sündenbegriff bildet, setzt voraus, dass der Mensch über seinen freien Willen verfügen kann und so wissentlich oder nicht, im Widerspruch zur (hier religiösen) Ethik handelt. Hier: wie unschuldig (was sie auch sind!) erkennen die Juden der Erlöser nicht, das ist ihr Programm, ihr Schicksal!]
Weil sie ihren Gott nicht mehr kennen (können) verlieren sie die Kraft für das Gute und können nicht mehr abgleichen ihr Menschenleben mit dem unerreichbaren Ideal? Sicher meint der Ersehnte, dass die wundervolle Erkenntnis von Seiner Herrlichkeit sie -die Juden- wegbringen würde vom nur irdischen Weg; wer kann schon ohne Erschütterung sich verändern? Fast ist es aussichtslos und hoffnungslos, weil das Erweiterte nicht erkannt werden kann, denn Seine systematische Legitimität ist wie nicht sagbar, nicht zeigbar und die ´Juden´ bleiben unerleuchtet (ein guter Einschub für den Vortrag, denn so wird das stille Misstrauen der Zuhörer abgearbeitet).

Und Jesus sprach zu ihnen: "Erstlich der, der ich mit euch rede [was ist das, dass ich noch rede mit euch?]. 26 Ich habe viel von euch zu reden und zu richten; aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich vor der Welt." 27 Sie verstanden aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach. 28 Da sprach Jesus zu ihnen: "Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ICH BIN und nichts aus mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich.

[Das ist redaktionell ´verdeutlicht´. Siehe auch die verbale Lächerlichkeit der erhöhten Schlange, analog das wohl abscheulich ernstgemeinte ans Kreuz (aufgerichtet oben) zu schlagen! Er spricht nicht vom Hinrichtungstod. Er ist schuldlos und ein Schuldloser kann nicht (hinrichtend) getötet werden (nach K.Berger).]

29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt." 30 Da er solches redete, glaubten viele an ihn.

[Siehe auch das Verweisen auf ´andere Wunder´ und auch hier fehlt Text, denn Er hat sicher mehr zu sagen gehabt, treffen und in Deckung mit dem kollektiven Bewusstsein der Juden...] Er bürgt mit Seinem Körper, mit Seinem Leben, für Sein Wort; letztlich um sie zu beeindrucken; Ihm kann das nur nichts sein. Und sie hören Ihm zu, Sein Charisma hüllt sie duftend ein in eine liebevolle Wolke: Er will nichts von ihnen, Er will ihnen alles geben.

31 Da sprach nun Jesus zu den Juden, die ihm vertrauten [an ihn glaubten]: "Wenn ihr meiner Botschaft treu bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger 32 und werdet die Wahrheit [Gottes] erkennen, und die Wahrheit [Gottes] wird euch frei machen."

Er meint mehr als nur die Wahrheit der Wahrhaftigkeit mit Gottes Gesetz leben, Gott gefallen (gefällig sein) zu wollen. Nicht die Sklavenmoral, die Gehorsamsmoral ist gefragt, sondern das Geöffnetsein zu Ihm, dem LOGOS. Und bereit sein den süssen Atem des Geistes einatmen zu wollen. Und Er wird das Gesetz aus der Natur der Starre lösen, erweiternd für sie, wissend um die kindliche (Un)Ordnung in den Köpfen der Gotteswilligen. Und Er bereitet vor: um des einzigen guten Grunds willen, um als Gerechter in die Welt hineinleben zu können muss die tiefgründige und doch anspruchslose Liebe zu allen Sündern (wie sich selbst aufzwingend) gelebt werden! Zumindest muss eine vertrauensvolle Offenheit zum Abweichler, zum Irrenden, errichtet (und erhalten) werden können: Sein großes Beispiel soll helfen (für immer).

33 Da antworteten sie ihm: "Wir sind Abrahams Kinder [Samen] und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du denn: ´Ihr sollt frei werden?´" 34 Jesus antwortete ihnen und sprach: "Amen, Amen, ich sage euch: Wer sündigt, der ist der Sünde [Sklave und ihr] Knecht. 35 Der Knecht [hat kein Zuhause und] bleibt nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibt ewig. 36 So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

[Siehe Paulus im Römerbrief Röm 6,16.18.22.]

37 Ich weiss wohl, dass ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn meine Worte rühren euch nicht an.

[Siehe das Thema bei Mt 3,9 [der Täufer spricht]: »Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham (aus diesen Steinen) Kinder zu erwecken!« Also ist es mit dem Herkommen allein (noch) nicht getan und die Zugehörigkeit zum Einzigen Volk ist nichts! Das Gott gefällige Leben muss gelebt werden! Aber noch wichtiger: zuerst der Glaube! Wie kommt man zu dazu? Ist er wie angeboren?]

38 Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und so tut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt."

Was ist das für ein Dialog! In dem der Lehrer immer wieder seinen Schülern vorwerfen muss, das sie Seine Lehre nicht akzeptieren (können, wollen) und Ihn daher suchen zu töten! Das ist mehr als nur ein einfacher Wanderprediger zu erwarten hatte (ging es dem doch nur um seine ´Sendung´ und eine erbettelte Unterkunft). Nicht angetastet soll werden das naive Glauben an ein sinnvolles Hiersein, aber wenn Er für uns Sinn haben soll, so muss wohl unterschieden sein zwischen der Wirklichkeit der Wahrheit in Gott und jedem Versuch sie zu finden. Er spricht offensichtlich in Ruhe und ohne Sorgen um seine Sicherheit (wenn auch der Evglst. bedrohlich das ´Volk´ gegen Ihn aufrückt). Er erzählt was Er bei Seinem Vater gesehen hat, sie, die gläubigen Juden haben nur gehört (wie gehorchend) vom Vater: sie können keine Entscheidung für das Richtige selbst finden, das ist nicht ihre Schuld: Er aber spricht es aus. Der Offenbarer wirft ihnen objektiv Sündhaftigkeit vor, ihr jämmerlich(?) selbstgerecht besitzergreifendes Leben, das sie leben (müssen), macht sie zu Sünder, in der dominierten Welt der Besatzungsmacht Roms.

39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: "Abraham ist unser Vater." Spricht Jesus zu ihnen: "Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. 40 Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41 Ihr tut die Werke eures Vaters." Da sprachen sie zu ihm: "Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater: Gott." 42 Jesus sprach zu ihnen: "Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ICH BIN ausgegangen und komme von Gott [und BIN sein Kind]; denn ICH BIN nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43 Warum erkennt [versteht] ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt!"

[Der große Paulus in 1.Kor 2,13 »Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. 14 Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. 15 Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. 16 Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer will ihn unterweisen?« Ein Problem das fast aussichtslos der Lösung harrt; ein Widerspruch in sich, wenn auch logisch: Kann der dem Leben Verhaftete sich in seiner (ihn bedrohenden) Zeit sorgen um seine Wahrhaftigkeit in Gott?]
Der Evglst. entwickelt hier unverblümt das Unmögliche: Einer spricht von sich als
Mensch dessen (ideeller) Vater der VaterGott ist: Er erfülle die Werke, die wie Er weiss, Ihm aufgetragen sind. Er ist rein, Er hat leicht leben, denn Er lebt nicht in der Sünde der immer eigentlichen Unwahrhaftigkeit zu Gott. Sie aber leben (ohne zu wollen), sich wohlmeinend, notwendig die egoistische Lüge; sie sind nicht Geistes Kind von Gott sondern müssen zuerst dem Irdischen verpflichtet sein, denn es ist nicht möglich zu entkommen dem (zum Menschen gehörenden) Verneiner, den Lügner und Missetäter. Wie Judas Iskariot schicksalbestimmt den Teufel in sich HAT, die Leute hier wie Bastarde SEIN müssen, da sie wohl in sich TEIL des Teufels Geist SIND: Ist das WERDEND oder als Schicksal hinein gelegt? Was bist du, wenn es Schicksal ist? Oder ist es Pflicht Widerstand zu leisten, egal ob vom Teufel besetzt oder (wie ein) Teufel sein wollend? Und Er, wie verächtlich, nicht sanft:

44 "Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit [der wahren Wirklichkeit in Gott]; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus sich selbst; denn er ist ein Lügner und ja! der Vater aller Lüge. 45 Ich aber, weil ICH die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. 46 Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ICH aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? 47 Wer von Gott ist, der hört die Worte Gottes; darum [deshalb] hört ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott."

[Siehe Joh 18,37 »Da fragte ihn Pilatus:"Also bist du doch ein König?" Jesus antwortete: "Du sagst, dass ich ein König bin. ICH -dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit [die Wirklichkeit Gottes] zeugen soll. Jeder, der aus [der] Wahrheit ist, der hört meine Stimme."« Zwingende Verbindung hier und eigentlich aussichtslose Bemühung um die buchstabengetreuen Glaubenden!]
Das Licht der Wahrhaftigkeit scheinet in der/die Finsternis und was aus Seinem blühenden Mund kommt das ist reinste Wahrheit (der Nähe zu Seinem VaterGott): sie muss unverständlich sein, denn nur der, der das Ohr hinneigt, wird die ewigliche Süsse der lieben Worte zum Schöpfer, zum Erbringer, vernehmen und beglückt in sich erhalten können. Und so sollte es nicht WERDEN: Er musste Seinen Weg gehen und im Nachhinein entwickelt sich Seine unlebbare Absicht zu Seiner hoheitlichen Herrschaftlichkeit.

48 Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: "Sagen wir nicht mit Recht, dass du ein Samaritaner bist und den Teufel hast [vom bösem Geist besessen bist]?" 49 Jesus antwortete: "Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. 50 Aber ich suche nicht meine Verherrlichung [Ich aber sorge mich nicht um meine Ehre]; es ist aber einer, der sie sucht, und er urteilt [der EINZIGE. Er ist der Richter.] 51 Amen, Amen, ich sage euch: Wer [sich an] mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen ewiglich."

Das fällt ihnen ein: Er ist (wie) ein Samaritaner! Sie, die Juden, wie immer vom Evglstn. verächtlich dargestellt, die pragmatisch die (öffentlichen) ´Gesetze´ einhalten und ´betreiben´, sie können nicht offen sein für Seine zurückhaltende Weisheit: In Seiner gesegneten, durchdringenden Schau in die ´Gesetze´ sieht Er das Übel im Volk, das, von politischen, priesterfördernden ´Gesetzen´ gefesselt, lebenslüstern, ´gerecht´ und unerhellt (geworden) IST. Er will sie zurückführen, zur Vernunft des Glaubens, letztlich zur Funktion des Menschen in seinem Gott.

52 Da sprachen die Juden zu ihm: "Nun erkennen wir, dass du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: ´So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich.´

[Wieweit der andere, neue Tod Trost oder Ziel für die Juden sein soll ist nicht wichtig: Leider muss dieses (banale) Ziel verheissen werden, es geht ja nicht ohne Versprechungen. Die Juden sind -wegen Seiner offensichtlichen Machtlosigkeit- nicht beeindruckt, sie spotten.]

53 Bist du mehr als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?"

W.Jens: »Glaubst du wirklich, dass du größer als unser Vater Abraham bist? Er ist gestorben. Größer als die Propheten? Sie sind gestorben. Und du, was machst du aus dir? Putzt dich heraus und spielst Gott.« Erfrischend die freiere und große Eindeutschung! Verächtliches Fragen. Wer ist der Prediger? Was kann der schon geben? Er kann nichts geben und nichts nehmen: Er IST hier, für immer! Weil Er für den Sinn der Welt steht. Er IST nie wirklich, sondern nur Hoffnung an ein rechtes AusGERICHTETsein der Existenz, gereckt hinauf in die oberste Instanz (des ´Vaters´). Und sie nehmen Seine Worte zu wörtlich: Er will sie nicht vor den Tod des Fleisches bewahren, denn aus der Welt sterben ist eine Gnade, auch wenn der Tod nie der Freund sein kann, sondern immer nur wie kaltes, angstvolles und feindliches Übertreten: letzte ZEIT und letzter ORT! (Das Sterben raubt uns die Würde des Lebens!) Er will ihnen die Angst vorm Abscheiden, vorm Verlassen, nehmen und ihre Hoffnung verlängern: Denn was sie verlieren ist nichts, gegen das durch Ihn GEWORDENE Wissen vom Ewigen Leben!

54 Jesus antwortete: "Wenn ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von dem ihr sagt, Er sei euer Gott; 55 und ihr kennt ihn nicht [mehr]; ich aber kenne ihn. Und sagte ich: Ich kenne ihn nicht, so würde ich zum Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. 56 Abraham, euer Vater, ward froh, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich." 57 Da sprachen die Juden zu ihm: "Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?" 58 Jesus sprach zu ihnen: "Amen, Amen, ich sage euch: ich war, der ICH BIN, ehe Abraham ward."

Es ist nicht zu (er)leben, es ist nur zu verstehen aus der Idee heraus: Das Leben -ansich- ist nichtig und bis jetzt, also ohne Ihn, trostlos endigend.
[Siehe Pred (Kohelet) 1: »Dies sind die Reden des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs zu Jerusalem. 2 Es ist alles ganz eitel, [H.Menge: Oh Nichtigkeit der Nichtigkeiten!] sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. 3 Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? 4 Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt ewiglich. 5 Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe. 6 Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing. 7 Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder. 8. Es sind alle Dinge so voll Mühe, daß es niemand ausreden kann. Das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt. 9. Was ist's, das geschehen ist? Eben das hernach geschehen wird. Was ist's, das man getan hat? Eben das man hernach tun wird; und geschieht nichts Neues unter der Sonne. 10. Geschieht auch etwas, davon man sagen möchte: Siehe, das ist neu? Es ist zuvor auch geschehen in den langen Zeiten, die vor uns gewesen sind. 11. Man gedenkt nicht derer, die zuvor gewesen sind; also auch derer, so hernach kommen, wird man nicht gedenken bei denen, die darnach sein werden. 12. Ich, der Prediger, war König zu Jerusalem 13. und richtete mein Herz zu suchen und zu forschen weislich alles, was man unter dem Himmel tut. Solche unselige Mühe hat Gott den Menschenkindern gegeben, daß sie sich darin müssen quälen. 14. Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht; und siehe, es war alles eitel und Haschen nach dem Wind. 15. Krummes kann nicht gerade werden noch, was fehlt, gezählt werden. 16. Ich sprach in meinem Herzen: Siehe, ich bin herrlich geworden und habe mehr Weisheit denn alle, die vor mir gewesen sind zu Jerusalem, und mein Herz hat viel gelernt und erfahren. 17. Und richtete auch mein Herz darauf, daß ich erkennte Weisheit und erkennte Tollheit und Torheit. Ich ward aber gewahr, daß solches auch Mühe um Wind ist. 18. Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lernt, der muß viel leiden...« usf Das Buch Kohelet ist selbstverständlich nicht von König Salomo; die Verfasser wählten den Namen um sich Aufmerksamkeit zu sichern. Entstanden ca. 3.Jh vC; Textsammlung vermutlich aus dem Ägyptischen und Altisraelischen ins Hebräische kompiliert, unter starkem hellenistischen Einfluss. Aussergewöhnliches Zeugnis einer (persönlichen?) tiefgründigen Skepsis und lakonischen Hoffnungslosigkeit. Die rein jüdische, widerlegende Antwort erfolgte mit Jesus (ben) Sirach 197 vC auf Hebräisch, 132 vC in Alexandria ins Griechische übertragen. Dort wird dem hellenistischen Denken kein Platz eingeräumt: Das Buch zählt zur Weisheitsliteratur des AT und war unter den orthodoxen Juden weit verbreitet.]
Nur die Idee vom Leben in der Wahrhaftigkeit ist recht richtig und lebenswert! Und Er fasst zusammen: alles was war und ist, WARD in Ihm vor aller Zeit geworden: Er ist der gute Sinn der Welt und alle Vorstellung von Leben ist Seine. Er brauchte nicht von Seiner Wahrheit erzählen, aber Er will verständlich sein, will helfen: Er ist unstreitig gegeben, denn Er ist das GANZE und Seine Worte sind NAMEN für das Unvorstellbare, Unbestimmte und gefüllt nur durch das von Ihm Sagbare! Ein Paradoxon von Seinen Lippen entlassen wirbt für sich, wirkt auf das Geheimnis der Präexistenz: Er war immer schon hier im VaterGott; im Anfang aller Zeiten war Er hier (´ehe die Berge wurden und die Erde und der Himmel geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit´), denn Er ist das INNEN des AUSSEN, Er ist das nicht nur das Sagbare und das Sinngebende, ohne Sein MenschSein gibt es keine (christliche) Welt. Ist die Sinnfrage verknüpft mit unserem Sein (als der Perspektive bedürftiger Wesen) oder lässt sie sich vom Oben, dem Göttlichen, lösen, und man kann sprechen von Jesus wie von jedem Menschen: Wohl nur Er ist eingehüllt in einem mystischen Schleier, weil die Glaubenden es so wollen (müssen). Ist aber alles zu erklären und vereinen mit unserem Wissen von der Welt, als allgemeiner vernünftiger Baustein, als zwischen den Dingen sich Befindliches, wie LOGOS, hier bei uns seiend ? Und gewiss kann Einer sich die Mühe machen und getrost aufnehmen das GANZE: Er ist nur Beispiel für alle Möglichkeit. Was immer Er vermittelt (vermitteln suchte), Wirklichkeit in Gott wird es für uns, die um das einzig Reine Betrogenen, keine geben!

59 Da hoben sie Steine auf und drohten. Aber Jesus verbarg sich und ging fort, fort aus dem Heiligtum [mitten durch sie].

06-1996//08.2005//06-2009//