Goethe
erfassen ausserhalb seines Werks, das schwer genug befrachtet ist
mit seiner ungeheuren Weltsicht,
da muss man zu seinen
"Gesprächen" greifen. Wer unabhängig vom PC
sein möchte sollte versuchen
"Goethe im Gespräch"
in der Manesse Bibliothek der Weltliteratur, Manesse Verlag
Zürich, ISBN 3-7175-1704-X
zu erwerben. Dort sind die
wichtigsten Gespräche untergebracht, einschliesslich der
berühmte Eckermann-Teil
(dessen "Gespräche mit
Goethe" von Nietzsche als eines der besten deutschen Bücher
gehalten wurde). Oder
man besorge sich aus der aussergewöhnlichen
"Digitalen Bibliothek" die Nummer DB010: Goethe Briefe,
Tagebücher, Gespräche auf 32662 Seiten (!). Die CD
lässt sich komplett auf die HD spielen, sodass
nerven-
schonend gelesen werden kann (Im Netz gibt es viel über
Eckermann / Goethe zu lesen).
Zu Eckermann ist oft gesagt
worden er sei ohne eigene Persönlichkeit im Umgang mit
Goethe gewesen. Sicher
ist, dass Goethe, nur wenn er wollte,
neben sich eine Person aufkommen liess (seine höfisch
unterwürfige Manier
zum Fürstenhaus verschleierte nur
die Abhängigkeit des Großherzogs). Nur der junge
Goethe hatte in Herder
einen überragenden Geist gesehen, der
Goethe nach seiner Italienischen Reise war ein Anderer, ein
Erwachsener,
Einsamer, den sein Schicksal (nur) noch den
ausserordentlichen genialischen Schiller zuführte. Nach
Schillers
frühem Tod war Goethe tatsächlich einsam und
ohne gleichwertigem Umgang, wenn auch nicht allein, denn er
führte ein großes Haus mit seiner (nach seiner Art)
innig geliebten Christiane.
Mit den Dr.Eckermann fand Goethe
den unersetzlichen Gehilfen und Eckermann fand mit Goethe seine
Bestimmung und er ist sicher wortwörtlich und sinnbestimmt
in Goethes Denken zuhause gewesen, was letztlich
den
übermittelten Worten Goethes einen hohen Wahrheitswert
geben, obwohl einige Texte von Eckermanns
Gönner Frédéric
Soret stammen und einiges an Goethes Aussagen eher dem beredtem
Munde seines "Schülers"
entschlüpft sein
mag.
Im verdienstvollen Verlag <zweitausendeins.de> ist
nun eine (doch nicht liegengebliebene?) Taschenbuchausgabe
Goethes Sämtliche Werke im Angebot, btb-Verlag,
ISBN-10: 3-442-72960-2 und ISBN-13: 978-3-442-72960-9;
sehr
preiswert! Die Basis ist die Ausgabe des Carl Hanser Verlags aus
1998, die sogenannte Münchener Ausgabe.
Neben den Werken in
der Reihenfolge ihres Entstehens sind auch die Briefwerke mit
Zelter und mit Schiller und der
unvermeidliche Eckermann. Wichtig
dass im Briefwechsel mit Schiller auch dessen Briefe enthalten
sind. Das war
ja bei der berühmten Weimarer Ausgabe nicht
so. Interessant im Kommentar zum Briefwechsel die Beschreibung
der Bemühungen Goethes, bereits im hohen Alter von 75 die
eigenen Briefe, die im Besitz der Familie Schiller
verblieben
waren, zurück zu erhalten um seine und die des Weggenossen
Briefe gemeinsam zu präsentieren. Es ist
ihm gelungen und
wir sind einem großen Werke nah gekommen. Er betrachtete
die Briefe als einen Teil seines
Werks und wenn sie auch nicht in
dem belehrenden Ton wie zu Eckermann abgefasst worden sind
sondern wie im
Zwiegespräch mit einem respektierten und
fordernden und dadurch fördernden Menschen, so zeigen sie
sein Genie
und die Unverstellbarkeit zum endlich gefundenen
Widerpart! Nur hier spürt man das Feuer und die Kraft des
Wunders
Goethe, alle anderen seiner Briefe an die ganze Welt sind
wie mit dem kleinen Finger gemacht.
Ernüchternd die zT
hämischen Beurteilungen seiner Zeitgenossen, Christian
Dietrich Grabbe, auch so noch in
Germanistenkreisen bekannt,
wettert recht ordentlich gegen Goethe, Schiller lässt er
noch gelten. A.W.Schlegel
ist erzürnt über die nun
öffentliche Meinung Schillers über ihn und seinen
Bruder, Ludwig Börne (Freund Heines und
Journalist) macht
sich geistreich lustig über die beiden Klassiker.
//02-2007//10-2008//