Arno Schmidt (1914-1979)
Bereits eine geschichtliche Figur in der Deutschen Literatur geworden, so wie er es gewollt:
Mit ihm beginnend und endend eine Tradition des Geistestieres. Anfangs nur eher unsyste-
matischer Privatgelehrter und Schriftsteller, Arbeiter!, später mit seinen monströsen Zettelkästen
(im Netz unter [http://www.arno-schmidt-stiftung.de/ arno/2_48_text.html] Arno Schmidt-
Stiftung auffindbar), aus denen er schöpfte; gebannte Wissenfrüchte syntaktisch und orthografisch
schmidteigen in seine Typoskripte einbauend, eingebettet in Unmengen Neskaffee und manchen
magenbitteren Schnaps.
Schmidt großteils seines Lebens unter eher beengten Verhältnissen bis drückender Armut leidend,
hat letztlich erfolgreich sein Leben ins Großartige herumreissen können; saturiert und leider schon
mit zerrütteter Gesundheit arbeitete er unverdrossen die letzten Jahre seines Lebens ab, begleitet
vom formidablen Jan Philip Reemtsma. Schmidt lesen (am Anfang eher expressionistischer Stil)
ist mühsam, erfrischend, belehrend und doch Aggression freisetzend, da er in seiner großartig
belehrenden Attitüde abstossend wirken kann, anderseits bezaubert er mit seiner fast übermensch-
lichen Anstrengung seine Leser zu belehren.
Daneben ragt -fast heiter- eine aufklärerische Schrift hervor, eine Studie über Karl May: "Sitara und
der Weg dorthin" (1962). Dort entwickelt er mit seiner Theorie der sprachbezogenen -in der Sprache
versteckten unbewussten- Hinweisen den Nachweis dass May´s Landschaftsschilderungen
offensichtlich homoerotische Verschlüsselungen sind. Im Anhang führt er kurz Stifters Landschaften
als heteroerotische Beschreibungen an. Wie weit führend und wie richtig seine Überlegungen sind
ist bedeutungslos, da geistreich und sehr plausibel.
Eine Fundgrube für jeden der in Bibliotheken schmöckern möchte sind seine Radioessais (1958).
Eine umfangreiche Übersetzungsarbeit aus dem Englischen (seine Brotarbeit) : James F.Cooper!,
Edgar A. Poe!, und sein lebenslanges Ringen mit Joyce, siehe
[http://www.literatur-live.de/salon/joyce.htm] Finnegans Wake.
Schmidts Hauptwerk "Zettels Traum" ist aussergewöhnlich anspruchsvoll und strotzt vor geballter,
gehäufter Bildungs- und Verschlüsselungsfreude des Autors. Das monströse Buch ist der Höhepunkt
der Zivilisation des Arno Schmidt. //05-2007//