Das war eine
Brotarbeit, immerhin war Heine ein politischer Schriftsteller und
aus gutem Grund lebte er in Paris
und nicht in Deutschland. Er
schrieb einen großen Teil in französischer Sprache für
das Pariser Publikum (s. ´Der Salon´).
Bei der
Rückübersetzung ins Deutsche scheint sich Heines Geist
und Witz verstärkt zu haben: Heine ist umfassend
informiert,
nicht zimperlich mit seinen Urteilen, trotzdem begeisterungsfähig
und voller jugendlichem Feuer. Sehr empfeh-
lenswert das heute noch
zu lesen!!
Schön wäre es gewesen, wenn die Deutsche
Literaturgeschichte ähnlich anspruchsvoll mit ihm verfahren
wäre! Nun, in
dem umfänglichem Werk von Dr.Johannes
Scherr Illustrierte Geschichte der Weltliteratur
aus der Franckh´schen
Verlagshandlung Stuttgart aus 1899, wird in der Abteilung ´Die
germanischen Länder´ über Heine weit ausgeführt:
In Heinrich Heine
[..] vernichtet die Romantik sich selbst. Sie lief bei ihm
in die
Spitze des Witzes aus, um mit klirrendem Lachen abzubrechen. Sie
schlägt
in seinen Liedern noch einmal die süssesten
Töne an -wie z.B. die ganze
Romantik nichts
Katholisch=Innigeres hervorgebracht hat als Heines ´Wallfahrt
nach Kevlaar´ und das wundersame Nordseebild ´Frieden´-,
um dann plötzlich in
den gellenden Lachtriller der
Selbstverhöhnung überzuspringen. Echt romantisch
ist
bei ihm die zügellose Willkür der genialen
Persönlichkeit, womit er in
diesem Augenblick sein
humanistisches Ideal mit allen Lichtern der Poesie und
des
Gedankens verklärt, um dasselbe im nächsten mit seiner
Narrenpritsche zu
misshandeln, ihm Sarkasmen ins Gesicht zu
spucken, es durch den Kot zu schleifen.
[..]
Man kann bei
Heine höchstens eine Begeisterung des Witzes gelten lassen,
d.h.
Heine hätte lieber Schlimmes, sogar Schlimmstes über
sich ergehen lassen, als
einen ihm auf der Zunge prickelnden
Einfall nicht auszusprechen. Dass Heine ein
charakterloser Mensch
war, kann nach seinen eigenen ´Geständnissen´
keinem Zweifel
mehr unterliegen. Hat er doch aus dem geheimen
Fonds unter Louis Philipp einen
Jahresgehalt bezogen, also aus
einer Quelle, welche nur für Mouchards, Spione,
Apostaten
und Verräter floss. Abgesehen von diesem unaustilgbaren
Brandmal ist
es auch gewiss, dass Heine infolge des Mangels an
sittlichen Gehalt nie dazu
kommen konnte, ein Kunstwerk zu
schaffen, wie seine geniale Begabung wohl hätte
eins
erwarten lassen. Das treffendste vielleicht, was über Heine
gesagt worden,
ist seine witzige Selbstkritik: ´Ich bin
Sauerkraut, mit Ambrosia gemacht.´
[..]
Das geht dann so
weiter; der ´Romanzero´ wird noch rühmend
erwähnt: Heines Abgesang in qualvoller Krankheit (seiner
Matratzengruft). In der Geschichte der Deutschen Literatur von
Paul Fechter, im Th.Knaur Nachf. Verlag Berlin aus 1941,
kommt
Heine jedoch nicht vor, da die Literaturgeschichte judenfrei!
sein sollte, dafür u.a.
mit beredtem Hinweis auf Hitlers ´
großes
Bekenntnisbuch´. Über Fechter vielleicht
später mehr. Nebenbei:
Das renommierte Musiklexikon von RECLAM
hatte (noch) eine Auflage
(nach der Nazizeit!) wo z.B. Korngold nicht zu finden war.
Zu
Paul Fechter: Im sehr empfehlenswerten Geheimreport von
Carl Zuckmayer im Wallstein Verlag, wird von CZ warmherzig
von
Fechter berichtet und angedeutet wie der Zeitgeist zwangvoll
persönliche Eigenschaften verbiegen kann. Im hervor-
ragenden,
beigefügtem Kommentar wird neben Fechters beruflichen
Stationen in der Nazizeit auch auf seine drei
Literatur-
geschichten (1932, 1941, 1952) Bezug genommen.
In
der sehr wohlfeilen Ausgabe Illustrierte Geschichte der
Deutschen Literatur als Lizenzausgabe für Komet
MA-Service
und Verlagsgesellschaft GmbH, Frechen ["http://www.derclub.de/"]
wird schwungvoll und recht seriös ausgeführt:
An poetischen
Talent allen Gesinnungsgenossen überlegen, der einzige große
Lyriker der Jungdeutschen war Heinrich Heine (1797-1856). [..]
Der Dichter
Heine und der Schriftsteller Heine haben
selbstverständlich viel Gemeinsames,
dennoch ist
erforderlich, die beiden getrennt darzustellen. [..]
In Paris
fühlte Heine die Pflicht, die beiden Völker, das
deutsche und das
französische, einander näher zu
bringen, wie es vor ihm Madame de Stael getan
hatte. Über
sein Gastland berichten die ´Französischen Zustände´
(1832),
witzige, teils frivole Reportagen über Literatur und
Politik, welche die
deutschen Republikaner ebenso enttäuschten
wie deren Gegner, ihnen folgten
(1834 und 1840) die vier Bände
mit dem Titel ´Der Salon´, veranlasst durch
die
Besprechung der großen Gemäldeausstellung in Paris.
[..]
Ist der Schriftsteller Heine schon eine umstrittene
Persönlichkeit, so gilt
das gleiche vom Dichter Heine. [..]
Bismarck, der zwar als Instanz der
literarischen Kritik weniger
interessant ist, stellte Heinrich Heine als
Liederdichter neben
Goethe. Doch auch Mörike nannte Heine einen "Dichter
ganz und gar", sprach freilich auch von der "Lüge
seines ganzen Wesens".
Heine ist nicht
neben Goethe zu stellen, obwohl sein ´Buch der Lieder´
eine ungeheure Wirkung erzielte und ein
sensationeller Erfolg war
und viele Komponisten zur Vertonung anregten. Heine ist
unsterblich in seiner Prosaarbeit.
Ein sehr unappetitliches
Stück Polemik und Satire ist in ´Reisebilder´
der Text ´Die Bäder von Lucca´, in dem der
arme
Graf Platen übelst vorgeführt wird. In
["http://gutenberg.spiegel.de/"]
kann das nachgelesen werden, und
während man grimmig oder
lauthals lachen muss über Platen, weiss man, dass man an der
falschen Stelle lacht.
Aber das ist so bei Heine, er war ein
gefährlicher Mann und hier hat er Karl Immermann verteidigt
vor dem was er
Platen vorwarf.
Heine der wissenschaftliche Autor.
06-2000//04-2006//